# Die Lobby als Umsatz-Hub: Vom Co-Working-Space zur Cocktail-Bar

## TL;DR
- Die Lobby als Umsatz-Hub: Vom Co-Working-Space zur Cocktail-Bar.
- Die Lobby war lange Zeit ein Durchgangsort - ein Ort für das schnelle Ein- und Auschecken.
- Heute wird sie zum Umsatzmotor, Community-Hub und zur Bühne für starke F&B-Konzepte.
- Wer versteht, wie man Dayparts orchestriert und die Lobby als „Third Place" positioniert…

**Teaser / Vorspann:**
Die Lobby war lange Zeit ein Durchgangsort – ein Ort für das schnelle Ein- und Auschecken. Heute wird sie zum Umsatzmotor, Community-Hub und zur Bühne für starke F&B-Konzepte. Wer versteht, wie man Dayparts orchestriert und die Lobby als „Third Place“ positioniert, kann zusätzliche Umsätze generieren, lokale Gäste anziehen und sich vom Wettbewerb klar absetzen.

## 1. Das Ende der „toten Halle“

Stellen Sie sich die klassische Hotellobby vor: viel Marmor, viel Fläche – und oft erstaunlich wenig Leben. Diese Ära geht gerade zu Ende. Lobbys werden heute zu wohnlichen, offenen Räumen, in denen Reisende, Nachbarn und digitale Nomaden zusammenkommen. Die Entwicklung hin zum „Open House“-Ansatz hat das Bild vieler Häuser verändert: weg vom anonymen Empfang, hin zum lebendigen Treffpunkt.

Der Trendforscher Pierre Nierhaus bringt es in seinem vielzitierten Satz aus dem *Rolling Pin*-Interview auf den Punkt: „Das Zimmer ist nebensächlich. Die Gastronomie entscheidet.“ Damit meint er nicht nur Restaurants, sondern explizit auch Lobbys, Rooftops und Barflächen – jene Orte, an denen Gäste heute ihre Zeit verbringen, arbeiten, kommunizieren oder einfach ankommen.

Pioniere wie CitizenM haben früh vorgemacht, wie ein „Living Room“-Konzept funktioniert. Bequeme Möbel, flexible Arbeitsplätze und eine offene Bar-Struktur machen die Lobby zum Wohnzimmer für alle. Für Hoteliers bedeutet der Trend eine klare Chance: Jeder Quadratmeter Lobby kann beitragen, RevPAR und F&B-Umsatz spürbar zu steigern – vorausgesetzt, der Raum wird strategisch gedacht.

## 2. Daypart 1: Der Co-Working-Magnet

Wer morgens durch moderne Hotel-Lobbys läuft, sieht ein Bild wie aus einem urbanen Co-Working-Space: Laptops, Kaffeeduft, konzentriertes Tippen. Genau das macht die Lobby zu einem Tagesumsatz-Hub – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

### Infrastruktur: Arbeiten ohne Workarounds

Damit eine Lobby funktioniert, braucht es mehr als Lounge-Sessel. Tiefe Sofas mögen gemütlich sein, eignen sich aber kaum zum Arbeiten. Ergonomischere Möbel, Tische mit integrierten Steckdosen, High-Speed-WLAN und gute Lichtverhältnisse sind heute Mindeststandard. Viele Häuser ergänzen die Möblierung durch flexible Einzeltische oder kleine Gruppenarbeitsbereiche.

Ein Blick in moderne Konzepte wie Accors Co-Working-Marke Wojo zeigt: Je weniger improvisiert Gäste arbeiten müssen, desto länger bleiben sie – und desto höher ist der Umsatz pro Stuhl. Eine Erkenntnis, die immer mehr Häuser adaptieren.

### Kulinarik: Schnell, hochwertig, unkompliziert

Co-Worker brauchen Energie in Form von Koffein und unkomplizierten Snacks. Erfolgreich sind Angebote wie:

- Barista-Kaffee (am besten mit eigener Röstung oder lokaler Kooperation)
- Bowls, Sandwiches, kleine Salate
- „Grab & Go“-Vitrinen für viel Frequenz bei wenig Personalaufwand

Viele Häuser berichten, dass hochwertiger Kaffee einer der größten Frequenztreiber am Vormittag ist. Ein guter Espresso kann der erste Schritt in einen längeren Aufenthalt sein – und der Startpunkt für Cross-Selling.

### Monetarisierung: Der Kampf gegen die Dauer-Sitzer

Das Problem ist altbekannt: Ein Gast bestellt einen Cappuccino und blockiert vier Stunden lang einen Premiumplatz in der Lobby – eine klassische Falle für sinkenden „Revenue per Chair“. Ein Hotelmanager formuliert es typisch: „Die größte Herausforderung ist der Gast, der vier Stunden lang eine Steckdose belegt und nur einen Espresso trinkt. Hier brauchen wir Fingerspitzengefühl und klare Regeln.“

Lösungen sind:

- Mindestverzehr pro Stunde oder Zeitfenster
- Co-Working-Pässe (Tages-, Wochen- oder Monatstickets)
- klar kommunizierte „Fair Use“-Policies
- gestaffelte Angebote wie Kaffee-Flatrates oder Arbeitsplatz-Upgrades

Accor zeigt mit Wojo, dass Co-Working längst ein eigenständiger Umsatzstrom sein kann – nicht nur ein „nice to have“.

## 3. Der „Changeover“: Atmosphäre auf Knopfdruck

Gegen Abend verwandelt sich die Lobby – oder sollte es zumindest. Der Wechsel vom Arbeitsmodus zum Bar-Modus entscheidet über den Gesamterfolg des Konzepts. Dieser „Changeover“ muss inszeniert werden, idealerweise jeden Tag zur gleichen Zeit, etwa gegen 17 oder 18 Uhr.

### Licht: Von Arbeit zu Atmosphäre

Helles, dynamisches Licht signalisiert Produktivität. Für den Abend braucht es das Gegenteil: warme, gedimmte Lichtinseln. Design-Psychologie-Studien, etwa zitiert im *Gastgewerbe Magazin*, zeigen deutlich: Viele kleine Lichtquellen erzeugen Intimität, während zentral gesteuertes helles Licht eher Aktivität fördert.

### Musik: Genre-Wechsel als Stimmungswechsel

Ein Wechsel von Lo-Fi-Beats oder Ambient-Musik zu Lounge, Jazz oder leichtem House funktioniert in vielen Häusern gut. Ein wenig mehr Bass, ein bisschen mehr Lautstärke – und der Raum verändert seine Wirkung.

### Rituale: Sichtbare Signale

Auch kleine Handlungen wirken Wunder:

- Kerzen oder Lichter auf den Tischen
- sichtbar platziertes Bar-Equipment
- Servicekräfte im „Bar-Modus“
- „Laptop-free zones“ ab einer bestimmten Uhrzeit

Gäste verstehen diese Signale intuitiv. Die Lobby „atmet“ anders – und lädt zum Bleiben ein.

## 4. Daypart 2: Die Bar als Destination

Wenn die Arbeit getan ist, wird die Lobby am Abend zur Bar – idealerweise nicht nur für Hotelgäste, sondern auch für Locals. Denn nur mit ihnen entsteht das regelmäßige Grundrauschen, das eine Lobby-Bar wirtschaftlich attraktiv macht.

### Mehr als nur „die Hotelbar“

Eine erfolgreiche Lobby-Bar braucht eine eigene Identität. Beispiele wie die Brunfels Bar in Mainz oder das Cinchona-Konzept der 25hours Hotels zeigen, wie die Grenzen zwischen Lobby, Bar und Rezeption verschwimmen können. Entscheidend ist, dass die Bar nicht als „Anhängsel“ wirkt, sondern als eigenständige Marke.

### Signature Drinks: Storytelling verkauft

Drinks mit lokaler Note sind ein echter Anziehungspunkt: Zutaten aus der Region, Anspielungen auf die Stadtgeschichte oder kreative Neuinterpretationen bekannter Klassiker. Solche Drinks laden zum Erzählen ein – und machen die Bar instagrammable, ohne dass sie sich anbiedern muss.

### Locals first

Viele Häuser berichten, dass der Erfolg am Abend maßgeblich von der Einbindung der Nachbarschaft abhängt. Lokale Gäste bringen Frequenz, Stimmung und eine gewisse Authentizität. Der „Third Place“-Charakter entsteht nur dann, wenn die Bar nicht künstlich wirkt, sondern als Treffpunkt wahrgenommen wird.

## 5. Operative Hürden: Lärm, Laptop & Logistik

So attraktiv der Lobby-Hub ist – operativ ist er anspruchsvoll.

### Akustik: Die unterschätzte Herausforderung

Hohe Decken, harte Böden, viel Glas – klassische Lobbys sind akustisch oft schwierig. Teppiche, Pflanzen, Vorhänge oder spezielle Deckenpaneele können den Geräuschpegel deutlich reduzieren. Akustisch wirksame Möbel, wie sie in vielen modernen Hotellobbys genutzt werden, helfen gleichermaßen.

Best Practices, wie sie etwa in einem *Hogapage*-Artikel über 25hours Hotels beschrieben werden, zeigen: Intelligente Möblierung kann locker 100 zusätzliche Sitzplätze schaffen und gleichzeitig den Geräuschpegel regulieren.

### Zoning: Der Schlüssel zu friedlicher Koexistenz

Zoning trennt Arbeitsbereiche von geselligen Flächen:

- „Quiet Zones“ für Arbeiten, Lesen oder Telefonate
- „Social Zones“ für Bar, Meetings und Treffen

Diese Struktur verhindert Konflikte und steigert sowohl das Wohlbefinden als auch den Umsatz pro Fläche.

### Service: Der Moduswechsel muss sitzen

Das Personal muss flexibel zwischen schnellem Kaffee-Service am Vormittag und beratungsintensivem Bar-Service am Abend wechseln. Schulungen zu Körpersprache, Arbeitsabläufen und Produktkenntnis sind daher essenziell.

### Platzfragen: Nicht jede Lobby kann alles

Boutique-Hotels oder Häuser mit sehr kleinen Lobbys stoßen schnell an Grenzen. Hier gilt: weniger ist mehr. Lieber ein kleiner, klar definierter Nutzungsbereich als ein überfrachteter Raum ohne Konzept.

## Fazit & Ausblick

Die moderne Hotellobby ist kein Durchgangsraum mehr – sie wird zum Herzstück des Hauses. Wer Dayparts clever orchestriert, die Atmosphäre gezielt steuert und die Bedürfnisse von Co-Workern wie Bar-Gästen gleichermaßen versteht, kann seinen RevPAR spürbar steigern und neue Zielgruppen erschließen.

In den kommenden Jahren wird die Lobby noch stärker zur Erlebnisfläche werden: digitale Tools zur Steuerung von Licht und Musik, smarte Raumkonzepte und klare F&B-Profile werden Standard. Wer jetzt investiert, schafft einen echten Wettbewerbsvorteil – und einen Ort, an dem Gäste gerne Zeit verbringen.

### Kurz-Check für Ihren Betrieb

- Ist Ihre Lobby logistisch bereit für Co-Working (Steckdosen, WLAN, ergonomische Möbel)?
- Gibt es eine klare Daypart-Strategie – und wird sie für Gäste sichtbar inszeniert?
- Haben Sie ein monetarisierbares Co-Working-Angebot (Mindestverzehr, Pässe, Fair Use)?
- Funktioniert der „Changeover“ von Tag zu Abend reibungslos?
- Haben Sie eine Bar-Identität, die auch Locals anspricht?
- Sind Akustik und Zoning klar gelöst?

Wenn Sie diese Punkte jetzt angehen, sind Sie Ihrer Konkurrenz gleich mehrere Schritte voraus – und machen aus Ihrer Lobby einen echten Umsatz-Hub.
