# Low-ABV: Die Kunst der leichten Umdrehung – Mehr Umsatz mit weniger Alkohol

## TL;DR
- Low-ABV: Die Kunst der leichten Umdrehung - Mehr Umsatz mit weniger Alkohol.
- Der Trend zum bewussten Genuss verändert die Barwelt - und eröffnet Gastronomen neue…
- Low-ABV-Drinks treffen den Nerv einer Generation, die Geschmack, Geselligkeit und gute Laune…
- klug einsetzt, gewinnt neue Gäste und verkauft häufiger die zweite Runde.

**Teaser:**
Der Trend zum bewussten Genuss verändert die Barwelt – und eröffnet Gastronomen neue Umsatzchancen. Low-ABV-Drinks treffen den Nerv einer Generation, die Geschmack, Geselligkeit und gute Laune sucht, aber nicht den nächsten Morgen opfern will. Wer Wermut, Sherry & Co. klug einsetzt, gewinnt neue Gäste und verkauft häufiger die zweite Runde. Zeit, das „leichte“ Handwerk neu zu entdecken.

## 1. Rausch war gestern, Genuss ist heute

Stellen Sie sich einen Freitagabend vor: volle Bar, vibrierende Stimmung – und dennoch bestellt kaum jemand den „starken Stoff“. Stattdessen greifen viele Gäste zu Drinks, die aromatisch, elegant und überraschend leicht sind. Willkommen im Zeitalter des „Sessionable Drinking“.

Der Wunsch nach Genuss ohne Knock-out, nach Socializing ohne Reue, prägt besonders Gen Z und Millennials. Gesundheitsbewusstsein spielt eine Rolle, aber ebenso wichtig ist der gesellschaftliche Wandel hin zu hochwertigem, längerem Genießen. Dabei geht es *nicht* um alkoholfreie Mocktails, sondern um Low-ABV – Drinks zwischen etwa 5 und 15 % Vol., bei denen nicht der Verzicht im Vordergrund steht, sondern die Balance.

Bar-Experte Stephan Hinz fasst es treffend zusammen: „Signature Drinks sind das Herzstück – und Drinks mit reduziertem Alkohol sind das Segment, das am stärksten wächst.“
Und Rocco Tolomeo vom The Fontenay ergänzt in der AHGZ: „Es geht nicht mehr um den Rausch, sondern um den Genuss. Seit der Pandemie wird mehr mit Vernunft konsumiert.“

Auch Social Media verstärkt den Trend: Über zehntausend Beiträge unter #nolow dokumentieren das steigende Interesse. Kurz gesagt: Low-ABV ist nicht Nische – es ist Mainstream im Werden.

## 2. Die „Session“-Klasse: Definition & Handwerk

Was macht einen Low-ABV-Drink aus? Technisch bewegen wir uns im Alkoholbereich von Wein und Bier, aber mit der kreativen Dimension eines Cocktails. Die wahren Helden dieser Kategorie sind Zutaten wie Wermut, Sherry (Fino, Manzanilla, Amontillado), Portwein, Amaro, Madeira oder Sake. Was früher als Ergänzung diente, wird heute zur Hauptrolle auf der Bühne.

Eine beliebte Methode hinter der Bar ist das „Reverse-Engineering“ klassischer Rezepte. Beispiel: Reverse Manhattan – zwei Teile Wermut, ein Teil Whiskey. Das Ergebnis: weniger Alkohol, mehr aromatische Tiefe.

Der US-Barbetreiber Alex Day bringt den kreativen Reiz in einem Interview bei Punch auf den Punkt: „Aperitifs und Low-Alcohol-Cocktails bieten ein ganz neues Format zum Spielen. Man kann die starke Persönlichkeit einer hochprozentigen Spirituose weglassen und Aromen auf andere Weise erkunden.“

Für Gastronomen bedeutet das:
*Der Werkzeugkasten wird größer.* Wermut lässt sich mit Kräutern infusionieren, Sherry kann Frische oder Nussigkeit transportieren, Sake bringt subtilen Umami-Charakter ein. Gleichzeitig bleibt der Wareneinsatz im Rahmen – ein Vorteil, auf den wir gleich zurückkommen.

## 3. Der Business-Case: Warum Low-ABV die Kasse füllt

Stellen Sie sich zwei Gäste an der Bar vor: Person A bestellt einen Martini – danach ist meist Schluss. Person B entscheidet sich für einen Bamboo oder einen Americano-Twist – und hat deutlich weniger Hemmung, eine zweite Runde zu bestellen. Genau das macht Low-ABV wirtschaftlich attraktiv.

Gastronomen beobachten seit Jahren, was eine FIZZZ-Kalkulation oder Branchenberichte immer wieder bestätigen:
- Gäste bleiben länger.
- Gäste trinken mehr Runden.
- Gäste bestellen häufiger Snacks oder Barfood.

Ein Bar-Manager bringt es sinngemäß so auf den Punkt: „Mit Low-ABV-Drinks verkaufen wir nicht nur Getränke, wir verkaufen Zeit. Der Gast bleibt länger, weil er nicht so schnell ermüdet.“

Hinzu kommt der Wareneinsatz: Fortified Wines wie Wermut oder Sherry sind oft deutlich günstiger im Einkauf als Premium-Spirituosen. In der Wahrnehmung der Gäste spielt das jedoch kaum eine Rolle – denn entscheidend ist das Handwerk. Die Kombination aus kreativer Rezeptur, schönen Gläsern und guter Beratung ermöglicht Verkaufspreise, die denen klassischer Cocktails sehr nahekommen.

Die IWSR-Studie zum No- und Low-Alcohol-Segment zeigt zudem weltweit starkes Wachstum. Wer jetzt einsteigt, sichert sich Wettbewerbsvorteile – und spricht Zielgruppen an, die bisher vielleicht nur Wasser oder Wein bestellt hätten.

## 4. Rezept-Prinzipien: Komplexität ohne „Sprit“

Alkohol transportiert Geschmack. Reduziert man ihn, muss Tiefe anders entstehen. Bars, die Low-ABV ernst nehmen, arbeiten daher viel mit Struktur, Bitterkeit und Textur.

Vier Bausteine stehen im Mittelpunkt:

- Bitters: Ein Spritzer reicht oft, um einem leichten Cocktail Kontur zu geben.
- Kohlensäure: Highballs oder Spritz-Varianten sorgen für Volumen und Frische.
- Fermentation: Kombucha, Wasserkefir oder fermentierte Früchte bringen Säure und „Funk“.
- Infusionen: Kräuter, Zitruszesten oder Gewürze im Wermut erzeugen individuelle Signature-Noten.

In den USA hat sich für solche Drinks der Begriff „Shim“ etabliert – schlank, aromatisch, sessionable. Auch hierzulande entstehen vermehrt Konzepte, die sich bewusst dieser Kategorie widmen. Ob in einer Hotelbar in Berlin oder einer Weinbar in Wien: Wo die Drinks leicht sind, bleibt das Gespräch länger am Laufen.

## 5. Menü-Psychologie: Richtig platzieren

Der vielleicht größte Fehler besteht darin, Low-ABV-Drinks in die „Alkoholfrei“-Ecke zu verbannen. Wer sie dort platziert, signalisiert unbewusst: zweite Wahl.

Erfolgreicher sind Betriebe, die Low-ABV prominent im Herzen der Karte integrieren, etwa unter einer eigenen Rubrik wie „Aperitivo & Low-ABV“ oder „Light & Sessionable“. Diese Platzierung zeigt Gästen: Das ist kein Ersatz – das ist Kategorie.

Drei praktische Tipps für Ihre Barkarte:

- Mit Symbolen für Alkoholstärken arbeiten, etwa 1 bis 3 Punkte.
- Mutige, positive Sprache nutzen: „leicht“, „aromatisch“, „tagesform-freundlich“.
- Klassiker als Referenz anbieten: Americano, Spritz, Bamboo – alles Drinks, die ohnehin schon Low-ABV sind.

Eine gut kuratierte Menüführung senkt Hemmschwellen, steigert die Bestellquote und macht Ihre Bar konzeptionell zugänglicher.

## Fazit: Leicht trinken, klug verkaufen

Low-ABV ist kein kurzer Hype, sondern Antwort auf ein dauerhaftes Konsumverhalten: bewusst, sozial, genussorientiert. Wer diese Kategorie beherrscht, verbessert nicht nur die gastronomische Qualität, sondern erhöht auch den Umsatz pro Gast. Die zweite Runde wird wahrscheinlicher, die Verweildauer länger, die Zielgruppe breiter. Gleichzeitig bietet das Handwerk hinter Wermut, Sherry & Co. kreative Möglichkeiten, die klassische Cocktails elegant ergänzen.

In den nächsten Jahren dürfte der Markt – gestützt durch Daten wie die IWSR-Prognosen – weiter wachsen. Wer jetzt die Grundlagen legt, profitiert früh. Und wenn Sie Ihre Karte noch um eine leichte, aromatische Rubrik erweitern, sind Sie Ihrer Konkurrenz bereits einen Schritt voraus.

### Kurz-Check für Ihren Betrieb

- Haben Sie mindestens 3–5 Low-ABV-Drinks fest auf der Karte?
- Sind sie gut sichtbar in die Hauptkategorien integriert?
- Nutzen Sie Wermut, Sherry oder Sake gezielt als Basis – nicht nur als Modifier?
- Arbeiten Sie bei reduzierten Alkoholstärken mit Bitters, Fermentation oder Infusionen für Tiefe?
- Ist Ihr Team geschult, den Trend aktiv zu empfehlen?
