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Volle Tische im Flauten-Monat: Warum sich Restaurantwochen lohnen

Fixmenüs zu Jubelpreisen und volle Häuser mitten im Februar – Restaurantwochen erfreuen sich in immer mehr Städten großer Beliebtheit. Für Gastronomen bieten sie eine seltene Chance, schwache Monate zu beleben, neue Gäste anzuziehen und den eigenen Betrieb ins Gespräch zu bringen. Der Gewinn liegt dabei nicht nur auf dem Teller, sondern oft im Marketingeffekt.

1. Das Phänomen „Restaurantwoche“

Stellen Sie sich vor, es ist ein ganz normaler Dienstag im Februar – und Ihr Restaurant ist ausgebucht. Keine Firmenfeier, kein Valentinsstress, kein Feiertag. Was nach einem gastronomischen Wunschtraum klingt, wird in vielen Städten längst Realität. Restaurantwochen ziehen von Wien über Berlin bis in kleinere Orte wie Eichstätt immer größere Kreise.

Das Konzept ist schlicht: Eine Woche lang bieten zahlreiche Restaurants einer Stadt ein festgelegtes Menü zu einem Sonderpreis an. „Fein speisen zu Jubelpreisen“ – so bringt es die Wiener Ausgabe der Aktion auf den Punkt. Der Gedanke dahinter: Hürden abbauen, neugierig machen, Genuss demokratisieren. Gäste sollen Küchen kennenlernen, die sie sonst vielleicht für besondere Anlässe sparen würden.

Und die Rechnung geht auf. In Wien beteiligen sich regelmäßig über 90 Restaurants – viele davon aus der Spitzenküche. Auch Städte wie Berlin setzen auf das Modell, oft strategisch in der Nebensaison von Januar bis März. Selbst Kleinstädte nutzen die Idee, wie etwa das Format „Eichstätt kocht“, das als Stadtmarketingprojekt die Kulinarik ins Schaufenster stellt.

„Die Restaurantwoche ist das größte kulinarische Event der Stadt“, heißt es sinngemäß von Veranstalterseite. Genau dieser Event-Charakter sorgt für die Aufmerksamkeit, die Gastronomen sonst teuer erkaufen müssten.

2. Die Mechanik: Fixpreis trifft Haubenküche

Einer der wichtigsten Gründe für den Erfolg der Restaurantwochen ist die klare Preisstruktur. Das Wiener Modell etwa kennt simple Einstiegspunkte:

Lunch ab rund 19,50 Euro, Dinner ab ca. 39,50 Euro. Wer im Fine Dining unterwegs ist, kann über Zuschläge teilnehmen – etwa fünf Euro mittags und zehn Euro abends pro Haube. Damit bleibt der Grundpreis attraktiv, während die Qualität transparent abgebildet wird.

Für Gäste ist das ein attraktives Gesamtpaket. Für Betriebe bedeutet es Planbarkeit:

• definierte Menüabfolge

• kontrollierbarer Wareneinsatz

• kalkulierbare Frequenz

Restaurantwochen werden bewusst in buchungsschwächeren Monaten platziert. So füllt Berlin seine Tische häufig im Januar, Wien im März. Für viele Betriebe ist das ein willkommener Frequenzbringer in der „Saure-Gurken-Zeit“.

Ein weiterer Mechanismus, der viele Gastronomen entlastet: zentralisierte Reservierungsplattformen wie etwa dierestaurantwoche.at. Sie sammeln Buchungen, reduzieren Rückfragen und minimieren No-Shows durch verbindliche Reservierungen. Für die Gastgeber sinkt damit der organisatorische Aufwand deutlich – und die Gäste kommen mit klaren Erwartungen.

3. Pro & Contra: Lohnt sich der Rabatt?

Natürlich stellt sich die Frage: Rechnet sich das? Schließlich ist der Menüpreis deutlich reduziert – und die Marge oft überschaubar. Viele Betriebe bewegen sich beim Wareneinsatz am unteren Rand des wirtschaftlich Sinnvollen. Und ja, es gibt sie: „Schnäppchenjäger“, die hart auf den Preis achten.

Doch die Erfahrung vieler Teilnehmer zeigt ein anderes Bild.

Erstens: Frequenz. Sie erhalten volle Tische an Tagen, an denen sonst gähnende Leere herrschen könnte.

Zweitens: Neukunden. Restaurantwochen ziehen Gäste an, die Ihr Restaurant bisher nicht kannten – oder sich vielleicht nicht „getraut“ haben.

Drittens: Umsatz im Getränkebereich. Hier liegt oft der eigentliche Hebel. Aperitifs, Weinbegleitungen, Digestifs oder Kaffee – nichts davon ist rabattiert. Wer hier freundlich, aber bestimmt empfiehlt, steigert den Warenkorb pro Gast deutlich.

Viele Gastronomen beschreiben es so: „Natürlich ist die Marge beim Menü knapp. Aber wenn von hundert neuen Gästen nur zehn zu Stammgästen werden, hat sich die Woche mehr als bezahlt gemacht.“ Und das ist der Punkt: Restaurantwochen sind kein Rabattportal à la Groupon. Sie sind ein Event, ein Schaufenster – mit deutlich höherem Imagefaktor.

Natürlich gibt es Herausforderungen:

• Die Küche muss Mengen planen.

• Der Service braucht Power und Struktur.

• Qualität darf trotz Stress nicht leiden.

Denn eines ist sicher: Wenn in einer vollen Woche der Service kollabiert, wird aus dem Marketingeffekt schnell das Gegenteil.

4. Organisation: Wer zieht die Fäden?

Hinter Restaurantwochen stecken oft unterschiedliche Modelle.

Modell A: professionelle Veranstalter wie Culinarius in Wien.

Dieses Konzept bietet Rundumservice: Marketing, Pressearbeit, Sponsoren wie Getränkehersteller oder Payment-Anbieter, Social-Media-Reichweite und ein großes Buchungsportal. Dafür zahlen die teilnehmenden Restaurants meist eine Gebühr oder eine Provision. Links wie dierestaurantwoche.at zeigen, wie professionell solche Formate inzwischen aufgestellt sind.

Modell B: städtische Initiativen oder Tourismusverbände.

Beispiele finden sich etwa bei WienTourismus oder in kleineren Städten wie Eichstätt (eichstaett.de). In Aachen wiederum werden Aktionen über Fonds wie „Oecher Perlen“ unterstützt, die der Innenstadtbelebung dienen. Hier steht oft die regionale Identität im Fokus. Themenwochen – von Wild bis Fastenzeit – sorgen zusätzlich für Profil.

Beide Modelle funktionieren – sie sprechen nur unterschiedliche Bedürfnisse an. Während private Agenturen häufig größere Reichweiten generieren, punktet die Stadtmarketing-Variante mit niedrigen Teilnahmehürden und lokalpatriotischer Stimmung.

5. Best Practice: So heben Sie sich ab

Eine Restaurantwoche ist kein Anlass, um die „Reste vom Wochenende“ zu verwerten. Wer erfolgreich sein will, sollte das Menü als Visitenkarte verstehen. Das bedeutet: Signature Dishes in angepasster Portionsgröße anstelle der günstigsten Pasta. Gäste wollen einen echten Einblick in Ihre Küche bekommen – und nicht das Gefühl, eine abgespeckte Version der regulären Karte serviert zu bekommen.

Auch der Service spielt eine Schlüsselrolle. Wer die Gäste der Restaurantwoche wie „Gäste zweiter Klasse“ behandelt, vergibt das größte Potenzial der Aktion. Denn oft entscheidet nicht das Menü, sondern die Stimmung darüber, ob aus einem einmaligen Besuch ein Stammgast wird. Ein Service-Mitarbeiter bringt es sinngemäß auf den Punkt: „Es ist stressig, weil es voll ist, aber die Stimmung ist oft lockerer als im normalen Business-Geschäft.“

Nutzen Sie außerdem die Chance zum Upselling:

• Weinbegleitung aktiv anbieten.

• Aperitif charmant empfehlen.

• Digestif nicht vergessen.

Wichtig: nicht aufdringlich werden, aber Chancen erkennen. Und wenn die Buchungsplattform es erlaubt, können Sie DSGVO-konform E-Mail-Adressen generieren – eine Einladung zum nächsten Special Dinner kann Wunder wirken.

Fazit & Ausblick

Restaurantwochen sind kein Garant für schnellen Profit, aber ein kraftvolles Marketinginstrument. Sie bringen Frequenz, Sichtbarkeit und neue Gäste – besonders in Monaten, die sonst leer wären. Der Schlüssel liegt darin, die Aktion als Bühne zu nutzen, nicht als Rabattaktion. Wer seine Qualität zeigt, seinen Service stärkt und die Gäste ernst nimmt, verwandelt Einmalbesucher in Wiederkehrer.

Die nächsten Jahre dürften die Formate weiter wachsen. Stadtmarketing, Tourismusverbände und private Anbieter setzen verstärkt auf kulinarische Events, um Innenstädte zu beleben. Wenn Sie jetzt die Chance nutzen, sind Sie bei den kommenden Ausgaben bestens positioniert – und vielleicht auch in der nächsten Nebensaison schon wieder ausgebucht.

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