Freitag, 30. Januar 2026 GastroNews – Magazin für Profis
Technologie

Hacker im Hinterzimmer: Warum Cybersecurity jetzt zur Grundausstattung für Gastronomen gehört

Kassensystem ausgefallen, Reservierungsdaten weg, Gäste irritiert – und das alles wegen einer einzigen Phishing-Mail? Für viele Gastronomiebetriebe ist dieses Szenario längst Realität. Die Branche wird digitaler, und genau das macht sie für Cyberkriminelle attraktiver denn je. Zeit also, das eigene Sicherheitsnetz neu zu spannen.

1. Der Trugschluss vom „zu kleinen Ziel“

Stellen Sie sich vor, Sie öffnen morgens die Tür zu Ihrem Betrieb – und statt der üblichen Ruhe vor dem Mittagsgeschäft sehen Sie auf dem Büro-PC nur noch eine Lösegeldforderung. Für viele klingt das wie ein Plot aus einem Tech-Thriller, doch derartige Fälle gehören inzwischen auch in der Gastronomie zum Alltag.

Das Problem: Viele Gastronomen und Hoteliers glauben, sie seien „zu klein“, um für Cyberangriffe interessant zu sein. Laut Experten ist das ein gefährlicher Irrtum. Angreifer setzen längst auf automatisierte Tools, die nach Schwachstellen suchen – egal, ob beim globalen Konzern oder beim Landgasthof. Ein Datenschutzbeauftragter bringt es treffend auf den Punkt: „Die Vorstellung, als kleines Hotel oder Restaurant sei man für Hacker uninteressant, ist ein gefährlicher Trugschluss. KMUs sind oft leichtere Ziele, da sie selten über eigene IT-Security-Abteilungen verfügen.“

Warum aber wird der Sektor so häufig attackiert? Weil er etwas besitzt, das in der digitalen Welt wertvoller ist als Bargeld: Daten. Kreditkarteninformationen, Reservierungsdetails, Mitarbeiterdaten und digitale Zahlungsinformationen sind ein lukratives Ziel. Das Gastgewerbe-Magazin berichtet von einem Hotel im bayerischen Voralpenland, das durch eine simple Phishing-Mail mehr als 50.000 Euro Schaden erlitt – und zeitweise komplett arbeitsunfähig war.

Für Angreifer ist das Gastgewerbe daher eine verlockende Kombination aus hoher Digitalisierung und vergleichsweise niedrigen Abwehrhürden. Eine klassische „Low Hanging Fruit“.

2. Die Bedrohungslage: Wo Angreifer ansetzen

Die Bedrohungen sind vielfältig – und sie kommen oft leise. E-Mail, Kassensystem, smarte Geräte in der Küche: Alles kann ein Einfallstor sein.

Ransomware

Besonders tückisch ist Ransomware. Sie verschlüsselt Daten und verlangt Lösegeld für die Freigabe. Im schlimmsten Fall steht der Betrieb komplett still. Ein Beispiel aus dem Ausland zeigt die Dimension: Laut einem Bericht von IBM mussten in Großbritannien rund 300 Restaurants einen Tag lang schließen, nachdem ihre Systeme lahmgelegt wurden.

Phishing

Die klassische „Bitte Passwort bestätigen“-Mail gibt es längst in professionelleren Varianten: angebliche Lieferanten, falsche Rechnungen, vermeintliche Hinweise von Reservierungsplattformen. Ein unachtsamer Klick – und die Angreifer erhalten Zugang zum System.

Angriffe auf Kassensysteme

80 Prozent der Restaurant-Transaktionen laufen heute digital. Moderne POS-Systeme sind bequem, aber zugleich ein hochattraktives Ziel. Werden sie infiziert, können Kriminelle Zahlungsdaten abgreifen oder das komplette System blockieren.

IoT in der Küche

Vom vernetzten Kühlschrank über Temperaturfühler bis zum smarten Ofen – viele Geräte hängen heute im WLAN, oft mit Standardpasswörtern oder veralteter Software. Ein Gastronom formulierte es einmal sarkastisch: „Früher musste ich nur die Kasse abschließen. Heute muss ich sicherstellen, dass mein Kühlschrank nicht mein WLAN hackt.“

Der Mix aus Digitalisierung und Zeitdruck macht Betriebe besonders anfällig. Geräte werden oft schnell angeschlossen – und erst später abgesichert, wenn überhaupt.

3. Der digitale Erste-Hilfe-Kasten

Zum Glück gibt es Maßnahmen, die ohne teure Spezial-IT funktionieren und dennoch einen massiven Sicherheitsgewinn bringen.

Mehrfaktor-Authentifizierung (MFA)

Ob E-Mail-Account, Buchungssoftware oder Online-Banking: MFA ist heute Pflicht. Der zusätzliche Code auf dem Handy oder Token schützt laut einer Analyse des Gastgewerbe-Magazins vor bis zu 99,9 Prozent automatisierter Angriffe. Mit anderen Worten: Wer MFA nutzt, schließt eine der wichtigsten Angriffstüren.

Konsequente Updates

Veraltete Software ist wie eine offene Terrassentür. Viele Betriebe nutzen nach wie vor ältere Windows-Versionen oder Kassensoftware mit bekannten Schwachstellen. Regelmäßige Updates für PCs, Router, Tablets, IoT-Geräte und Kassensysteme sind essenziell – und lassen sich oft automatisieren.

Netzwerksegmentierung

Ein absolutes Muss: das Gäste-WLAN strikt vom internen Netzwerk zu trennen. Wenn Gäste-WLAN und Kasse im selben Netz hängen, ist das ein Freifahrtschein für Angreifer. Moderne Router bieten diese Trennung mit wenigen Klicks an.

Asset-Transparenz

Viele Betriebe wissen gar nicht, wie viele Geräte im WLAN eingeloggt sind – und können sie folglich auch nicht schützen. Ein kurzer Blick in die Router-Geräteliste kann hier schon für Überraschungen sorgen.

Berater wie Tim Berghoff raten dazu, pragmatisch vorzugehen: „Cybercrime ist heute ein professionelles Geschäftsmodell mit Arbeitsteilung. Es ist ein Wettrüsten, aber Unternehmen müssen nicht panisch werden, sondern sich professionell beraten lassen.“ Genau das gilt auch für den Einstieg in Basisschutzmaßnahmen.

4. Faktor Mensch: Die Firewall im Kopf

Auch die beste Software nützt wenig, wenn Mitarbeiter auf gut gemachte Phishing-Mails hereinfallen oder Passwörter am Tresen hinterlassen. Der Mensch bleibt das schwächste Glied im System.

Social Engineering

Ein Klassiker ist der angebliche Anruf vom „IT-Support“, der dringend ein Passwort benötigt. Oder der vermeintliche Lieferant, der auf eine Bestätigungs-Mail drängt. Die Methoden werden immer subtiler.

Schulungen

Es braucht keine langen Seminare – schon 15-minütige Kurzschulungen oder interne Hinweise können viel bewirken:

• Absenderadresse prüfen

• Keine Anhänge unbekannter Herkunft öffnen

• Keine Passwörter telefonisch herausgeben

Eigene Geräte

Viele Mitarbeitende nutzen ihr Handy im betrieblichen WLAN. Das ist praktisch, aber riskant. Klare Regeln – oder ein eigenes WLAN für Mitarbeitende – helfen, Risiken zu begrenzen.

5. Wenn es doch passiert: Backups & Versicherung

Kein System ist hundertprozentig sicher. Deshalb braucht jeder Betrieb einen Notfallplan.

Backup-Strategie: Die 3-2-1-Regel

• 3 Kopien wichtiger Daten

• 2 verschiedene Speichermedien

• 1 Kopie extern (Cloud oder physisch offline)

Wichtig: Backups müssen vom System getrennt sein. Sonst werden sie bei einem Angriff gleich mitverschlüsselt.

Cyberversicherung

Eine Cyberversicherung ersetzt keine Vorsorgemaßnahmen, kann aber im Ernstfall die Kosten abfedern – von der Forensik über die Wiederherstellung bis zur Betriebsunterbrechung. Die Bedingungen variieren, aber viele Anbieter verlangen ohnehin grundlegende Sicherheitsmaßnahmen wie MFA und regelmäßige Updates.

Notfallplan

Wer informiert im Ernstfall wen? Wie läuft die Kasse im Offline-Modus? Welche Systeme lassen sich manuell überbrücken? Ein klarer Ablauf spart im Ernstfall wertvolle Minuten – und nerven.

Nicht vergessen: Jeder relevante Vorfall ist in der Regel eine meldepflichtige Datenpanne im Sinne der DSGVO (Art. 32). Das betrifft auch kleinere Hotels und Restaurants.

Fazit: Sicherheit wird zum Qualitätsmerkmal

Cybersecurity ist keine IT-Spielerei, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Betriebsführung. Die Branche ist digitaler denn je – von Reservierungssystemen bis zu vernetzten Küchengeräten. Je stärker dieser Trend wird, desto wichtiger sind Bewusstsein und Prävention.

Wer jetzt handelt, setzt ein Zeichen: gegenüber Mitarbeitenden, denen man sichere Arbeitsprozesse bietet, und gegenüber Gästen, die ihre Daten in guten Händen wissen möchten. Und nicht zuletzt gegenüber sich selbst – denn jeder Betrieb, der vorbereitet ist, erspart sich im Ernstfall Stress, Kosten und Imageschäden.

Wenn Sie jetzt Ihr Netzwerk prüfen, MFA aktivieren und Ihre Backups testen, sind Sie Ihrer Konkurrenz schon einen Schritt voraus.

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