1. Einleitung: Science-Fiction oder Alltag?
Stellen Sie sich vor, im Gastraum surrt zwischen Tischen und Stühlen ein kleiner, freundlicher Roboter hindurch – Tabletts voll beladen, dabei stets höflich blinkend. Vor ein paar Jahren hätte man das für Science-Fiction gehalten. Heute ist es Alltag in einigen Betrieben.
Ein Beispiel aus Deutschland sorgt seit Monaten für Aufmerksamkeit: Im Hotel Schwedi in Langenargen am Bodensee unterstützt Serviceroboter „Franzi“ das Team beim Servieren und Abräumen. Die Hoteliers berichten, dass anfangs Skepsis im Team herrschte – mittlerweile sei der Roboter aber „nicht mehr wegzudenken“, wie der Südkurier schreibt.
Dass sich Technologie so schnell ihren Weg in den Service bahnt, hat Gründe. Der Fachkräftemangel im Gastgewerbe ist so präsent wie die Mittagshektik in der Küche. Gleichzeitig sind Systeme wie BellaBot, PuduBot oder InnoServe technikreifer, erschwinglicher und einfacher zu integrieren. Was früher ein mutiges Experiment war, wird immer häufiger zur pragmatischen Antwort auf knappe Personalressourcen.
2. Was können die „Kollegen auf Rädern“ heute?
Wer Serviceroboter bisher nur als rollende Spielerei gesehen hat, könnte überrascht sein, wie breit das Einsatzfeld mittlerweile ist.
Transport & Food-Running
Die Kernkompetenz: Strecken fahren, schleppen und tragen.
Roboter transportieren Speisen aus der Küche zum Tisch oder bringen Schmutzgeschirr zurück. Gängige Modelle stemmen bis zu 60 Kilo Traglast – verteilt auf mehrere Ebenen. Das entspricht einer Menge schwerer Tabletts, die menschliche Servicekräfte nur in mehreren Gängen schaffen würden.
Abräumen
Viele Roboter pendeln selbstständig zwischen Gastraum und Spülküche. Das nimmt Mitarbeitenden monotone, zeitintensive Wege ab – und entlastet Rücken und Gelenke. Ein Servicemitarbeiter fasst es so zusammen: „Seit der Roboter die dreckigen Teller fährt, habe ich abends weniger Rückenschmerzen und mehr Zeit für ein Schwätzchen mit den Stammgästen.“
Empfang & Guiding
Einige Modelle fungieren als charmante Gastgeber. Sie begrüßen Gäste am Eingang, führen sie zum Tisch und geben einfache Informationen aus. Systeme wie PuduBot2 oder InnoServe sind dafür mit Sensoren und 3D-Kameras ausgestattet und navigieren so elegant um Menschen, Kinderwägen oder herumtollende Kinder herum.
Autonome Reinigung
Reinigungsroboter wie CC1 übernehmen das Saugen und Wischen. Oft laufen sie nachts oder in Ruhephasen und arbeiten mehrere Stunden am Stück. Das entlastet Teams besonders in Betrieben mit großen Flächen oder langen Öffnungszeiten.
Marketing-Effekt & Entertainment
Modelle mit animierten „Gesichtern“ – wie der weit verbreitete BellaBot – ziehen Blicke auf sich. Kinder finden die Roboter meist großartig, und Überraschungsmomente sorgen bei vielen Gästen für Gesprächsstoff. Manche Geräte singen Geburtstagsständchen oder reagieren auf Berührungen. Für Betreiber kann das ein echtes Plus im Wettbewerb um Aufmerksamkeit sein.
Alles in allem übernehmen Serviceroboter also viele logistische Aufgaben, während Gastgeber weiterhin individuelle Betreuung und menschliche Wärme liefern.
3. Der Business-Case: Kosten vs. Nutzen
Technik allein reicht nicht – am Ende muss sich der Einsatz auch rechnen. Und genau hier wird es interessant.
Leasing statt Kauf
Der Markt bietet heute flexible Modelle. Viele Anbieter arbeiten mit Leasing oder Mietmodellen. Nach Angaben von EF Robotics sind bestimmte Modelle schon für niedrige zweistellige Beträge pro Tag zu haben – teils ab etwa 7,20 Euro pro Tag. Das senkt die Einstiegshürde für Betriebe, die testen wollen, ohne sofort große Investitionen zu tätigen.
Laufzeit, Pausen und Zuverlässigkeit
Roboter brauchen weder Urlaub noch Krankentage. Die Akkus halten oft 12 bis 24 Stunden, die Ladezeit beträgt etwa viereinhalb Stunden. Für Stoßzeiten und Abendschichten sind sie damit gut geeignet.
Weniger Laufwege = Mehr wertvolle Zeit im Gastraum
Studien von Verbänden wie der DEHOGA zeigen seit Jahren, wie groß der Druck durch den Fachkräftemangel ist. Viele Gastronom:innen suchen händeringend nach Wegen, ihr Team effizient einzusetzen.
Wenn Servicemitarbeitende nicht mehr zwischen Küche und Gastraum pendeln müssen, bleibt mehr Raum für:
- Upselling
- persönliche Gästebetreuung
- Servicequalität
Ein Schlüsseleffekt: Das Personal kann im Gastraum bleiben, statt ständig Tabletts tragen zu müssen. Gastronomen berichten, dass das Team dadurch ruhiger, konzentrierter und gastfreundlicher agieren kann.
4. Grenzen der Technik & Faktor Mensch
Natürlich können Roboter nicht alles. Und das sollten sie auch nicht sollen.
Physische Barrieren
Treppen, steile Rampen oder sehr enge Durchgänge bleiben für viele Modelle ein K.-o.-Kriterium. Auch Stufen oder Teppichkanten sind je nach System problematisch. Zwar entwickeln Hersteller Fahrwerke stetig weiter, doch die Architektur mancher Betriebe setzt klare Grenzen.
Kommunikation & Servicekompetenz
Sprachsteuerung und KI-Interaktionen verbessern sich, arbeiten teils auch in lauter Umgebung bis 72 Dezibel zuverlässig. Doch komplexe Weinberatung, individuelle Menüempfehlungen oder sensibler Umgang mit Reklamationen bleiben klar menschliche Aufgaben.
Hygiene und tägliche Pflege
Roboter reinigen sich nicht selbst. Sie müssen in Hygiene- und HACCP-Konzepte integriert werden, was regelmäßige Oberflächenreinigung und funktionsbedingte Checks beinhaltet.
Der Gastgeber-Moment
Transgourmet betont es in einem Branchenartikel deutlich: Robotik ist ein Werkzeug, um Ressourcen zu sparen – kein Ersatz für Gastfreundschaft.
Ein herzliches Lächeln, Empathie oder das Eingehen auf spontane Gästewünsche: All das bleibt unersetzbar.
5. Akzeptanz bei Gästen und Personal
Wie reagieren Gäste? Wie reagiert das Team? Überraschend positiv – meistens.
Gäste
Viele empfinden den Roboter als charmante Überraschung. Kinder lieben die „Katzenmodelle“ geradezu. Manche Gäste posieren gerne für Fotos – ein netter Nebeneffekt fürs Marketing.
Natürlich gibt es auch kritische Stimmen: Manche empfinden Roboter als kühl oder unpersönlich. Solche Reaktionen hängen oft vom Einsatzkonzept ab. Ein Roboter, der nur trägt, aber nicht „serviert“, wirkt meist natürlicher integriert als ein Gerät, das versucht, menschliches Verhalten nachzuahmen.
Mitarbeitende
In Teams überwiegt erfahrungsgemäß die Erleichterung – besonders dort, wo körperlich schwere Arbeiten wegfallen. Silvia Göppinger vom Hotel Schwedi beschreibt, dass ihre Mannschaft anfangs skeptisch war, dann aber schnell die Vorteile sah: weniger Laufwege, mehr Fokus auf Gäste.
Branchenexperten wie Ruwen Prochnow empfehlen ohnehin, mit Pilotprojekten in Stoßzeiten zu starten. So lässt sich testen, wie das Team reagiert und ob der Roboter die gewünschten Aufgaben zuverlässig erfüllt.
Fazit & Ausblick
Serviceroboter sind weder Wundermaschinen noch Konkurrenz für den Gastgeber. Sie sind logistische Helfer, die monotone, körperlich anstrengende Arbeiten übernehmen – und damit genau jene Aufgaben, die in Zeiten des Fachkräftemangels besonders wertvoll sind.
Für viele Betriebe kann sich der Einsatz rechnen: weniger Laufwege, verbesserte Servicequalität, mehr Zeit für Gäste. Gleichzeitig bleiben Grenzen klar: Treppen, Empathie, Beratung – all das bleibt in menschlicher Hand.
In Zukunft werden Sensorik, Akkus und KI-Interaktionen weiter reifen. Roboter könnten noch stärker mit Kassensystemen, Reservierungstools oder Reinigungsplänen verknüpft werden. Wer heute testet, könnte sich morgen bereits Wettbewerbsvorteile sichern.
Wenn Sie jetzt prüfen, ob ein Roboter Ihnen Arbeit abnehmen könnte, sind Sie Ihrer Konkurrenz womöglich einen Schritt voraus.
Kurz-Check für Ihren Betrieb
- Haben Sie viele monotone Transportstrecken zwischen Küche und Gastraum?
- Gibt es klare Laufwege ohne Treppen oder enge Passagen?
- Könnte Ihr Team durch weniger Tragearbeit mehr Zeit für Gäste gewinnen?
- Wäre ein Leasing-Testlauf für Stoßzeiten sinnvoll?