1. Das teure Problem der Drehtür
Stellen Sie sich vor, es ist Samstagabend, das Haus ist voll – und zwei Positionen im Service sind unbesetzt. Ein Szenario, das viele Betriebe inzwischen regelmäßig erleben. Der Personalmangel zwingt zu eingeschränkten Öffnungszeiten und abgespeckten Speisekarten. Doch was am härtesten trifft, ist die Fluktuation: Jeder Abgang kostet bares Geld – für Stellenanzeigen, Auswahlverfahren, Einarbeitung und die Zeit, in der neue Mitarbeitende noch nicht produktiv sind.
Laut Statistischem Bundesamt sank die Zahl der Beschäftigten im Gastgewerbe während der Pandemie um rund 23,4 Prozent. Das Vorkrisenniveau ist bis heute nicht vollständig zurück. Die Branche kämpft also nicht nur um Umsatz, sondern auch um Menschen.
Kein Wunder, dass viele Verantwortliche davon träumen, den Betrieb vom „Durchgangsbahnhof“ zum „Great Place to Work“ zu machen. Ein Gastronom brachte es passend auf den Punkt: „Einen guten Koch zu finden, ist heute wie ein Sechser im Lotto. Ihn zu halten, ist die eigentliche Arbeit.“
Ein Satz, der aktueller kaum sein könnte.
2. Warum gehen sie wirklich?
Gehalt ist wichtig – aber selten der einzige Grund für eine Kündigung. Viele Mitarbeiter verlassen nicht den Beruf, sondern die Rahmenbedingungen. Oder, wie ein oft zitierter HR-Grundsatz sagt: „Menschen verlassen keine Unternehmen, sie verlassen Vorgesetzte.“
In Gesprächen mit Beschäftigten tauchen immer wieder die gleichen Punkte auf:
- Löhne knapp über Mindestlohn
- Unattraktive Arbeitszeiten, Teildienste, fehlender Ausgleich
- Mangelnde Wertschätzung
- Hoher körperlicher und psychischer Druck
- Unsicherheit der Branche, verstärkt seit den Pandemie-Jahren
Erschwerend kommt hinzu, dass laut einer Analyse von Zurich rund 40 Prozent der Arbeitnehmenden mehrmals im Jahr darüber nachdenken, den Job zu wechseln. Die Schwelle, sich zu verändern, ist also niedrig.
Ein HR-Experte drückt es so aus: „Mitarbeiterbindung ist keine Gießkanne. Was dem Studenten als Aushilfe wichtig ist, ist für den Küchenchef irrelevant.“ Wenn Betriebe diese Unterschiede erkennen und ernst nehmen, steigt die Chance, Teams stabil zu halten. Für Gastronomen bedeutet das: Zuhören, Bedürfnisse verstehen und daraus Maßnahmen ableiten.
3. Hard Facts: Geld, Benefits & Arbeitszeit
Wenn es um Mitarbeiterbindung geht, führt kein Weg an der Vergütung vorbei. Die Branche konkurriert nicht nur untereinander, sondern zunehmend mit anderen Dienstleistungssektoren. Laut StepStone wünschen sich 60 Prozent der Bewerber Gehaltsangaben direkt in der Stellenanzeige – Transparenz ist also ein klarer Pluspunkt.
Faire Bezahlung & monetäre Benefits
- Löhne über Mindestlohn, kombiniert mit Zuschlägen für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit
- Klare und faire Trinkgeldregeln – kein Einbehalt durch den Betrieb
- Steuerfreie Sachbezüge wie Gutscheine, Fahrtkostenzuschüsse oder das Deutschlandticket (mit Hinweis: Diese Maßnahmen stets mit dem Steuerberater abstimmen)
Viele kleine Betriebe glauben, diese Leistungen seien nur etwas für große Ketten. Doch gerade steuerfreie Benefits können ein kosteneffizienter Hebel sein, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.
Arbeitszeit: Der Schlüssel zur Work-Life-Balance
Kaum ein Thema steht so sehr im Fokus wie die Arbeitszeitmodelle. Zahlreiche Beispielbetriebe zeigen, dass flexible Strukturen möglich sind – auch wenn sie gut geplant sein müssen.
- Abkehr vom Teildienst, wo es organisatorisch machbar ist
- Die viel diskutierte 4-Tage-Woche – kein Allheilmittel, aber dort erfolgreich, wo Teams und Abläufe stabil sind
- Verlässliche Dienstpläne, idealerweise digital und früh veröffentlicht
- Jahresarbeitszeitkonten, um saisonale Spitzen abzufedern
Für viele Mitarbeitende ist planbare Freizeit inzwischen wichtiger als ein paar Euro mehr. Wer hier professionell arbeitet, punktet im Wettbewerb um Talente.
Zusatzleistungen mit Wirkung
Betriebe können durch überschaubare Maßnahmen viel erreichen:
- Betriebliche Krankenversicherung
- Betriebliche Altersvorsorge
- Gut organisierte Personalverpflegung
- Rabatte für Mitarbeitende
Was simpel klingt, wird von Teams als echte Wertschätzung wahrgenommen.
4. Soft Skills: Führung & Kultur
Neben all den harten Fakten entscheidet am Ende doch oft das Miteinander. Eine gute Führungskultur kann Fluktuation verhindern, bevor sie überhaupt entsteht.
Onboarding: Der erste Eindruck zählt
Statt neue Leute „ins kalte Wasser zu werfen“, lohnt sich ein strukturiertes Onboarding:
- Willkommensmappe mit den wichtigsten Infos
- Einarbeitungsplan
- Ein Mentor oder Pate für die erste Woche
Das wirkt professionell und reduziert Unsicherheiten – gerade bei jungen Kolleginnen und Kollegen.
Führung: Wertschätzung als härteste Währung
Viele Kündigungen entstehen nicht wegen des Jobs, sondern wegen des Tons. Mitarbeiter wünschen sich:
- Regelmäßige Feedbackgespräche
- Ehrliches Interesse („Wie geht es dir?“)
- Einbindung in Entscheidungen, etwa bei einer neuen Karte oder bei Anschaffungen
Ein gelobtes Team ist eher bereit, auch mal stressige Tage gemeinsam zu schultern.
Teambuilding & Entwicklung
Gemeinsame Aktivitäten stärken das Wir-Gefühl: Teamessen, kleine Feiern oder ein Ausflug müssen nicht teuer sein, wirken aber nachhaltig.
Genauso wichtig: Weiterentwicklung. Schulungen – vom Barista-Kurs bis zur Hygieneschulung – schaffen Perspektiven. Wer Aufstiegschancen sieht, bleibt.
5. Entlastung durch Technik
Technik ersetzt keine Menschen – aber sie kann ihnen das Leben leichter machen. Moderne Tools reduzieren Stress und schaffen Raum für das, was wirklich zählt: Gastfreundschaft.
- Digitale Reservierungssysteme reduzieren Telefonstress (Beispiel: Lösungen aus dem Umfeld von resmio)
- Self-Ordering per QR-Code oder Handhelds spart Laufwege
- Küchenmonitore ersetzen das Zettelchaos und verhindern Missverständnisse
- Moderne Spültechnik oder einfache Robotik erleichtern körperlich schwere Tätigkeiten
Viele dieser Tools zahlen sich schnell aus – durch weniger Frust, weniger Fehler und ein insgesamt entspannteres Team.
Fazit / Ausblick
Mitarbeiterbindung ist kein Projekt, das man einmal startet und abhakt. Es ist ein laufender Prozess, der aus fairer Bezahlung, guter Organisation und einem respektvollen Miteinander besteht. Die Leitfrage dieses Artikels lässt sich klar beantworten: Wer monetäre und nicht-monetäre Maßnahmen klug kombiniert, schafft ein Umfeld, in dem Menschen gerne bleiben.
In den kommenden Jahren wird die Branche weiter um Fachkräfte konkurrieren. Betriebe, die jetzt investieren – in Menschen, Strukturen und Technik – sichern sich langfristig einen entscheidenden Vorteil. Wenn Sie heute beginnen, Ihr Team konsequent zu stärken, sind Sie morgen schon einen Schritt voraus.
Kurz-Check für Ihren Betrieb
- Ist die Bezahlung fair und transparent?
- Sind Dienstpläne verlässlich und gut organisiert?
- Gibt es eine klare Onboarding-Struktur?
- Wie regelmäßig führen Sie Feedbackgespräche?
- Welche digitalen Tools könnten Stress im Team reduzieren?
- Bieten Sie Weiterbildungen oder kleine Benefits an?