Donnerstag, 12. Februar 2026 GastroNews – Magazin für Profis
Nachhaltigkeit

Restlos glücklich: Wie Foodsharing und Reste-Apps die Gastro-Bilanz verbessern

Jeden Abend das gleiche Spiel: gute Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können – und viel zu oft im Müll landen. Doch es gibt längst Alternativen, die Kosten senken, das Team entlasten und Ihrem Betrieb sogar neue Gäste bringen. Foodsharing und Reste-Apps machen aus Überschüssen einen strategischen Vorteil statt eines teuren Problems.

1. Das Problem der vollen Tonne

Stellen Sie sich vor: Die letzten Gäste sind gegangen, das Team beginnt mit dem Aufräumen – und plötzlich steht wieder diese volle Tonne da. Reste vom Buffet, ein paar Backwaren, der Tageskuchen von der Theke. Alles einwandfrei, aber eben nicht mehr verkäuflich. In vielen Betrieben ist das Alltag, und zwar ein teurer.

Lebensmittelverschwendung schlägt gleich doppelt zu Buche: Sie bezahlen den Wareneinsatz und anschließend noch einmal die Entsorgung. Besonders in Großküchen, Buffets oder Bäckereien summiert sich das schnell – und belastet nicht nur die Bilanz, sondern auch die Moral. Viele Köche und Servicekräfte berichten, dass es ihnen „weh tut“, gute Lebensmittel wegzuwerfen. Gleichzeitig erwarten Gäste zunehmend glaubwürdige Nachhaltigkeit und Transparenz.

Dabei lohnt es sich, zwischen unvermeidbaren Küchenresten (Schalen, Knochen) und überschüssigen, aber völlig unbedenklichen Lebensmitteln zu unterscheiden. Letztere sind das, was sich retten lässt – und worum es in diesem Artikel geht.

2. Weg 1: Die Ehrenamtlichen (Foodsharing e.V.)

Ein besonders unkomplizierter Weg führt über die Ehrenamtlichen des Foodsharing e.V. Die Bewegung versteht sich nicht als reine Wohltätigkeitsorganisation wie die Tafeln, sondern als ökologische Initiative, die bedingungslos rettet: egal ob fünf belegte Brötchen oder mehrere Kisten Gemüse. Wichtig: Die Tafeln haben immer Vorrang. Foodsharing springt dort ein, wo Tafeln aus logistischen oder mengenbezogenen Gründen nicht übernehmen können – die „letzte Bastion vor der Mülltonne“.

Wie läuft das ab? Zunächst stellt der Betrieb Kontakt zu einer lokalen Gruppe her. Sobald ausreichend „Foodsaver“ vorhanden sind, kommt die Kooperation ins Rollen. Oder wie es Foodsharing-Koordinator Frank Bowinkelmann beschreibt: „Bevor die Kooperation zustande kommt, muss sicher sein, dass es ausreichend Foodsaver gibt, die die Lebensmittel auch zuverlässig und über einen längeren Zeitraum abholen.“

Das zeigt: Die Ehrenamtlichen arbeiten strukturiert. Alle Foodsaver absolvieren einen Wissenstest und einen Hygienetest, tragen Ausweise und folgen klar definierten Regeln.

Für Sie als Betrieb ist das Modell denkbar einfach:

Die geretteten Lebensmittel gehen anschließend entweder an die Abholenden selbst, an Bedürftige oder werden in sogenannte „Fairteiler“ gebracht – öffentliche Regale oder Kühlschränke, in denen sie an die Gesellschaft weitergegeben werden. Deutschlandweit sind mittlerweile über 16.000 Betriebe beteiligt, unterstützt von mehr als 180.000 registrierten Foodsavern.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Was früher in der Tonne landete, findet nun noch Verwendung – ohne dass Sie sich um Verkauf oder Abwicklung kümmern müssen.

3. Weg 2: Der vergünstigte Verkauf (Apps)

Wer dagegen lieber einen kleinen Umsatz aus seinen Überschüssen erzielen möchte, setzt auf Apps wie „Too Good To Go“ oder „ResQ Club“. Hier steht weniger der Aspekt der Ehrenamtlichkeit im Vordergrund als vielmehr das kommerzielle Modell: Sie stellen sogenannte „Überraschungstüten“ zusammen, Kunden kaufen sie per App und holen sie in einem klar definierten Zeitfenster ab – häufig kurz vor Ladenschluss.

Der Clou: Die Tüte hat zwar einen Überraschungscharakter, orientiert sich aber meist an dem, was ohnehin übrig ist. Sie reduzieren damit Ihren Wareneinsatzverlust und locken gleichzeitig neue Zielgruppen in den Laden. Manche Nutzer entdecken durch die App Restaurants, die sie sonst nie betreten hätten – ein interessantes Cross-Selling-Potenzial.

Anders als beim Foodsharing bleibt in diesem Modell theoretisch Ware übrig, falls niemand zugreift. Aber viele Betriebe berichten, dass die Nachfrage hoch ist, gerade in urbanen Regionen. Die Sichtbarkeit in der App-Filiale funktioniert wie ein digitales Schaufenster und trifft besonders eine junge, nachhaltigkeitsaffine Zielgruppe.

4. Rechtssicherheit & Hygiene

Kaum ein Thema sorgt für so viele Fragezeichen wie die Haftung. Was passiert, wenn jemand nach dem Verzehr Bauchschmerzen bekommt? Darf man Produkte nach Ablauf des MHD weitergeben? Und wie sauber muss die Übergabe dokumentiert sein?

Zunächst die wichtigste Entwarnung: Bei Foodsharing e.V. wird eine schriftliche Rechtsvereinbarung geschlossen. Mit der Übergabe geht die Haftung auf die Foodsaver über – sofern Sie nicht grob fahrlässig handeln. Das Modell ist eingespielt, und die Ehrenamtlichen sind in Hygiene geschult. Trotzdem lohnt sich eine klare Übergabedokumentation, die bei Bedarf auch dem Veterinäramt Stand hält. Ein Lebensmittelkontrolleur kann zudem immer kurzfristig Rückmeldung geben, wie die Regelungen in Ihrer Region ausgelegt werden.

Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und Verbrauchsdatum:

Auch Apps arbeiten mit klaren Vorgaben: Sie dürfen nur verkehrsfähige Lebensmittel anbieten. Der hygienische Standard im Betrieb bleibt selbstverständlich unverändert. Eine häufig geäußerte fachliche Einschätzung lautet: „Viele Gastronomen fürchten die Haftung. Dabei ist die Rechtslage bei einer sauberen Dokumentation der Übergabe und Haftungsausschlussvereinbarung sehr sicher für den Betrieb.“

Wer zusätzlich für innere Sicherheit sorgen möchte, investiert in interne Routinen: saubere Kühlung, klare Beschriftung, Übergabefotos oder kurze Checklisten.

5. Image-Gewinn & Wirtschaftlichkeit

Der Nutzen solcher Kooperationen ist nicht nur moralischer Natur. Viele Betriebe reduzieren durch weniger Lebensmittelabfall ihre Entsorgungskosten deutlich – gerade dort, wo Tonnengrößen oder Leerungsintervalle an veränderte Abfallmengen angepasst werden können.

Hinzu kommt der Imagefaktor. Gäste schätzen nachhaltiges Handeln, aber sie erkennen auch schnell, ob ein Betrieb es ernst meint. Foodsharing e.V. warnt selbst davor, kommunikativ zu überziehen. Oder wie es Bowinkelmann formuliert: „Wir forcieren die Werbung auch nicht, da das leicht in Richtung Greenwashing gehen könnte.“ Eine offene, transparente Kommunikation wirkt hier überzeugender als große Kampagnen.

Auch intern zahlt sich das Engagement aus. Mitarbeitende erleben, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird – das liebevoll zubereitete Buffet landet nicht mehr im Müll, sondern findet dankbare Abnehmer. In vielen Betrieben verbessert das spürbar die Atmosphäre, gerade in stressreichen Frühstücksküchen. Ein häufig formulierter O-Ton aus Hotels lautet sinngemäß: „Wir müssen bis zum Schluss volle Platten bieten, aber es tat weh, die Reste wegzuwerfen. Jetzt wissen wir, dass es noch verwertet wird.“

Ganz nebenbei stärkt das Engagement Ihre CSR-Strategie – ein Punkt, der auch bei Geschäftsreisenden und Unternehmenspartnern zunehmend zählt.

Fazit / Ausblick

Lebensmittelüberschüsse sind kein unvermeidbares Übel, sondern eine Ressource, die klug genutzt werden kann. Ob per ehrenamtlicher Abholung durch Foodsaver oder durch den vergünstigten Verkauf über Apps – beide Wege senken Kosten, verbessern das Image und entlasten Ihr Team moralisch wie organisatorisch. Die Rechtslage ist klar, sofern Übergaben sauber dokumentiert werden, und die Nachfrage nach nachhaltigen Angeboten steigt kontinuierlich.

In den kommenden Jahren dürfte Foodsharing weiter wachsen – getrieben von gesellschaftlichen Erwartungen, steigenden Entsorgungskosten und digitaler Sichtbarkeit. Wer früh einsteigt, positioniert sich als verantwortungsbewusster Betrieb und erhöht seine Attraktivität für Gäste wie Mitarbeitende. Wenn Sie jetzt prüfen, welche Kooperation zu Ihrem Alltag passt, sind Sie Ihrer Konkurrenz bereits einen Schritt voraus.

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