Spenden statt Tonne: So gelingt Foodsharing in der Gastronomie rechtssicher
TL;DR
- Spenden statt Tonne: So gelingt Foodsharing in der Gastronomie rechtssicher.
- Stellen Sie sich vor, Sie räumen das Frühstücksbuffet ab: Noch zwei Schalen Obstsalat, ein…
- Alles frisch, alles genießbar - und trotzdem landet ein Teil oft im Müll.
- Das tut weh, ökologisch wie wirtschaftlich.
1. Das Buffet ist vorbei – und nun?
Stellen Sie sich vor, Sie räumen das Frühstücksbuffet ab: Noch zwei Schalen Obstsalat, ein halbes Blech Croissants und ein Stapel Sandwiches aus der Tagungsküche. Alles frisch, alles genießbar – und trotzdem landet ein Teil oft im Müll. Das tut weh, ökologisch wie wirtschaftlich. Denn Entsorgungsgebühren steigen, und Gäste reagieren zunehmend sensibel auf das Thema Lebensmittelverschwendung.
In Deutschland fallen jährlich rund 11–12 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Etwa 14 Prozent davon stammen aus Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. Dabei wäre ein großer Teil vermeidbar – gerade bei Buffets und À-la-carte-Produktion. Gleichzeitig wächst der gesellschaftliche Anspruch: Nachhaltigkeit ist längst ein Entscheidungskriterium, egal ob bei der Wahl des Hotels oder beim Stammrestaurant.
Viele Betriebe möchten spenden, doch die Unsicherheit ist groß. Was geht rechtlich? Wer holt ab? Und wie viel Aufwand bedeutet das? Die gute Nachricht: Mit den richtigen Partnern und klaren Abläufen funktioniert Foodsharing in der Praxis erstaunlich unkompliziert.
2. Die Partner: An wen kann ich spenden?
Wenn es um Lebensmittelspenden geht, sind zwei Akteure besonders relevant: Foodsharing e.V. und die Tafeln. Beide verfolgen unterschiedliche Ziele – und ergänzen sich für die Gastronomie ideal.
Foodsharing e.V.: Flexibel, niedrigschwellig, communitybasiert
Foodsharing e.V. ist eine Graswurzelbewegung, organisiert über eine Online-Plattform. Ehrenamtliche „Foodsaver“ retten Lebensmittel, bevor sie entsorgt werden. Für Gastro-Betriebe bedeutet das:
- Abholung auch kleiner Mengen – etwa fünf Brötchen oder die halbe Torte vom Abendbuffet
- Flexible Zeitfenster, oft bis spät am Abend
- Ökologischer Fokus: Ziel ist reine Lebensmittelrettung, nicht zwingend soziale Verteilung
Ein Aktivist beschreibt es so: „Für uns zählt jedes Brötchen. Wir kommen auch für kleine Mengen, die für die Tafel logistisch nicht lohnen würden.“
Für viele Restaurants mit wechselnden Überschüssen ist Foodsharing deshalb der ideale Einstieg.
Die Tafeln: Professionelle Logistik für größere Mengen
Die Tafeln in Deutschland fokussieren sich auf die Versorgung Bedürftiger. Sie verfügen häufig über Kühlfahrzeuge, Lager- und Verteillogistik – aber erwarten planbare Mengen und feste Abholzeiten.
Besonders geeignet sind daher:
- Hotels mit großen Frühstücksbuffets
- Kantinen
- Betriebe mit regelmäßigen Lagerüberschüssen
Ein wichtiger Unterschied zur Foodsharing-Community: Die Tafeln arbeiten meist werktags tagsüber und holen eher größere Mengen ab.
Und wo stehen Apps wie „Too Good To Go“?
Sie gehören in dieselbe Familie der Lebensmittelrettungsmaßnahmen – aber mit einem entscheidenden Unterschied: Dort verkaufen Sie Speisen vergünstigt. Es ist also keine Spende, sondern ein Geschäftsmodell. In vielen Betrieben ergänzen sich Verkauf (TGTG) und Spende (Tafel/Foodsharing) hervorragend.
3. Der Knackpunkt: Recht & Haftung
Rechtliche Unsicherheit ist einer der Hauptgründe, warum viele Betriebe noch zögern. Dabei ist die Rechtslage klarer, als viele denken.
Ihre Pflicht bis zur Übergabe: HACCP einhalten
Bis zum Moment der Übergabe gelten Ihre üblichen HACCP-Vorgaben:
- Kühlkette einhalten
- Lebensmittel sauber verpacken
- Keine verdorbenen oder risikobehafteten Produkte übergeben
Wichtig: Reste vom Tisch eines Gastes sind tabu. Reste vom Buffet hingegen dürfen grundsätzlich gespendet werden – wenn sie hygienisch einwandfrei sind und die Kühlkette nicht unterbrochen wurde.
Was darf gespendet werden?
Unproblematisch:
- Backwaren
- Obst und Gemüse
- Trockenprodukte
- Reste aus der Küche (zubereitete Speisen), sofern sie hygienisch verarbeitet und richtig gekühlt wurden
Problematisch:
- Alles, was bereits beim Gast stand
- Offene Buffetware, die lange ungekühlt war
Lebensmittel mit überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum dürfen weitergegeben werden – mit Hinweis. Produkte mit Verbrauchsdatum hingegen nicht.
Haftung: Wie Sie sich absichern
Bei Foodsharing e.V. unterschreiben Foodsaver in der Regel eine Vereinbarung, die den Gastronom von der Haftung befreit, sobald die Waren übergeben wurden. Auch Tafeln arbeiten mit standardisierten Übergabeformularen.
Eine Experteneinschätzung bringt es auf den Punkt: „Die Angst vor der Haftung ist das größte Hemmnis. Dabei lässt sich das Risiko durch klare schriftliche Vereinbarungen bei der Übergabe fast vollständig ausschließen.“
Empfehlenswert ist außerdem ein Blick in den Leitfaden des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur Weitergabe von Lebensmitteln .
Steuern: Keine Umsatzsteuer auf Spenden
Sachspenden an mildtätige Organisationen sind umsatzsteuerfrei, wenn die Lebensmittel keinen Marktwert mehr haben. Die Erleichterungen des Finanzministeriums schaffen zusätzliche Planungssicherheit – gerade für Hotelketten und größere Betriebe.
4. Logistik & Ablauf in der Praxis
Wie läuft das Ganze im Alltag? Die Abläufe unterscheiden sich kaum von einer normalen Warenabholung.
Foodsharing in vier Schritten
- Registrierung auf foodsharing.de
- Verifizierung durch einen Botschafter der Plattform
- Festlegung der Abholzeiten – z. B. „täglich 10:30 Uhr nach Frühstücksende“
- Foodsaver erscheinen mit Ausweis und eigenen Behältern
Der Betrieb muss meist nur die Lebensmittel bereitstellen. Verpackungsmüll wird durch Mehrwegbehälter der Foodsaver vermieden.
Kooperation mit den Tafeln
Hier beginnt die Zusammenarbeit meist mit einem direkten Kontakt zum lokalen Tafelverein. Wichtige Fragen zum Start:
- „Holen Sie ab, oder sollen wir liefern?“
- „Welche Mengen sind realistisch?“
- „Welche Produkte sind besonders gefragt?“
Größere Hotels profitieren von den klar strukturierten Abläufen: feste Termine, professionelle Abholung, eindeutige Ansprechpartner.
5. Image & Wirtschaftlichkeit: Warum sich Spenden lohnt
Lebensmittelspenden sind weit mehr als ein CSR-Feigenblatt. Sie wirken sich ganz konkret auf Kosten, Team und Gästewahrnehmung aus.
Weniger Müll, weniger Gebühren
Je weniger in der Tonne landet, desto kleiner das benötigte Abfallvolumen. Viele Betriebe berichten von klar spürbaren Einsparungen – besonders dort, wo täglich Buffets betrieben werden.
Marketingeffekt durch gelebte Nachhaltigkeit
Immer mehr Restaurants und Hotels kommunizieren ihr Engagement:
- Aufkleber oder Hinweise am Eingang
- Social-Media-Posts über die Zusammenarbeit
- Erwähnung auf der Website
Das zeigt glaubwürdiges Handeln statt „Greenwashing“ – und stärkt das Vertrauen der Gäste.
Motivierende Wirkung auf das Team
Auch das Personal freut sich, wenn gute Ware nicht im Müll landet. Ein Hotelier formulierte es so: „Früher tat es uns in der Seele weh, das perfekte Buffet abzuräumen und wegzuwerfen. Heute warten die Foodsaver schon am Hintereingang – eine Win-Win-Situation.“
Fazit & Ausblick
Lebensmittelspenden sind eine praktikable und rechtssichere Möglichkeit, Überschüsse sinnvoll zu nutzen. Für Gastronominnen und Gastronomen bedeutet das: geringere Entsorgungskosten, klare Abläufe, positives Image und ein gutes Gefühl gegenüber Gästen wie Mitarbeitenden.
Mit der zunehmenden gesellschaftlichen Aufmerksamkeit für Food Waste wird das Thema weiter an Bedeutung gewinnen. Wer heute seine Prozesse optimiert und verlässliche Partnerschaften aufbaut, verschafft sich einen Wettbewerbsvorteil – ökologisch wie wirtschaftlich.
Kurz-Check für Ihren Betrieb
- Haben Sie feste Abholzeiten definiert, die zu Ihrem Ablauf passen?
- Existiert eine schriftliche Vereinbarung mit Ihrem Foodsharing- oder Tafelpartner?
- Sind Ihre Mitarbeitenden geschult, welche Speisen gespendet werden dürfen – und welche nicht?
Wenn Sie diese drei Punkte abhaken können, sind Sie bestens aufgestellt, um Lebensmittel nachhaltig und sicher vor der Tonne zu retten.