Samstag, 11. Juli 2026 GastroNews – Magazin für Profis
Technologie

Taxi? Erst ins Folio

Die Hotelsoftware Mews und Uber planen eine Integration, mit der Fahrten aus dem Hotelprozess heraus gebucht und auf das Gastkonto übernommen werden können. Für Hotels ist daran nicht der Markenname das Spannende, sondern der saubere Ablauf vom Wunsch des Gasts bis zur Rechnung. Mobilität wird damit vom Zettel an der Rezeption zu einem prüfbaren Serviceprozess.

TL;DR

Der alte Fahrtauftrag hat oft Kugelschreibergeruch. Ein Gast steht mit Koffer an der Rezeption, der Zug geht früh, die Messe beginnt um neun. Jemand ruft ein Taxi, notiert eine Uhrzeit und legt den Zettel neben die Tastatur.

Genau dort wird Hoteltechnik interessant. Nicht, weil jedes Haus plötzlich Ride-Hailing lieben muss. Sondern weil eine Fahrt nicht mehr als loses Serviceversprechen neben dem PMS liegen muss.

Vom Zettel zum Vorgang

Mews kündigte am 26. Mai 2026 eine strategische Partnerschaft mit Uber an. Die Meldung bezog sich auf Mews Unfold am 27. Mai 2026 in Amsterdam. Geplant ist eine Integration, die Ride Booking, Echtzeit-Tracking, Bestätigungen und Abrechnung direkt in die Mews-Plattform bringt.

Laut PhocusWire sollen Fahrten vom Hotelteam oder vom Gast angestoßen werden können: Mitarbeitende buchen über die Mews-Plattform, Gäste über das Guest Portal. Die Kosten sollen über Mews Payments automatisch auf das Guest Folio gebucht werden. Ende Mai 2026 war die Lösung noch in Entwicklung; ein Pilot wurde für später 2026 erwartet.

Mews nennt außerdem als Anbieterangabe aus eigener 2026-Recherche, dass Gäste Transfers meist selbst organisieren und dafür im Schnitt 50 US-Dollar pro Aufenthalt ausgeben. Das ist keine DACH-Zahl. Als Hinweis taugt sie trotzdem: Mobilität rund um den Aufenthalt passiert häufig außerhalb der Hotelrechnung.

Der Ablauf ist der eigentliche Punkt

Für ein Stadthotel in Zürich, München oder Wien zählt der Markenname weniger als die Prozesskette dahinter.

Ein Gast braucht eine Fahrt. Das Team prüft, ob das Haus sie organisiert oder nur vermittelt. Der Preisrahmen ist klar. Die Fahrt wird gebucht. Der Status ist sichtbar. Die Kosten landen auf der richtigen Rechnung oder Kostenstelle. Storno und Reklamation sind nicht improvisiert.

Das klingt trocken, hilft aber genau dort, wo der Alltag sonst bröselt. Der Nachtdienst sieht, ob der Wagen bestellt ist. Die Buchhaltung sieht, warum auf dem Folio eine Transferposition steht. Der Concierge muss nicht in drei Chats nachfragen. Die Reservierung kann bei einem Airport-Package schon vor Anreise hinterlegen, was übernommen wird.

Sobald eine Fahrt auf dem Folio landet, verändert sie ihren Charakter. Aus „Wir rufen Ihnen etwas“ wird ein prüfbarer Serviceprozess. Vielleicht ist es eine vermittelte Nebenleistung, vielleicht eine weiterberechnete Leistung, vielleicht Teil eines Arrangements. Steuerliche und rechtliche Details gehören je Land geprüft: Mehrwertsteuer, Belegfluss, Trinkgeld, Servicegebühr, Weiterbelastung.

Der Wagen hat eine Kostenstelle

Die interessantesten Fälle sind selten die einfachsten.

Der Corporate Guest hat eine Firmenrate. Das Zimmer zahlt die Firma, den Transfer vielleicht ebenfalls. Aber nur vom Flughafen, nicht zum privaten Dinner. Das Messehotel sieht an bestimmten Tagen geballte Nachfrage zum Gelände, zum Bahnhof oder zur Abendveranstaltung. Das Hotelrestaurant organisiert nach dem Menü eine Rückfahrt, ohne dass Service, Rezeption und Rechnung auseinanderfallen.

Auch Mitarbeitendenfahrten gehören in dieses Bild. PhocusWire und Hotel Management erwähnen ausdrücklich Fahrten für Hotelpersonal, etwa nach späten oder nächtlichen Schichten. Gerade dort kann ein formaler Ablauf helfen: nicht als großzügige Ausnahme im Flurfunk, sondern als klare Richtlinie.

Dann braucht es Grenzen. Welche Uhrzeiten gelten? Welche Strecke ist abgedeckt? Wer darf buchen? Wer gibt Ausnahmen frei? Welche Kostenstelle trägt die Fahrt? Ein sauberer Prozess ist hier freundlicher als ein vager Gefallen.

Datenschutz fährt mit

Fahrtbuchungen wirken harmlos, enthalten aber dichte Informationen: Name, Uhrzeit, Abholort, Ziel, Zimmerbezug, Zahlungsdaten, manchmal auch Beschäftigtenbezug. Standort- und Bewegungsdaten sind im Hotelkontext sensibel, weil sie viel über Routinen verraten.

Die EU erinnert Unternehmen in ihren DSGVO-Informationen daran, personenbezogene Daten zweckgebunden, transparent und mit Blick auf Datenübermittlungen zu verarbeiten. Der European Data Protection Board weist bei internationalen Datentransfers auf passende Schutzmaßnahmen hin. In seinen Leitlinien zu vernetzten Fahrzeugen behandelt der EDPB Geolokationsdaten als Bereich, der besondere Aufmerksamkeit verdient.

Für Hotels heißt das praktisch: Wer bekommt welche Daten? Ist der Mobilitätsanbieter eigenständiger Anbieter, Auftragsverarbeiter oder Teil einer anderen Konstruktion? Welche Rechtsgrundlage trägt den Vorgang? Wie lange bleiben Fahrtinformationen sichtbar? Und muss wirklich jede Person am Front Office vollständige Zieladressen sehen?

Bei Mitarbeitendenfahrten kommt Transparenz dazu. Zweck, Zugriff, Speicherdauer und Auswertung müssen sauber erklärt werden. Eine sichere Heimfahrt nach der Nachtschicht darf nicht zur heimlichen Leistungskontrolle werden.

Vor dem Pilot

Ein guter Test beginnt nicht mit dem Button, sondern mit einer kleinen Prozesskarte. Vom Gastwunsch bis zur Rechnung, inklusive verspätetem Fahrer, Storno, No-show, Schichtwechsel und Beschwerde.

Vier Fragen reichen für den Start:

Dazu kommt die lokale Realität. In vielen Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz bleiben Taxiunternehmen, Shuttlepartner, Bahnhofsservice oder ÖPNV wichtiger als Uber. Das schwächt die Idee nicht. Im Gegenteil: Die nützliche Frage lautet, ob Transferwunsch, Status, Kosten und Rechnung in einem Ablauf landen, egal welcher Anbieter den Wagen stellt.

Mews und Uber liefern dafür den lauten Anlass. Der bessere Gedanke ist leiser: Der Fahrtauftrag gehört nicht mehr neben die Tastatur. Er gehört dorthin, wo PMS, Payment und Guest Portal ohnehin zusammenlaufen.

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