Donnerstag, 6. August 2026 GastroNews – Magazin für Profis
Technologie

Roboterküche im Abnahmetest

Circus, ein deutscher Anbieter autonomer Kochstationen, setzt seine CA-1 bei Mercedes-Benz Gastronomie in Sindelfingen ein. Der Standort verbindet die Station mit Kantinen-Spitzenzeiten und Schichtversorgung. Ein Abnahmetag übersetzt Herstellerwerte in messbare Standortdaten für Ausgabe, Hygiene, Störungen und Ersatzessen.

TL;DR

Um 12 Uhr laufen Bestellungen am Terminal auf, an der Ausgabe warten Gäste. In dieser Viertelstunde zählt für die Küche, wie viele Gerichte vollständig übergeben werden, wie lange der Weg vom Bon bis zum Essen dauert und was bei einer Störung auf dem Bildschirm passiert.

Food Service berichtete am 4. August über den Einsatz einer autonomen Kochstation von Circus bei Mercedes-Benz Gastronomie in Sindelfingen. Davon getrennt steht die Unternehmensmitteilung von Circus vom Dezember 2025: Sie kündigte den Einsatz ab Sommer 2026 zur Unterstützung von Kantinen-Spitzenzeiten und Schichten an.

Auf der Produktseite der CA-1 nennt Circus für die Series 4 rund 800 Mahlzeiten pro Tag, weniger als eine Stunde menschliche Interaktion, sieben Quadratmeter Fläche und mehr als 500 Gerichte pro Zutatenladung. Das sind Herstellerangaben. Ein Betrieb prüft daraus vor Ort Portionen, Eingriffe, Wege und Wartezeiten.

Drei Läufe an einem Tag

Die drei Testläufe sind ein GastroNews-Arbeitsmodell für die betriebliche Abnahme. Der erste Lauf bildet den Normalbetrieb mit festgelegter Rezeptur, definierter Zutatenfüllung und einer bekannten Zahl Testbestellungen ab. Das Abnahmeteam notiert Bestellzeit, Produktionsbeginn, Übergabe und jeden menschlichen Eingriff.

Der zweite Lauf bildet eine Pausenwelle nach. Erfasst werden das Bestelltempo, wartende Gäste und die Zeit bis zur vollständigen Übergabe. Ein Peak kann auch aufzeigen, ob eine Nachfüllung, eine Ausgabehilfe oder ein zusätzlicher Ansprechpartner am Terminal nötig wird.

Der dritte Lauf prüft vorher genehmigte, sichere Fehlerfälle. Eine gesperrte Zutat, eine unterbrochene Bestellung oder eine blockierte Ausgabe machen sichtbar, ob Fehlermeldung, Zuständigkeit und Ersatzversorgung zusammenpassen. Tests zu Sicherheit und Hygiene erfolgen im abgestimmten Rahmen von Hersteller, Integrator und Arbeitsschutzverantwortlichen.

Die Portion zählt an der Ausgabe

„Verkaufsfähige Portionen je 15 Minuten“ ist ebenfalls ein GastroNews-Arbeitsmodell. Eine Portion zählt, sobald Rezeptur, Temperatur, Ausgabe, Allergeninformation und optischer Betriebsstandard erfüllt sind.

In einem 15-Minuten-Peak startet die Station 24 Vorgänge. Sie übergibt 21 Portionen vollständig an Gäste, drei Vorgänge enden mit dokumentierten Abbrüchen. Das Protokoll weist damit 21 verkaufsfähige Portionen je 15 Minuten und drei Abbrüche mit jeweiliger Ursache aus.

Auch menschliche Eingriffe erhalten eigene Einträge: Zutaten nachfüllen, Ausgabe korrigieren, Störung quittieren, Reinigung starten oder Gäste am Terminal unterstützen. Die Wartezeit beginnt mit der bestätigten Bestellung und endet bei der vollständigen Übergabe. So bleibt sichtbar, wie viel Personalzeit die Station im Standortalltag bindet.

Reinigung mit klarer Freigabe

Circus nennt temperaturüberwachte Zutatenlagerung und eine integrierte Spülmaschine als Bestandteile der CA-1. Der Abnahmetest prüft diese Funktionen gegen die Betriebsanleitung der installierten Anlage und den Hygieneplan des Betriebs.

Programmstatus, Reinigungsmittel, sichtbare Rückstände und vorgegebene Prüfschritte werden dokumentiert. Der Betrieb legt anhand von Hygieneplan, Betriebsanleitung und Zuständigkeiten fest, welche Rolle die Freigabe nach der Reinigung erteilt.

Jede Zutatenposition braucht eine eindeutige Verbindung zu Behälter, Charge, Haltbarkeit, Allergenstatus und Rezepturen. Ein kontrollierter Test sperrt einen Behälter. Anschließend prüft das Team, ob Bestellterminal und Ausgabe die zugehörigen Gerichte blockieren. Bei Rezeptur- oder Behälterwechsel gleicht die zuständige Person Allergeninformationen, POS-Text, Digitalmenü und Produktionsdaten ab.

Störung und Ersatzessen

Bei einer Temperaturwarnung, einem Netzwerkausfall oder einer blockierten Ausgabe brauchen Gäste eine verständliche Information und eine Essensalternative. Der Fehlerlauf dokumentiert Startzeit, Fehlermeldung, Eingriff, Wiederanlauf und die Versorgung bereits wartender oder zahlender Gäste.

Eine vorbereitete Alternative, eine benachbarte Ausgabe oder die manuelle Küche können den Ersatzweg tragen. Der Test legt fest, wer Gäste informiert, Zahlungen erstattet, die Schichtleitung einbindet und den Servicepartner kontaktiert.

Die DGUV-Checkliste für kollaborierende Robotersysteme verweist auf die Gefährdungsbeurteilung der konkreten Anwendung. Betriebsanleitung und CE-Unterlagen gehören dazu; Aufstellung, Ausgabe, Personalwege und Wartungszugang fließen ebenfalls in die Prüfung ein.

Der Abnahmebericht trennt Normalbetrieb, Peak und Störungslauf. Jede Abweichung erhält Messwert, Auswirkung, verantwortliche Stelle und Termin für den Nachtest. Nach dem ersten Betriebsmonat ergänzt der Betrieb die Übersicht um Betriebsdaten aus einer Pausenwelle und trägt verkaufsfähige Portionen, Eingriffe und Ersatzgerichte ein.

Weitere Bilder