1. Der Reiz des Fremden: Warum Gastköche buchen?
Stellen Sie sich vor, in Ihrer Küche steht plötzlich ein prominenter Kollege am Pass, bringt neue Aromen mit – und die Gäste reißen Ihnen die Tickets aus der Hand. Genau das schaffen Gastkoch-Abende: Sie erzeugen Begeisterung, FOMO und jede Menge Gesprächsstoff. Laut Empfehlungen von OpenTable gelten Gastköche als wirksame Marketingstrategie, gerade weil solche Abende ein einzigartiges Erlebnis versprechen.
Viele Restaurants berichten, dass rund 30–40 Prozent der Gäste eines solchen Events zum ersten Mal im Haus sind. Ein enormer Hebel, wenn Sie neue Zielgruppen erschließen möchten. Die Fanbase eines bekannten Kochs bringt nicht nur Plätze im Restaurant, sondern auch Reichweite in Social Media mit.
Hinzu kommt der interne Effekt: Ein Gastkoch-Abend ist wie eine Fortbildung in der eigenen Küche. Ein Küchenchef formulierte es so: „Für mein Team ist es wie eine Fortbildung im eigenen Haus. Der frische Wind motiviert für Wochen.“ Neue Techniken, neue Produkte, neue Abläufe – das alles belebt die eigene Brigade.
Und schließlich sendet ein Gastkoch-Event eine klare Botschaft an Ihre Stammgäste und an die lokale Szene: Dieses Haus ist vernetzt, ambitioniert und immer offen für Neues.
2. Das richtige Match: Auswahl und Konzept
Bevor die ersten Töpfe klappern, braucht es ein Format, das wirklich zu Ihrem Betrieb passt. In der Praxis haben sich zwei Modelle etabliert:
- Four Hands Dinner – Gastgeber und Gastkoch kreieren ein gemeinsames Menü. Mal wechselt der Pass nach jedem Gang, mal wird jedes Gericht gemeinsam entwickelt. Das ist partnerschaftlich, intensiv und funktioniert gut, wenn die Philosophien beider Küchen harmonieren.
- Kitchen Takeover – der Gast übernimmt komplett. Ideal für Pop-ups oder wenn der Küchenchef bewusst einen „Bruch“ setzen will.
Beide Modelle funktionieren, doch sie müssen zum Charakter Ihres Hauses passen. Ein Sternekoch in einem rustikalen Wirtshaus kann ein spannender Kontrast sein, muss aber kommunikativ sauber begleitet werden – idealerweise als bewusstes Konzept und nicht als Zufall.
Prüfen Sie außerdem, ob der Name des Gastkochs in Ihrer Region zieht. TV-bekannte Köche öffnen Türen zu einem breiteren Publikum, während Szene-Köche vor allem Foodies und Branchenkenner mobilisieren. Für welche Zielgruppe möchten Sie das Event nutzen? Die Antwort entscheidet mit über Format, Menü, Preis und Vermarktung.
3. Die harte Währung: Kalkulation & Honorare
Gastkoch-Events sind glamourös – aber betriebswirtschaftlich herausfordernd. Neben dem Wareneinsatz kommen Kosten für Reise, Hotel und Honorar dazu. Manche Gastköche arbeiten auf Gagenbasis, andere bevorzugen Barter-Deals wie Gegeneinladungen. Wichtig: Auch unter Kollegen müssen Leistungen steuerlich sauber abgerechnet werden. „Freundschaftsdienste“ sind kein Freifahrtschein, weder für die Kasse noch fürs Finanzamt.
Das Ticketing ist ein zentraler Risikofaktor. No-Shows liegen bei Events ohne Vorkasse häufig bei 10–20 Prozent. Das kann bei fixen Kosten schnell wehtun. Mit einem Ticket-System – wie es SumUp oder andere Anbieter empfehlen – sinkt die No-Show-Rate auf nahezu 0 Prozent.
Der Ticketpreis muss entsprechend kalkuliert sein. Ein Gastkoch-Event darf teurer sein als Ihr reguläres Menü. Gäste erwarten eine besondere Erfahrung und sind bereit, dafür mehr zu zahlen. Prüfen Sie, wie viele Couverts realistisch sind, welchen Wareneinsatz Sie brauchen und welche Gage Sie zahlen müssen – erst dann ergibt sich ein wirtschaftlich vertretbarer Einstiegspreis.
Unterschätzen Sie nicht die Rolle von Sponsoren. Viele Lieferanten springen gerne ein – ob Wein, Kaffee, Wasser oder Premiumprodukte wie Fleisch und Fisch. Das reduziert Kosten und schafft gleichzeitig Kooperationspotenzial für beide Seiten. Auch Food-Partner profitieren schließlich von einem gut inszenierten Abend.
Ein Event-Experte bringt es auf den Punkt: „Unterschätzen Sie nicht die Logistik. Wenn der Gastkoch seine spezielle Pinzette oder den Pacojet-Becher vergisst, muss improvisiert werden. Gute Vorbereitung ist alles.“
4. Marketing-Synergien nutzen
Ein Gastkoch-Event ohne Marketing ist wie ein Teller ohne Salz: technisch okay, aber ohne Wirkung. Deshalb sollte die Vermarktung von Anfang an Teil der Kooperation sein. Am besten regeln Sie direkt im Vertrag, dass auch der Gastkoch das Event in seinen Kanälen kommuniziert – über Newsletter, Instagram oder Website. Gerade bei Köchen mit hoher Social-Reichweite kann dieser Hebel enorm sein.
Geben Sie Ihren Stammgästen am besten ein 48-Stunden-Vorkaufsrecht. Das stärkt die Bindung und verhindert Enttäuschungen, wenn das Event allzu schnell ausverkauft ist.
Setzen Sie außerdem auf hochwertige Content-Produktion. Ein Fotograf oder Videograf mag ein Zusatzposten in der Kalkulation sein, aber das Material hat langfristigen Wert. Aus einem Abend generieren Sie Content für Wochen – oder sogar für die Bewerbung des nächsten Events.
Denken Sie auch an lokale Presse und Food-Blogger. Ein kleiner Pressetisch oder ein paar reservierte Plätze können sich auszahlen, denn Berichte über den Abend verlängern die Reichweite erheblich.
5. Logistik & Ablauf: Wenn Egos aufeinanderprallen
Gastkoch-Abende sind selten konfliktfrei – und das ist normal. Zwei Küchenphilosophien treffen aufeinander, zwei Handschriften, zwei Tempovarianten. Umso wichtiger ist ein klarer Ablaufplan.
Beginnen Sie etwa vier Wochen vor dem Event mit der Menüabstimmung. Klären Sie, welche Zutaten der Gastkoch mitbringt und was Ihr Team vorbereiten muss. Eine genaue Mise-en-place-Liste verhindert Stress am Abend selbst.
Definieren Sie außerdem, wer den Takt angibt. Steht der Gastkoch am Pass – oder bleibt diese Rolle beim Gastgeber? Klare Verantwortlichkeiten verhindern Missverständnisse und Schadensbegrenzung in letzter Minute.
Auch der Service muss vorbereitet sein. Die Gerichte des Gastkochs sind keine Ausrede für Wissenslücken am Tisch. Ihr Team sollte die Geschichten hinter jedem Gang genauso gut erzählen können wie die Stammgerichte Ihres Hauses. Storytelling ist ein entscheidender Teil des Erlebnisses.
Vergessen Sie die rechtliche Ebene nicht. Kurzzeitbeschäftigungen, Honorare oder Rechnungsstellungen müssen sauber geregelt sein – hilfreiche Checklisten bietet etwa die Gastro Academy.
Fazit / Ausblick
Gastkoch-Events sind ein starkes Werkzeug, wenn sie nicht nur als kulinarische Show, sondern als Marketing- und Positionierungsstrategie verstanden werden. Sie motivieren das Team, ziehen neue Zielgruppen an und schaffen exklusive Erlebnisse, die Ihr Restaurant aus der Masse hervorheben. Die größte Herausforderung bleibt die Kalkulation – wer sie beherrscht, kann aus einem Abend einen langfristigen ROI generieren.
In Zukunft werden Formate wie Four Hands Dinner oder Kitchen Takeovers weiter an Bedeutung gewinnen. Social Media beschleunigt Trends, und Gäste suchen vermehrt nach besonderen Momenten statt nach „nur einem Abendessen“. Wenn Sie die nächsten Schritte jetzt durchdenken, sind Sie Ihren Mitbewerbern einen entscheidenden Schritt voraus.
Kurz-Check für Ihren Betrieb
- Haben Sie das passende Format (Four Hands oder Takeover) ausgewählt?
- Stimmt die Kalkulation inklusive Gage, Reise, Wareneinsatz und Ticketpreis?
- Ist die Cross-Promotion mit dem Gastkoch vertraglich geregelt?
- Steht ein klarer Ablaufplan für Küche und Service?
- Haben Sie Content-Produktion und Pressearbeit eingeplant?
- Sind alle rechtlichen und steuerlichen Punkte geklärt?