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Kollege Roboter: Wenn KI den Kochlöffel schwingt – Chance oder Gimmick?

Burger, die ohne menschliche Hand gewendet werden, Serviceroboter, die Teller tragen, ohne zu murren – was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction klang, ist heute in ersten Küchen und Gasträumen der DACH-Region Realität. Doch ist das mehr als ein teures Technikspielzeug? Wir haben uns angeschaut, was Roboter in der Gastronomie wirklich können – und wo sie an ihre Grenzen stoßen.

# Kollege Roboter: Wenn KI den Kochlöffel schwingt – Chance oder Gimmick?

## 1. Science-Fiction ist jetzt

Stellen Sie sich vor, in Ihrer Küche brutzelt ein perfekt gegartes Patty, doch niemand steht am Grill. Kein Azubi, kein Koch – nur ein Roboterarm, der präzise, geduldig und ohne Hitzestress arbeitet. In Kalifornien ist dieses Bild längst Alltag: Das Startup Creator in San Francisco galt als einer der Pioniere vollautomatisierter Burgerproduktion. Zwei Maschinen schafften bis zu 120 Burger pro Stunde – immer identisch, immer punktgenau gegart. Nicht als Gag, sondern als ernst gemeintes Produktionsprinzip.

„Das Patty ist bei uns besonders locker und zart. Auch das ist ein Verdienst der Robotik“, erklärte Creator-Innovator David Bordow einmal gegenüber *KTCHNrebel*. Ein hoch spezialisierter Greifarm formt dort das Fleisch so vorsichtig, dass es beim Transport durch einen Menschen auseinanderfallen würde.

Was im Silicon Valley begann, schwappt inzwischen – und das weniger aus Technikbegeisterung als aus purem Personalmangel – nach Europa. Auch hier stellt sich für Gastronominnen und Gastronomen die Frage: Kann der Roboter nicht nur Burger, sondern auch Probleme lösen?

## 2. Die neuen Küchenhilfen: Was geht technisch?

Wer heute von KI in der Gastronomie spricht, meint oft: Maschinen, die konkrete, wiederkehrende Aufgaben übernehmen. Und genau darin sind die neuen Systeme beeindruckend gut.

Ein Beispiel ist **Flippy** von Miso Robotics – der wohl bekannteste Küchenroboter. Ein KI-gesteuerter Arm, ausgestattet mit Wärmebildkameras und Objekterkennung. Flippy erkennt, ob in der Fritteuse gerade Pommes oder Hähnchenstücke schwimmen und entscheidet selbstständig, wann beides fertig ist. Für Küchen, in denen Hochbetrieb herrscht und der Frittierbereich zu den gefährlichsten und unattraktivsten Arbeitsplätzen gehört, ist das ein echter Gamechanger.

Auch in Europa wird kräftig entwickelt:  
- **GoodBytz** aus Hamburg arbeitet an ganzen Roboterküchen, die Gerichte vollautomatisiert zubereiten – ideal für standardisierte Lunchkonzepte oder große Betriebsgastronomien.  
- **KNEXT** aus Dingolfing bietet modulare Lösungen – vom Barista-Roboter bis hin zu automatisierten Stationssystemen. Das Unternehmen sieht die Maschinen als Werkzeug, nicht als Konkurrenz: „Wir sehen Roboter nicht als Ersatz für Personal, sondern als notwendige Unterstützung, um den Betrieb bei Personalmangel überhaupt aufrechtzuerhalten“, heißt es dort sinngemäß.

Dabei lohnt ein Blick auf die große Unterscheidung:  
- **Back-of-House-Robotik** automatisiert Kochprozesse, wie Braten, Frittieren oder das Portionieren. Vorteile: Hygiene, Wiederholbarkeit, Sicherheit.  
- **Front-of-House-Robotik** hingegen meint Serviceroboter wie PuduBot oder BellaBot. Diese surren durch den Gastraum und tragen Teller oder Geschirr dorthin, wo sie gebraucht werden – aber sie interagieren nicht wirklich emotional mit Gästen.

Für viele Betriebe ist genau diese Arbeitsteilung spannend: Der Roboter übernimmt das Schwere oder Monotone, der Mensch den Rest.

## 3. Praxis-Check DACH: Der Roboter im Gasthaus

Doch wie funktioniert das Ganze in Deutschland, Österreich und der Schweiz? Überraschend gut – wenn man den Roboter richtig einsetzt.

Ein Beispiel liefert das Gasthaus **Schwarzes Ross** in Hörblach (Franken). Dort unterstützt Serviceroboter „Bella“ das Team beim Tragen schwerer Tabletts. Die Wirtin erzählt, dass „Bella“ zwar gerne gestreichelt wird, aber auch freundlich abwinkt, wenn ihr der Trubel zu viel wird. Emotionale Interaktion? Nicht wirklich. Praktische Unterstützung? Absolut.

Gäste reagieren laut Bericht der *Mainpost* zunächst oft skeptisch – schließlich sieht ein Serviceroboter mit Katzenbildschirm eher nach Messegag als nach Gastronomiealltag aus. Doch sobald sie bemerken, dass das Personal entspannter arbeitet, die Wege kürzer werden und Bestellungen schneller ankommen, wandelt sich die Skepsis meist in pragmatische Akzeptanz.

Gerade in ländlichen Regionen, in denen der Fachkräftemangel besonders drückt, werden Roboter daher zunehmend nicht als Bedrohung, sondern als Rettungsanker wahrgenommen. Wichtig ist aber: Sie ersetzen niemanden. Sie tragen Teller, aber nicht die Verantwortung für die Stimmung im Gastraum.

## 4. Wirtschaftlichkeit & Grenzen

Natürlich stellt sich die Frage: Rechnet sich das überhaupt?

Die Antwort lautet: Es kommt darauf an, wie man rechnet. Ein Serviceroboter kostet im Leasing zwischen 600 und 1.000 Euro im Monat – und liegt damit oft unter den Lohnnebenkosten einer Vollzeitkraft. Küchenrobotik ist teurer: Fest installierte Systeme können schnell in den fünf- bis sechsstelligen Bereich gehen.

Trendsetzend ist deshalb das Modell **Robots as a Service (RaaS)**. Die Maschine wird nicht gekauft, sondern gemietet – inklusive Wartung. Für viele Betriebe bedeutet das: planbare Kosten, kein Kapitalrisiko.

Doch trotz aller Technik gibt es klare Grenzen:  
- **Kreativität:** Ein Roboter schmeckt nicht ab und improvisiert nicht, wenn eine Zutat fehlt.  
- **Flexibilität:** Ideal für Burger, Bowls oder Pasta – weniger geeignet für Fine Dining mit ständig wechselnden Handgriffen.  
- **Emotion:** Gastfreundschaft ist menschlich. Keine Maschine ersetzt ein persönliches Gespräch oder ein empathisches Ohr, wenn etwas schiefgeht.

Der Roboter kann die Küche effizienter machen – aber die Seele des Betriebs bleibt menschlich.

## 5. Fazit: Koexistenz statt Verdrängung

Ob Koch- oder Serviceroboter: Sie sind weder Heilsbringer noch Bedrohung. Aber sie sind zunehmend ein Werkzeug, das vielen Betrieben durch die Personalnot hilft. Wenn der Roboter die Pommes fertig macht, hat die Köchin Zeit fürs Anrichten. Wenn der Serviceroboter die Teller trägt, kann sich der Kellner auf die Gäste konzentrieren.

Die kommenden Jahre werden zeigen, wie weit die Integration geht. Doch schon jetzt ist klar: Roboter nehmen der Gastronomie nicht das Menschliche. Sie geben ihm im besten Fall etwas davon zurück – indem sie Freiräume schaffen.

Wenn Sie heute überlegen, wo in Ihrem Betrieb monotone, gefährliche oder zeitraubende Aufgaben liegen, könnte das der erste Schritt in Richtung einer sinnvollen Robotik-Integration sein.

### Kurz-Check für Ihren Betrieb

- Welche Aufgaben im Alltag sind besonders monoton, zeitfressend oder physisch belastend?  
- Könnte ein Roboter Abläufe stabilisieren, ohne das Gästeerlebnis zu beeinträchtigen?  
- Ist ein Leasing- oder RaaS-Modell wirtschaftlich attraktiver als zusätzliches Personal?  
- Haben Sie einen klaren Prozess, den eine Maschine zuverlässig übernehmen kann?  

Ein kluger erster Test kann Ihnen heute schon den Vorsprung verschaffen, den Ihre Konkurrenz morgen erst mühsam aufholen muss.

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