Mittwoch, 26. August 2026 GastroNews – Magazin für Profis
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Bringt die Lieferung an heißen Abenden wirklich zusätzlichen Umsatz?

Der britische NIQ Hospitality at Home Tracker erfasste im Juli unterschiedliche Entwicklungen bei Lieferung und Abholung, über die auch das Fachmedium The Caterer berichtete. NIQ ist ein Marktforschungsunternehmen; sein Tracker bündelt Daten britischer Restaurantgruppen. Für Restaurants und Hotelbetriebe wird ein heißer Tag greifbar, wenn Umsatz, Kanalabzüge und Küchenlast nach Uhrzeit nebeneinanderstehen.

TL;DR

An heißen Samstagen kann die Terrasse am Nachmittag laufen, während abends Lieferbons am Pass auflaufen. Das Abholregal füllt sich dann nach einer eigenen Logik. Eine Tageszahl aus der Kasse verdeckt solche Bewegungen schnell.

The Caterer berichtet über den NIQ Hospitality at Home Tracker. Auch die veröffentlichte NIQ-Mitteilung führt die Werte für Juli 2026 aus. Das kombinierte Liefer- und Abholgeschäft der erfassten britischen Restaurantgruppen wuchs gegenüber Juli 2025 auf vergleichbarer Basis um 0,3 Prozent.

Hinter diesem kleinen Gesamtwert stehen zwei unterschiedliche Kanäle: Lieferumsätze stiegen um 4,0 Prozent, Take-away und Click-and-Collect sanken um 8,1 Prozent. NIQ bringt die Entwicklung mit Hitzewellen in Verbindung und nennt Fußballübertragungen der Männer-WM als möglichen Impuls für Lieferbestellungen. Eine eigene Auswertung kann Wetter, Sportereignisse, Ferienbeginn und Standortbedingungen getrennt festhalten.

Was nach jedem Bestellweg vom Umsatz übrig bleibt

Ein Gericht trägt je nach Bestellweg einen anderen Betrag bei. Im Tischgeschäft wirken etwa Zahlungsgebühren, im Abholgeschäft Verpackung, Kommissionierung und Ausgabezeit. Lieferung bringt Plattform- oder Kuriergebühren, Verpackung und oft einen Eigenanteil an Rabatten hinzu.

Für eine klare Vergleichsgröße eignet sich der Kanaldeckungsbeitrag vor variablem Personal:

> Nettoerlös minus Wareneinsatz minus direkte Kanalabzüge

Direkte Kanalabzüge umfassen Verpackung, Provision, Kurierkosten und rabattbedingte Eigenanteile. Direkt zurechenbare variable Personalkosten bleiben in dieser Kennzahl für Tischgeschäft, Abholung und Lieferung vollständig außerhalb der Rechnung. Ein Betrieb kann sie in einer zweiten, gleich aufgebauten Rechnung ergänzen, sobald die Zeitwerte je Kanal verlässlich vorliegen.

Eine Plattformbestellung kann so weniger Kanaldeckungsbeitrag liefern als ein vergleichbarer Restaurantbon. Sie kann zugleich zusätzliche Nachfrage auslösen, sofern der Gastraum ruhig bleibt und die Küche freie Kapazität hat. Die Summe aller Kanäle und der jeweilige Beitrag pro Bon machen die Unterschiede sichtbar.

Vier Zeitfenster zeigen, wann sich das Geschäft verändert

Ein Heißer Tag erreicht laut Umweltbundesamt und Deutschem Wetterdienst eine Höchsttemperatur von mindestens 30 Grad Celsius. Für den Betriebsalltag braucht diese Angabe einen konkreten Standort und einen Blick auf den Tagesverlauf.

Die GastroNews-Wetter-Kanal-Matrix führt pro Tag Datum, höchste lokale Temperatur, Niederschlag, Sonderereignisse und verfügbare Terrassenplätze. Je Kanal kommen Nettoumsatz, Bonzahl, durchschnittlicher Bon, direkte Kanalabzüge und Kanaldeckungsbeitrag vor variablem Personal hinzu.

Vier Zeitfenster halten die Auswertung lesbar: Mittag, Nachmittag, früher Abend und später Abend. Eine volle Terrasse um 18 Uhr und steigende Lieferbons ab 20.30 Uhr ergeben zusammen ein anderes Bild als die Summe beim Tagesabschluss.

Eine kurze Zusatzspalte hilft bei der Einordnung: Stadtfest, Ferienbeginn, geschlossene Terrasse, Plattformaktion oder Fußballspiel. Vergleichbar bleiben vor allem gleiche Wochentage. Ein heißer Samstag trifft auf andere Samstage derselben Saison.

So verschieben sich die Umsätze an einem heißen Samstag

Das folgende GastroNews-Rechenmodell vergleicht zwei Samstage mit gleichem Öffnungszeitraum und ähnlicher Saison. Am warmen Vergleichstag erzielt ein Restaurant 5.000 Euro Nettoerlös am Tisch, 600 Euro über Abholung und 400 Euro über Lieferung. Die drei Kanäle ergeben zusammen 6.000 Euro Nettoerlös.

Am heißen Samstag erzielt das Tischgeschäft 4.500 Euro, Abholung 500 Euro und Lieferung 850 Euro. Der Gesamtumsatz liegt damit bei 5.850 Euro. Der Lieferkanal wächst um 450 Euro, während Tischgeschäft und Abholung zusammen um 600 Euro zurückgehen.

Für die 850 Euro Lieferumsatz fallen im Modell 204 Euro Plattformprovision bei 24 Prozent und 51 Euro Verpackung an. Vor Wareneinsatz und variablem Personal bleiben 595 Euro Nettoerlös nach diesen beiden Kanalabzügen. Der vollständige Kanaldeckungsbeitrag vor variablem Personal ergibt sich anschließend erst nach Abzug des Wareneinsatzes. Sämtliche Werte sind Teil eines GastroNews-Rechenmodells.

Zwischen 18.30 und 19.15 Uhr steigen die Lieferbons im Modell von acht auf 19. Die Küchenleitung prüft parallel Wartezeiten, Rückfragen von Gästen und den Ablauf am Pass. So erhält auch die Küchenlast einen Platz neben den Umsatzzahlen.

Was ein Vergleich über zwei Sommerwochen zeigen kann

Für 14 Öffnungstage exportiert der Betrieb Kassen- und Plattformdaten nach Kanal und Zeitfenster. Temperatur, Regen, Sonderereignisse und nutzbare Außenplätze kommen täglich hinzu. In der ersten Woche bleibt das Angebot unverändert; die Daten erhalten dadurch einen ruhigen Ausgangspunkt.

In Woche zwei kann ein Team ein klar markiertes Experiment einführen, etwa ein festes Abholfenster in der Abendspitze oder eine kürzere Lieferkarte. Ausgewertet werden Gesamtumsatz, Kanaldeckungsbeitrag vor variablem Personal, Bonzahl je 15 Minuten und auffällige Wartezeiten.

Ein mögliches Auswertungsergebnis lautet: An heißen Abenden zwischen 20.30 und 21.15 Uhr brachte Abholung den höchsten Kanaldeckungsbeitrag vor variablem Personal, während Lieferbons den Pass verlangsamten. Darauf kann die nächste Hitzewoche mit einem besetzten Abholregal, passender Vorbereitung und einer angepassten Lieferreichweite reagieren.

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