Freitag, 9. Januar 2026 GastroNews – Magazin für Profis
Küche & Trends

Hightech am Herd: Wie KI und smarte Assistenten die Profi- und Privatküche verändern

Die Küche wird digital – und das schneller, als viele Betriebe ihre nächste Speisekarte überarbeiten können. Smarte Geräte, KI-gestützte Sensorik und nahezu unsichtbare Kochfelder verändern nicht nur das Kochen, sondern auch die Planung moderner Hotel- und Gastronomieküchen. Was ist Spielerei, was echter Fortschritt? Ein Überblick für alle, die täglich zwischen Mise-en-place, Mitarbeitermangel und Gästewünschen jonglieren.

1. Der digitale Sous-Chef

Stellen Sie sich vor, Sie betreten Ihre Küche – und sie begrüßt Sie fast wie ein zusätzlicher Commis: leise im Hintergrund rührend, kontrollierend, vorwarnend. Was früher nach Science-Fiction klang, zieht heute in immer mehr gastronomische Konzepte ein.

Der Wandel ist klar: weg von einzelnen smarten Funktionen wie simpler App-Steuerung, hin zu Geräten, die Abläufe wirklich mitdenken. Ob KI-gestützte Garprogramme, Sensorik für punktgenaue Temperaturen oder Kühlschränke, die selbst wissen, was sie lagern – aus dem Handwerksraum wird zunehmend ein High-Tech-Labor.

Wichtig: Es geht keinesfalls nur um Spielzeug für ambitionierte Hobbyköche. Die neuen Technologien können in der Gastro echte Engpässe entschärfen: weniger Routinearbeit, mehr Planungssicherheit, bessere Integration in offene Küchen und Serviced Apartments. Kurz: Technik, die nicht stört, sondern entlastet.

2. Der neue Maßstab: Thermomix TM7 & Co.

Kaum ein Küchengerät polarisiert so sehr wie der Thermomix – und doch steht er längst in vielen Profiküchen. Mit dem neuen TM7 setzt Vorwerk nun eine Marke, die auch für Gastronomen spannend ist.

Schon der erste Eindruck hat Wucht: schwarzes Gehäuse, 10-Zoll-Display, ruhigerer Motor. Vor allem aber die neue Sensorik sorgt für Aufmerksamkeit. Der „digitale Zwilling“ auf dem Display zeigt in Echtzeit, was im Topf passiert – das Gerät erkennt Mengen und Zutaten automatisch. Präziser geht es kaum. Dazu kommt die Möglichkeit, offen zu kochen, etwa für Pasta, sowie ein manuelles Anbratprogramm mit bis zu 160 Grad.

Für Betriebe, die mit begrenztem Personal arbeiten, sind solche Features Gold wert. Saucen, Emulsionen oder Fonds laufen stabil im Hintergrund, während am Pass die Bestellungen durchgehen. Ein Küchenchef brachte es im Gespräch so auf den Punkt: „Für die Masse brauche ich den Kipper, aber für die perfekte Hollandaise nebenbei ist der smarte Mixer mein bester Commis.“

Auch die Konkurrenz schläft nicht. Bosch Cookit punktet mit starkem Anbraten und großem Topfvolumen, Kenwood mit Induktion bis 180 Grad – interessant etwa für Patisserie-lastige Betriebe.

Natürlich bleibt ein Haken: Der TM7 ist mit rund 1.549 Euro eine spürbare Investition, und die Wartezeiten sind mitunter enorm – laut Tests und Berichten bis zu 23 Wochen. Trotzdem zeigt genau das die Nachfrage. Die Frage für Profis lautet daher weniger „Lohnt es sich?“, sondern: „Für welche Station in meinem Betrieb lohnt es sich?“

Vertiefende Tests finden Sie u.a. im Spiegel („Thermomix TM7 im Praxistest“) oder bei Heise („Smarte Küchenmaschine im Test“).

3. KI und Sensorik: Wenn der Ofen mitdenkt

Nicht nur Multikocher werden intelligenter – auch Öfen, Airfryer und Kühlschränke holen technisch auf.

Ein Beispiel: Der Trisa „AI Fry Pro“ analysiert die Füllmenge und passt Garzeiten automatisch an. Was zunächst trivial klingt, ist für kleinere Gastronomiebetriebe durchaus interessant, etwa wenn wechselndes Personal mit Snacks, Barfood oder kleinen À-la-carte-Gerichten arbeitet.

Bei AEG zeigt sich der Trend noch deutlicher. Der „SteamPro“ mit CookSmart Touch+ und Steamify nutzt Kerntemperatur- und Feuchtigkeitssensoren, um den Garprozess autonom zu steuern – von Sous-Vide bis Dampfgaren. Das Ergebnis: konstante Qualität, weniger Kontrollgänge und reduzierte Fehlproduktionen.

Und dann ist da der Kühlbereich. Samsung etwa integriert KI-Kameras und den „AI Food Manager“ in seine Bespoke-Kühlschränke. Die Geräte erkennen Inhalte, tracken Mindesthaltbarkeiten und erstellen Bestandslisten. Für Hotels mit Serviced Apartments, kleine Cafés oder Betriebe ohne digitale Warenwirtschaft kann das ein erster Schritt zu besserer Planung sein.

Ganz ohne Einschränkungen geht es aber nicht: Kameras und smarte Sensorik werfen immer die Frage nach Datenschutz auf – Stichwort Mitarbeiterüberwachung. Betriebe sollten daher prüfen, wie und wo solche Geräte eingesetzt werden.

Eine gute Übersicht über KI-Geräte im Küchenbereich liefert der Artikel „Kochen wird intelligent“ auf GIGA.

4. Design-Revolution: Die unsichtbare Küche

Der vielleicht spannendste Bereich der Smart-Kitchen-Revolution ist gar nicht die Technik – sondern ihre Unsichtbarkeit. Denn moderne Hotelkonzepte setzen immer stärker auf offene Räume. Küchen sollen sich in die Architektur einfügen, nicht dominieren.

Genau hier setzen Marken wie Gaggenau an. Deren vollintegriertes Induktionskochfeld verschwindet unter einer Dekton-Arbeitsplatte; sichtbar bleibt nur ein kleiner LED-Punkt. Die Fläche wird zur flexiblen Bühne: Arbeitsbereich, Buffet, Chef’s Table – alles ist möglich, ohne dass ein Kochfeld den Blick stört.

Sven Baacke, Head of Design bei Gaggenau, formulierte es sinngemäß so: „Es geht darum, die Grenzen zwischen Zubereitung und Wohnen verschwimmen zu lassen. Das unsichtbare Kochfeld bietet ultimative Freiheit in der Planung.“

Auch V-ZUG geht einen ähnlichen Weg. Mit der AutoDoor-Funktion öffnen sich Backöfen und Geschirrspüler ohne Griff – per Touch oder Sprachsteuerung. Das wirkt nicht nur elegant, sondern unterstützt minimalistische Hotel- und Apartmentdesigns.

Für Planer und Hoteliers eröffnet das neue Spielräume: weniger Gerätelärm, weniger visuelle Komplexität, mehr Multifunktionalität. Gerade in Showküchen oder Frühstücksbereichen kann das ein echter Wettbewerbsvorteil sein.

Vertiefende Design-Impulse liefert der Artikel „Küchen im Wandel“ im AD Magazin.

5. Fazit: Spielzeug oder Werkzeug?

Die Antwort ist – wie so oft – ein Sowohl-als-auch.

Ja, manche Geräte stammen aus dem Consumer-Bereich. Und ja, für die Großküche mit 500 Essen pro Abend bleibt ein Kombidämpfer unverzichtbar. Aber zwischen Barfood, Roomservice, kleinen Cafés und Boutique-Hotels gibt es unzählige Anwendungen, bei denen smarte Geräte echte Lücken schließen.

Zwei Trends stechen heraus:

Erstens übernehmen KI und Sensorik immer mehr Routinearbeit und stabilisieren Qualitätsstandards. Zweitens verändert die „unsichtbare Küche“ die Architektur moderner Hotel- und Apartmentkonzepte.

Und das ist erst der Anfang. Sprachsteuerung, automatisierte Rezeptanpassungen und KI-basierte Resteverwertung stehen bereits in den Startlöchern. Wer jetzt experimentiert, hat einen deutlichen Vorsprung – im Betrieb und im Gästeerlebnis.

Kurz-Check für Ihren Betrieb

Wenn Sie heute die richtigen Fragen stellen, kocht Ihre Küche morgen vielleicht schon etwas smarter – und Sie haben mehr Zeit für das, was wirklich zählt: Ihre Gäste.

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