Freitag, 2. Januar 2026 GastroNews – Magazin für Profis
Management & Recht

Tablet statt Textbuch: Wie digitale Lernplattformen die Gastro-Ausbildung revolutionieren

In vielen Küchen haben dicke Lehrbücher längst Konkurrenz bekommen: Videos, Apps und Online-Kurse zeigen Schritt für Schritt, wie Techniken funktionieren – jederzeit abrufbar, perfekt produziert und oft von Spitzenköchen erklärt. Doch können digitale Lernplattformen die klassische Ausbildung ersetzen? Oder machen sie sie einfach besser, moderner und effizienter? Ein Überblick für alle, die ihr Team fit für die Zukunft machen wollen.

1. Das Ende des verstaubten Lehrbuchs?

Stellen Sie sich vor, ein Azubi steht am Pass, Tablet in der Hand, und schaut sich an, wie ein Profi eine Artischocke putzt – in Zeitlupe, gestochen scharf, jederzeit wiederholbar. Vor ein paar Jahren noch unvorstellbar. Damals dominierten Fachwälzer wie Pauli oder Herings; heute ist YouTube in vielen Küchen längst Standard, oft mangels besserer Alternativen.

Der Grund für den Wandel ist klar: Fachkräftemangel und hoher Zeitdruck lassen Ausbildern immer weniger Raum für ausführliche Erklärungen der Basics. Und während Küchenchefs das Tagesgeschäft stemmen, lernen junge Talente asynchron – also genau dann, wenn Zeit ist. „Ich kann dem Lehrling nicht fünfmal am Tag zeigen, wie man eine Artischocke putzt. Das Video kann er sich so oft ansehen, bis er es verstanden hat – dann komme ich für den Feinschliff“, sagt ein Küchenchef stellvertretend für viele.

Digitale Lernplattformen schaffen damit etwas, was im Alltag oft zu kurz kommt: standardisiertes Grundwissen auf Abruf. Und für die Generation Z, die ohnehin am Handy lernt, ist das mehr Motivation als trockene Theorie.

2. Kochen lernen von den Stars: Handwerk & Inspiration

Wenn es um handwerkliches Können und kulinarische Inspiration geht, führt an einem Namen kaum ein Weg vorbei: 7hauben. Die Plattform bezeichnet sich selbst als „Europas größte Online-Kochschule“ und bietet über 90 Kurse mit mehr als 300 Stunden Videomaterial. Thematisch reicht das von extrem spezifischen Nischen wie Brotbacken mit Experten wie Lutz Geißler bis zu veganer Küche, Sushi oder Saucenkunde. Das Geschäftsmodell: ein Jahresabo, mit dem Nutzer Zugriff auf alle Inhalte erhalten.

Für gastronomische Betriebe ist das vor allem aus zwei Gründen spannend: Erstens bekommen Azubis Zugang zu Techniken, die im Betrieb vielleicht niemand perfekt beherrscht. Zweitens liefert die Plattform Inspiration für neue Gerichte – ohne dass jemand Stunden auf Social Media verbringen muss, um halbseriöse Tutorials zu finden. Die Inhalte sind hochwertig produziert, fachlich fundiert und für Profis genauso geeignet wie für ambitionierte Hobbyköche.

Mehr dazu unter: „7hauben – Online Kochschule“ (https://www.7hauben.com/).

Ein weiteres Schwergewicht im Premiumsegment ist Meet Your Master. Die Inhalte stammen aus dem früheren Projekt „Meisterklasse“, dessen Firma inzwischen aufgelöst wurde – die Videos leben aber weiter. Hier führen Persönlichkeiten wie Harald Wohlfahrt oder Roland Trettl durch Kurse, die weniger klassische Ausbildung als vielmehr High-End-Inspiration bieten. Edutainment auf Sterneniveau, das gerade jungen Köchen zeigt, wie weit man mit Leidenschaft und Präzision kommen kann. Für Betriebe ist das vor allem ein Motivationsbooster und eine Möglichkeit, dem Nachwuchs Einblicke in Spitzenküche zu geben.

Und dann wäre da noch Gronda – eine Mischung aus Lernplattform, Rezeptdatenbank und Social Network für professionelle Köche. „Das LinkedIn für die Gastro“ ist längst international im Einsatz. Was Gronda besonders macht: User teilen visuelle Schritt-für-Schritt-Rezepte, oft mit Fotos oder kurzen Videos. Perfekt, um neue Anrichtetechniken zu entdecken oder sich beim Mise-en-Place inspirieren zu lassen. Für Betriebe kann die Plattform ein Werkzeug sein, um jungen Talenten zu zeigen, wie andere Profis weltweit arbeiten – ganz ohne Dienstreise.

3. Management & Business: Der „Restaurant Hero“

Kochen ist das eine – aber ein Betrieb läuft nur, wenn Zahlen, Strukturen und Führung stimmen. Genau hier setzt Restaurant Hero an. Die von Andreas Tuffentsammer und Alexander Herrmann entwickelte Plattform vermittelt Businesskompetenzen, die in der klassischen Kochlehre oft schlicht fehlen. Inhalte wie „Profit Gamechanger“, „Winning Teams“ oder „Menu Engineering“ richten sich an angehende Küchenchefs, Betriebsleiter oder ambitionierte Fachkräfte.

„Wir teilen keine theoretische Schulbildung, sondern angewandtes praktisches Wissen von Gastronomen für Gastronomen“, so Tuffentsammer sinngemäß. Das Versprechen ist klar: bessere Kalkulation, bessere Führung – und damit auch bessere Ergebnisse. Laut Website kostet der Zugang nur etwa 15 Prozent dessen, was ein externer Berater verlangen würde. Für viele kleinere Betriebe ein starkes Argument.

Mehr Infos: „Restaurant Hero“ (https://www.restauranthero.de/).

4. Speziell für Azubis: Gamification und Prüfungsvorbereitung

Während Plattformen wie 7hauben die Praxis zeigen und Restaurant Hero die BWL erklärt, richten sich andere Tools gezielt an Auszubildende. Ein Beispiel: azubi:web. In Kooperation mit den Jeunes Restaurateurs (JRE) produzieren Spitzenköche hier Videolektionen, die direkt auf den IHK-Rahmenlehrplan abgestimmt sind. Es geht also nicht nur um Inspiration, sondern um prüfungsrelevantes Wissen – inklusive digitalem Berichtsheft.

Besonders beliebt sind die Quiz-Duelle, bei denen Azubis gegeneinander antreten. „Das Quiz-Duell in der App macht süchtig. Es ist besser, als abends noch in trockenen Büchern zu lesen“, berichtet ein Azubi stellvertretend für viele. Gamification wirkt: Lernstoff bleibt hängen, weil Lernen sich weniger wie Lernen anfühlt.

Weitere Infos zur JRE-Kooperation: https://jre.eu/de/jre-setzt-zeichen-in-der-ausbildung-online-von-den-besten-lernen

In der Schweiz – und zunehmend auch im restlichen DACH-Raum – ist WIGL ein Vorreiter. Die Plattform der Hotel & Gastro Union kombiniert interaktive Lerneinheiten mit der App WIGLmania, die über 12.000 Fragen bietet. Das zeigt, wie tief der Stoff gehen kann, wenn die Inhalte konsequent digitalisiert werden. Besonders nützlich sind Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die Theorie und Praxis verbinden. Für Ausbildungsbetriebe bedeutet das: weniger Erkläraufwand, mehr Struktur, weniger Chaos beim Lernen.

Einstieg: https://www.hotelgastrounion.ch/de/hgu/lernende/wigl-digital-learning

5. Vor- und Nachteile im Praxis-Check

Digitale Lernplattformen sind kein Allheilmittel. Aber sie lösen viele Probleme, die in der Ausbildung seit Jahren schwelen.

Vorteile für die Praxis:

Nachteile, die bleiben:

Alexander Huber von den JRE bringt es sinngemäß auf den Punkt: „Mit digitalen Angeboten sind wir nah an der Lebensrealität der jungen Menschen. Auch online kann man von den Besten lernen – das ist eine perfekte Ergänzung zur Ausbildung im Betrieb.“ Ergänzung, nicht Ersatz.

6. Fazit & Ausblick

Digitale Lernplattformen ersetzen keine Ausbilder – aber sie entlasten sie. Sie machen Theorie effizient, inspirieren zur Praxis und bieten Zugang zu Know-how, das früher nur wenigen vorbehalten war. Für Gastronomie und Hotellerie, die mit Fachkräftemangel und Zeitdruck kämpfen, ist das eine Chance, Qualität und Motivation im Team zu steigern.

In den kommenden Jahren dürfte die Entwicklung weitergehen: bessere Lernvideos, KI-gestützte Analyse von Schnitttechniken, spielerische Lernmodelle, sogar VR-Trainings für den Service. Wer heute startet, verschafft seinem Betrieb einen klaren Vorsprung.

Wenn Sie jetzt Lizenzen clever auswählen, feste Lernzeiten einplanen und Ihr Team mitnehmen, sind Sie Ihrer Konkurrenz einen Schritt voraus – und machen Ausbildung wieder zu dem, was sie sein sollte: ein gemeinsames Erfolgsprojekt.

Kurz-Check für Ihren Betrieb

(Ende)

Weitere Bilder