1. Wenn es kracht und brennt
Stellen Sie sich vor, im Abendgeschäft rutscht ein Gast auf einem noch feuchten Boden aus. Oder die Fritteuse überhitzt und setzt die Küchenzeile in Brand. Vielleicht platzt auch einfach nur ein Wasserrohr – am Wochenende, wenn niemand im Betrieb ist. Klingt nach Alltag? Ist es leider auch. Die Gastronomie ist ein Hochrisiko-Umfeld: heiße Fette, Messer, Hektik, volle Gasträume.
Ein kleiner Fehler reicht, und die finanzielle Belastung wird enorm. Das Landgericht Köln sprach in einem Fall eines schweren Sturzes bereits rund 8.000 Euro Schmerzensgeld und Verdienstausfall zu – und das war noch ein vergleichsweise moderater Betrag. Die Kernbotschaft: Ohne passenden Versicherungsschutz kann ein einziger Unfall oder Sachschaden das wirtschaftliche Aus bedeuten.
Dieser Guide hilft Ihnen, Klarheit in den Versicherungsdschungel zu bringen – von unverzichtbaren Grundlagen bis zu sinnvollen Zusatzbausteinen.
2. Das absolute Muss: Die Betriebshaftpflicht
Die Betriebshaftpflicht ist das Sicherheitsnetz Ihres Unternehmens – und zwar das wichtigste. Sie schützt vor den finanziellen Folgen, wenn Dritte durch Ihren Betrieb zu Schaden kommen. Gemeint sind nicht nur Gäste, sondern auch Lieferanten oder andere externe Personen.
Typische Szenarien im Alltag:
- Ein Gast rutscht auf einem nicht ausreichend gekennzeichneten nassen Boden aus – Personenschaden inklusive möglichem Verdienstausfall.
- Ein Kellner kippt Rotwein über den hochwertigen Mantel einer Besucherin – Sachschaden, der ersetzt werden muss.
- Nach einem Buffetabend klagen mehrere Gäste über Lebensmittelvergiftungen – ein Fall für die Haftpflicht.
Besonders wichtig: Die Betriebshaftpflicht prüft auch unberechtigte Forderungen. Man spricht hier vom sogenannten „passiven Rechtsschutz“. Denn nicht jeder Vorwurf ist berechtigt, aber die Rechtskosten für die Abwehr können trotzdem hoch werden.
Versicherungsexperten empfehlen Deckungssummen von mindestens fünf bis zehn Millionen Euro – gerade im Hinblick auf mögliche Personenschäden. Ein erfahrener Versicherungsmakler bringt es so auf den Punkt: „Viele Gastronomen unterschätzen das Risiko von Personenschäden. Wird ein Gast schwer verletzt und dauerhaft berufsunfähig, können die Forderungen problemlos in die Millionen gehen.“
Die Kosten variieren stark je nach Standort, Mitarbeiterzahl und Umsatz. Laut Portalen wie transparent-beraten.de und DISH sind kleine Pakete ab rund neun Euro pro Monat erhältlich, realistische Betriebshaftpflichten für Restaurants liegen aber eher zwischen 500 und 2.500 Euro pro Jahr.
Was Sie unbedingt wissen sollten: Eine private Haftpflichtversicherung deckt gewerbliche Risiken grundsätzlich nicht ab. Das ist ein häufiger Gründerfehler.
Weitere Infos dazu finden Sie z. B. im Überblick von DISH (Metro) unter „Versicherungen in der Gastronomie“.
3. Werte schützen: Inhalts- & Gebäudeversicherung
Wenn die Haftpflicht die Gäste schützt, schützt die Inhaltsversicherung Ihre eigene Ausstattung. Sie ist die gewerbliche Variante der Hausratversicherung – nur eben für den Betrieb. Gerade in der Gastronomie ist der Wert der technischen und kaufmännischen Einrichtung enorm: Herde, Kühltechnik, Theke, Möbel, Geschirr, Vorräte.
Geschützt sind in der Regel Schäden durch:
- Feuer
- Leitungswasser
- Sturm und Hagel
- Einbruchdiebstahl und Vandalismus
Wichtig: Warenvorräte und Bargeld sind oft nur bis zu bestimmten Grenzen inkludiert. Wer hochwertige Lebensmittel in großer Menge lagert oder viel Bargeld in Kassen und Tresoren hat, sollte diese Summen im Vertrag bewusst nach oben anpassen.
Die Gebäudeversicherung ist relevant, wenn Sie Eigentümer des Gebäudes sind. Falls Sie mieten oder pachten, ist dies Sache des Vermieters – allerdings ist es ratsam, sich die entsprechenden Nachweise zeigen zu lassen. Produktseiten und Erläuterungen, etwa von Barmenia oder VPV Versicherungen, geben einen guten Überblick über typische Leistungsumfänge.
4. Wenn der Betrieb stillsteht: Ertragsausfall
Wenn ein Schaden entsteht, ist oft nicht das zerstörte Inventar das größte Problem – sondern die Zeit, in der der Betrieb stillsteht. Hier kommt die Betriebsunterbrechungs- oder Ertragsausfallversicherung ins Spiel.
Sie greift, wenn ein versicherter Sachschaden (z. B. Brand, Wasserschaden, Einbruch) dazu führt, dass Sie temporär schließen müssen. Während Sie auf Reparaturen oder neue Geräte warten, ersetzt die Versicherung:
- den entgangenen Gewinn
- die laufenden Fixkosten (Löhne, Pacht, Nebenkosten)
Ein Branchen-Insider fasst es treffend zusammen: „Die Inhaltsversicherung ersetzt Ihnen den verbrannten Herd, aber die Betriebsunterbrechungsversicherung zahlt die Miete, während Sie auf den neuen Herd warten.“
Wichtig ist die Abgrenzung zur Betriebsschließungsversicherung. Diese bezieht sich meist auf behördliche Anordnungen – etwa aufgrund hygienischer Gründe oder spezieller Infektionsrisiken. Die Corona-Jahre haben gezeigt, wie entscheidend das Kleingedruckte sein kann: Polizeilich verhängte Schließungen sind nicht automatisch mitversichert. Anbieter wie resmio und DISH weisen ausdrücklich auf diese Unterschiede hin.
5. Sinnvolle Extras: Von Glas bis Cyber
Neben den zentralen Versicherungen gibt es einige Zusatzbausteine, die je nach Betrieb sinnvoll sein können.
• Rechtsschutzversicherung
Streit mit Mitarbeitern, Ärger mit dem Vermieter oder Auseinandersetzungen mit dem Ordnungsamt – im Gastgewerbe kommt das häufiger vor, als einem lieb ist. Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt die Kosten für Anwälte und Verfahren.
• Glasversicherung
Gerade Betriebe mit großen Fensterfronten, Wintergärten oder markanten Spiegeln sollten diesen Punkt prüfen. Glasflächen sind in der Inhaltsversicherung nicht immer eingeschlossen.
• Cyber-Versicherung
Klingt nach Zukunftsthema, ist aber längst Alltag: digitale Kassensysteme, Online-Reservierungen, Newsletter-Tools, Kundendaten. Ein Hackerangriff kann den Betrieb lahmlegen – bis hin zu Totalausfällen der Kasse am Samstagabend. Ein Küchenchef bringt es ironisch auf den Punkt: „Früher dachte ich, Cyber-Versicherung ist Quatsch. Seit unser Reservierungssystem gehackt wurde und wir am Samstagabend keine Buchungen mehr sehen konnten, sehe ich das anders.“
• Elektronikversicherung
Hardware wie Registrierkassen, Zahlungsterminals oder spezielle Küchentechnik ist teuer und anfällig. Eine zusätzliche Elektronikversicherung deckt Bedienungsfehler oder Kurzschlüsse oft besser ab als eine Standard-Inhaltsversicherung.
6. Checkliste & Kosten
Was kostet der Rundumschutz? Die Spannen sind groß, aber typische Richtwerte helfen bei der Orientierung.
Grobe Jahreskosten:
- Betriebshaftpflicht: etwa 500–2.500 Euro
- Inhaltsversicherung: etwa 300–2.000 Euro
Die tatsächlichen Prämien hängen ab von:
- Umsatz und Mitarbeiterzahl
- Standort und Gebäudestruktur
- Selbstbeteiligung
- Sicherheitskonzept (z. B. Alarmanlagen)
- Saisonbetrieb ja/nein
Um Unterversicherung zu vermeiden, sollten Sie Ihre Policen mindestens einmal pro Jahr prüfen. Besonders bei Neuanschaffungen oder Renovierungen steigen die Werte schnell. Auch die Garderobenhaftung sollten Sie checken – gerade in der kälteren Jahreszeit ein unterschätztes Risiko.
Fazit / Ausblick
Ein funktionierendes Versicherungsportfolio ist kein „nice to have“, sondern der Rettungsanker für den Fall der Fälle. Die Betriebshaftpflicht gehört dabei zwingend in jedes Unternehmen, dicht gefolgt von Inhalts- und Ertragsausfallversicherung. Weitere Bausteine wie Rechtsschutz oder Cyber-Police hängen vom individuellen Betrieb ab – können aber entscheidende Lücken schließen.
Die kommenden Jahre werden die digitale Verwundbarkeit weiter erhöhen. Gleichzeitig steigen durch Inflation und höhere Ersatzkosten die Risiken einer Unterversicherung. Wer jetzt seinen Versicherungsschutz prüft, modernisiert oder komplett neu strukturiert, ist im Ernstfall einen entscheidenden Schritt voraus.
Kurz-Check für Ihren Betrieb
- Haben Sie eine aktuelle Betriebshaftpflicht mit ausreichender Deckungssumme (mind. 5 Mio. Euro)?
- Ist Ihre Einrichtung vollständig über die Inhaltsversicherung abgedeckt – inklusive Vorräten?
- Haben Sie geprüft, ob eine Ertragsausfallversicherung besteht und welche Schäden sie abdeckt?
- Gibt es große Glasflächen oder teure Technik, die separat geschützt werden sollten?
- Nutzen Sie digitale Tools – und wie sind diese gegen Cyberangriffe abgesichert?