Freitag, 30. Januar 2026 GastroNews – Magazin für Profis
Nachhaltigkeit

Summende Mitarbeiter: Wie Bienen und Hühner das Hotel-Image beflügeln

Immer mehr Hotels setzen auf tierische Unterstützung: Bienen auf dem Dach, Hühner im Garten, Wildbienenhotels an der Fassade. Was früher nach hipper Deko klang, wird heute zum ernst gemeinten Nachhaltigkeitsprojekt – mit echtem Nutzen für Umwelt, Gäste und Marketing. Doch wann lohnt sich der Aufwand wirklich, und wie gelingt der Einstieg ohne Bauernhofromantik?

1. Wenn es auf dem Dach summt und gackert

Stellen Sie sich vor, ein Gast checkt ein, fährt mit dem Aufzug nach oben – und über ihm arbeiten still und unermüdlich 50.000 kleine „Mitarbeiterinnen“. Keine Küchenbrigade, sondern Honigbienen. Was vor ein paar Jahren als charmante City-Idee startete, ist heute ein handfestes Nachhaltigkeitskonzept: Tiere als Botschafter für ökologische Verantwortung.

Während Energiesparlampen und Recyclingprogramme längst Standard sind, suchen Gäste zunehmend nach „lebendiger“ Nachhaltigkeit – Maßnahmen, die man sehen, anfassen, schmecken kann. Genau hier punkten tierische Projekte. Sie verbinden Emotion, Regionalität und ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit. Aus grüner Deko wird ein echter Beitrag zur Biodiversität – und nebenbei eine gute Story fürs Marketing.

2. Der Klassiker: Hotelbienen & Urban Beekeeping

Kaum ein Projekt ist so etabliert wie das Urban Beekeeping. Dächer eignen sich perfekt: wenig genutzt, sonnig, sicher. So macht es etwa das Radisson Blu Dortmund, das seit 2017 zwei Bienenvölker beherbergt – zusammen rund 60.000 Bienen. Die Zusammenarbeit mit einer lokalen Imkerei sorgt dafür, dass das Hotel vor allem genießt: Honig am Frühstücksbuffet, zusätzliche Aufmerksamkeit durch das Projekt und sogar einen Beitrag zur Bestäubung im angrenzenden Westfalenpark. Marketingleiterin Nicole Langenberg fasste es einmal begeistert so zusammen: „Ich freue mich so sehr, dass das alles geklappt hat und die fleißigen Bienchen bereits jetzt die umliegenden Parkanlagen erkunden.“

Auch das Cliff Hotel Rügen setzt auf summende Unterstützung. Rund 50.000 Bienen leben dort im Biosphärenreservat – charmant kommuniziert als „neue Mitarbeiterinnen“. Der Honig landet nicht nur auf dem Brot, sondern auch im hoteleigenen Shop. Ein Souvenir mit garantierter Herkunft: direkter geht Regionalität kaum.

Und dann gibt es persönliche Passionen wie im Hotel Lisetta in Südtirol, wo der Hotelier selbst imkertet und bis zu acht Völker pflegt. Für Gäste ist das mehr als ein nettes Gimmick: Es signalisiert Authentizität – und liefert zugleich beeindruckende Zahlen. Ein einziges Volk schafft es auf bis zu 50 kg Honig pro Jahr. Darüber hinaus erfüllen Bienen eine enorme ökologische Funktion. Die weltweite Bestäubungsleistung wird auf rund 153 Milliarden Euro geschätzt, wie das Hotel auf seiner Website betont.

Für Hotels wichtig: Der Standort sollte ein ausreichendes Trachtangebot bieten, denn Bienen fliegen im Umkreis von drei bis fünf Kilometern. Und selbstverständlich gilt in Deutschland eine Meldepflicht beim Veterinäramt – ein Detail, das man nicht vergessen sollte.

3. Wildbienen vs. Honigbienen: Der feine Unterschied

Während Honigbienen als Nutztiere gelten, sind Wildbienen echte Sensibelchen unter den Bestäubern – und viele Arten stehen unter Druck. Für Hotels, die ohne großen Pflegeaufwand ökologische Wirkung erzielen wollen, sind Wildbienenhotels (Nisthilfen) ideal.

Doch Vorsicht: Viele Modelle aus dem Baumarkt taugen wenig und dienen eher der Deko. Die Deutsche Wildtier Stiftung weist regelmäßig darauf hin, dass Tannenzapfen, Stroh oder Lochziegel kaum einer Wildbiene nutzen. Sinnvolle Nisthilfen bestehen aus sauber gebohrtem Hartholz oder Bambusröhrchen. Heißt konkret:

Der Pflegeaufwand ist minimal – eine jährliche Kontrolle reicht. Der ökologische Nutzen dagegen enorm, denn Wildbienen sind hervorragende Bestäuber und ein starkes Argument in jeder CSR-Strategie. Wer also gerade erst in tiergestützte Nachhaltigkeit einsteigt, kann mit einem hochwertigen Wildbienenhotel viel richtig machen – ganz ohne Imkeranzug.

4. Trend Hühnerhaltung: Das Frühstücksei vom Hof

Während Bienen eher anonym im Dachbereich arbeiten, sind Hühner die kommunikativen Stars im Garten. Für viele Hotels – besonders Landgasthöfe mit Streuobstwiesen – ist die eigene Eierproduktion ein charmantes Plus. Ein Beispiel aus der Praxis sind Häuser wie der Happinger Hof, die ihre Grünflächen ohnehin pflegen und so ideale Bedingungen für kleine Hühnerscharen haben.

Doch die Sache hat ihre Tücken:

Die Lösung: oft ein mobiler Hühnerstall oder professionelle Leasing-Modelle mit Landwirten aus der Region. Ein „Hühner-Leasing“ funktioniert ähnlich wie Mietbienen – der Partner kümmert sich um Fütterung und Gesundheit, das Hotel um die Geschichte und die Präsentation der Eier am Buffet.

Transparenz spielt hier eine zentrale Rolle. Wenn Gäste sehen, wie Tiere gehalten werden, steigt die Akzeptanz enorm. Ein sauberes, gepflegtes Umfeld ist Pflicht – sonst kippt die charmante Hof-Atmosphäre schnell ins Gegenteil.

5. Do it yourself oder Outsourcing?

So romantisch es klingt: Die wenigsten Hoteliers haben im Alltag Zeit für Tierpflege. Deshalb setzen viele auf professionelle Partner. Beim Cliff Hotel Rügen übernimmt etwa eine regionale Imkerei alle Aufgaben rund um die Bienenvölker – von der Gesundheitskontrolle bis zum Schleudern und Abfüllen des Honigs. Ähnliche Mietmodelle sind bundesweit zu finden.

Ein erfahrener Leasing-Imker würde es so formulieren: „Der Imker hat die Arbeit, das Hotel den Honig und die gute Geschichte.“ Perfekt also für Häuser, die nachhaltige Akzente setzen wollen, ohne nach Feierabend in den Imkeranzug zu steigen.

Auch Kosten und Nutzen passen oft gut zusammen: Die Miete eines Bienenstocks ist überschaubar, der Marketingwert dagegen hoch. Dazu kommen Erlöse durch Honigverkauf oder -verkostungen sowie zusätzliche Social-Media-Reichweite – Urban Beekeeping ist nach wie vor ein Publikumsmagnet.

Fazit: Authentizität gewinnt

Tiere auf dem Hotelgelände sind weit mehr als ein hübscher Trend. Ob Bienen, Wildbienen oder Hühner – richtig umgesetzt bieten sie ökologischen Mehrwert, stärken das Profil des Hauses und schaffen Erlebnisse, die Gäste weitererzählen. Entscheidend ist, dass Projekte ernst gemeint sind und professionell betreut werden. Halbherzige Insektenhotels oder vernachlässigte Ställe schaden eher, als sie nutzen.

In den kommenden Jahren dürfte das Thema weiter wachsen – auch weil Gäste bewusster reisen und authentische Nachhaltigkeit honorieren. Wer jetzt Partner sucht, mit kleinen Projekten startet und Erfahrungen sammelt, hat gute Chancen, sich im Wettbewerb positiv abzuheben. Oder anders gesagt: Wenn Sie jetzt summende oder gackernde Unterstützer ins Team holen, sind Sie vielen Häusern bereits einen Schritt voraus.

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