Plastikfrei & Mehrweg: Die besten Verpackungslösungen für das To-go-Geschäft
TL;DR
- Plastikfrei & Mehrweg: Die besten Verpackungslösungen für das To-go-Geschäft.
- Der Abschied vom Einwegplastik ist längst mehr als ein Trend: Seit 2023 ist die Mehrwegoption…
- Doch welche Materialien taugen im Alltag wirklich?
- Und lohnt sich der Einstieg in ein Pfandsystem?
Teaser:
Der Abschied vom Einwegplastik ist längst mehr als ein Trend: Seit 2023 ist die Mehrwegoption in der Gastronomie Pflicht – und die Erwartungen der Gäste steigen spürbar. Doch welche Materialien taugen im Alltag wirklich? Und lohnt sich der Einstieg in ein Pfandsystem? Wir zeigen, wie Sie Ihr Takeaway-Angebot nachhaltig, wirtschaftlich und gastfreundlich aufstellen.
1. Vom Plastikberg zur Pflicht
Stellen Sie sich den typischen Mittagstrubel vor: Ein Dutzend To-go-Bestellungen, stapelweise Einwegboxen – und ein übervoller Abfalleimer. Genau dieses Bild will die EU mit ihrer Einwegkunststoffrichtlinie Schritt für Schritt Vergangenheit werden lassen. Seit 2021 sind Strohhalme, Styroporbecher und andere Kunststoffklassiker verboten. Und seit dem 1. Januar 2023 gilt die Mehrwegangebotspflicht, verankert in § 33 und § 34 des Verpackungsgesetzes.
Für die Branche bedeutet das: Wer Speisen oder Getränke im Einwegbecher oder in Einwegkunststoffverpackungen verkauft, muss zwingend eine Mehrweg-Alternative bereithalten – preisgleich, sichtbar kommuniziert und jederzeit verfügbar. Hintergrund ist die deutliche Reduzierung des Müllaufkommens, wie es etwa das Umweltbundesamt in seinen Veröffentlichungen betont.
Der DEHOGA beschreibt die Umstellung als „Kraftakt“, weist aber darauf hin, dass klare Ausnahmeregelungen etwa für Kleinstbetriebe Entlastung bringen. In der Praxis stehen viele Gastronomen dennoch vor der Frage: Welche Verpackungslösungen funktionieren zuverlässig – und wie bleibt das Ganze wirtschaftlich?
2. Materialkunde: Was ist wirklich „Bio“?
Der Markt für nachhaltige Einwegalternativen wächst rasant. Doch nicht alles, was „öko“ klingt, ist automatisch klimafreundlich. Ein Blick auf die gängigsten Materialien lohnt sich.
Papier und Karton
Der Klassiker – und oft der erste Reflex vieler Betriebe. Tatsächlich sind moderne Verpackungen aus Karton erstaunlich stabil. Entscheidend ist jedoch die Beschichtung: Viele Boxen enthalten noch immer dünne Plastikfilme, die das Recycling erschweren. Empfehlenswert sind Varianten mit wasserbasierten Barrieren, wie sie auch im Beitrag von Tageskarte.io beschrieben werden. Sie sind fettresistent, hitzebeständig und leichter zu entsorgen.
Bagasse – die robuste Naturfaser
Bagasse entsteht als Nebenprodukt der Zuckerrohrverarbeitung. Das Material ist formstabil, hitzefest und industriell kompostierbar. In der Handhabung ähnelt es Hartpappe, fühlt sich aber hochwertiger an. Für Bowls, Burger oder Currys ist Bagasse eine gute Wahl – besonders, wenn ein natürlicher Look gewünscht ist.
Bambus & Holz – mit Vorsicht genießen
Bambus hat ein fantastisches Image, doch nicht jedes Bambusprodukt ist nachhaltig: Gerade bei mehrfarbigen, glatten „Bambusbechern“ steckt häufig Melaminharz dahinter. Bei Hitze kann das problematisch werden, wie verschiedene Behörden regelmäßig betonen. Reine Holz- oder Bambusverpackungen dagegen gelten als unbedenklich, sind aber meistens teurer und eher für Premiumangebote geeignet.
Essbare Verpackungen – die PR-taugliche Nische
Waffelbecher für Coffee-to-go oder Schalen aus Kleie klingen charmant – und sind es auch. Für den Masseneinsatz sind sie allerdings noch zu fragil und zu kostenintensiv. Als Zusatzoption oder Marketing-Gag können sie aber ein echter Hingucker sein.
PLA & Bioplastik – das unterschätzte Problem
Polymilchsäure (PLA) wirkt wie Kunststoff, ist aber kompostierbar – theoretisch. In der Praxis wird PLA in Deutschland häufig verbrannt, weil Kompostieranlagen die zersetzbaren Biokunststoffe kaum verarbeiten. Der ökologische Nutzen bleibt dadurch begrenzt. Wer PLA einsetzt, sollte unbedingt prüfen, ob der lokale Entsorger solche Materialien annimmt.
3. Die Mehrwegpflicht in der Praxis
Die Regeln sind klar – aber im Alltag oft erklärungsbedürftig. Ein kurzer Überblick:
- Betriebe, die Einwegkunststoffverpackungen oder To-go-Becher ausgeben, müssen ein wiederverwendbares Behältnis anbieten.
- Der Preis darf nicht höher sein als beim Einwegprodukt – Pfand ist aber erlaubt.
- Gäste müssen sichtbar darauf hingewiesen werden, etwa über Aushänge oder Hinweise auf der Speisekarte.
- Kleine Betriebe (unter fünf Mitarbeitenden und unter 80 m² Verkaufsfläche) sind von der Bereitstellung eigener Mehrwegbehälter befreit – müssen aber mitgebrachte Gefäße der Gäste befüllen.
Gerade dieser letzte Punkt sorgt für Diskussionen. Ein Mitarbeiter an der Theke muss beurteilen, ob das Gefäß sauber ist und die Befüllung hygienisch möglich ist. Die IHK Nürnberg fasst diese Pflichten in einem hilfreichen Überblick zusammen – inklusive Vorlagen für die Kundenkommunikation.
4. Systemfrage: Pool-Lösung oder Insel-Lösung?
Neben den Einwegalternativen steht die viel wichtigere Frage: Wie organisiere ich ein funktionierendes Mehrwegsystem?
Pool-Systeme: flexibel & niedrigschwellig
Anbieter wie Recup, Vytal oder Relevo arbeiten nach dem Prinzip: Eine Schüssel hier ausleihen, an anderer Stelle zurückgeben. Vorteile:
- Geringe Einstiegskosten
- Hoher Komfort für Gäste
- Kein eigener hoher Bestand nötig
Die Kehrseite sind monatliche Gebühren oder Pay-per-Use-Modelle sowie eine gewisse Abhängigkeit vom Anbieter. Wer viel Laufkundschaft hat, profitiert aber in der Regel enorm vom Netzwerk-Effekt.
Insel-Lösung: eigenes Geschirr, eigener Weg
Viele Restaurants entscheiden sich bewusst für ein eigenes Mehrwegsystem – meist mit Pfand und individuell gestalteten Behältern. Ein Gastronom beschreibt es so: „Wir haben uns für eigene Schalen mit Logo entschieden. Die Kunden bringen sie gerne zurück, weil sie hochwertig sind – das stärkt die Bindung an unser Haus.“
Vorteile:
- volle Kontrolle über Design und Qualität
- kein externer Anbieter, keine Gebühren
- starke Kundenbindung
Nachteile:
- hohe Anfangsinvestition
- Platzbedarf für Lager und Rückgabe
- Gäste müssen zum Rückbringen wiederkommen
Welche Lösung passt, hängt stark vom Standort ab. Ein Café in einer Kleinstadt setzt oft erfolgreicher auf ein eigenes System, während urbane Betriebe von einer großen Pool-Struktur profitieren.
5. Hürden meistern: Hygiene & Handling
Neben Design- und Kostenfragen bleibt ein Dauerbrenner: Hygiene. Das Umweltbundesamt betont in seinem Leitfaden, dass Mehrweg nur dann ökologisch sinnvoll ist, wenn es konsequent genutzt und richtig gereinigt wird.
Drei Punkte sind besonders wichtig:
1. Rücknahme organisieren
Rückgaben sollten direkt an einem festen Punkt erfolgen. „Rein“ und „Unrein“ klar trennen – am besten räumlich. Viele Betriebe nutzen kleine Rücknahme-Stationen, die das Team entlasten.
2. Mitgebrachte Behälter richtig befüllen
Die Sichtprüfung ist Pflicht. Wenn ein Behälter verschmutzt ist, darf er nicht befüllt werden. Außerdem sollten Gästegefäße nicht über die Theke hinweggenommen werden – ein neutrales Tablett dazwischen hilft, den Kontakt zu vermeiden.
3. Spülkapazitäten einplanen
Mehrweg bedeutet: mehr Spülvorgänge, mehr Zeit, mehr Energie. Planen Sie dies in Personal- und Maschinenkapazitäten ein. Viele Betriebe unterschätzen diesen Aufwand zu Beginn – eine realistische Kalkulation bewahrt vor Stress.
Fazit: Verpackung als Botschaft
Wer heute auf nachhaltige Verpackungen und ein funktionierendes Mehrwegsystem setzt, erfüllt nicht nur gesetzliche Vorgaben – er sendet zugleich ein starkes Signal an seine Gäste. Einwegalternativen wie Bagasse oder Karton sind gute Übergangslösungen, doch der echte ökologische Vorteil entsteht erst bei wiederverwendbaren Behältnissen, wie Experten des Umweltbundesamts betonen. Entscheidend ist, dass das System in Ihren Betriebsablauf passt – und dass Ihre Gäste es mittragen.
In den kommenden Jahren wird der Druck auf Einwegverpackungen weiter steigen. Umso wichtiger ist es, jetzt die passende Strategie zu wählen. Wenn Sie frühzeitig testen, kommunizieren und optimieren, sind Sie Ihrer Konkurrenz einen Schritt voraus.
Kurz-Check für Ihren Betrieb
- Habe ich eine klar erkennbare Mehrwegoption – und ist sie preisgleich?
- Ist mein Team geschult im Umgang mit kundeneigenen Behältern?
- Reichen meine Spülkapazitäten für ein Mehrwegsystem aus?
- Passt für mich eher ein Pool-System oder eine „eigene“ Lösung?
- Weiß mein Entsorger, wie ich meine Einwegalternativen korrekt trenne?