1. Der Kulturschock
Stellen Sie sich vor, Sie schlendern durch Bangkok: Die Garküche brutzelt, der Duft von Chili liegt in der Luft – und die Einheimischen zahlen ihr Pad Thai, indem sie einen QR-Code am Stand scannen. Keine Münzen, kein Terminal, kein Warten. Und ein paar Flugstunden weiter, in Tokio oder Shanghai, bringen Roboter mit blinkenden Katzengesichtern dampfend heiße Teller an den Tisch.
Zurück in Deutschland sieht der Alltag oft anders aus: Gäste warten auf die Rechnung, Bargeld spielt noch immer eine Rolle, und der Personalmangel ist tägliches Thema. Genau hier lohnt sich der Blick nach Asien. Denn der technologische Vorsprung basiert dort nicht auf Spieltrieb – sondern auf Notwendigkeit. Besonders Japan kämpft seit Jahren mit einer massiven Überalterung und setzt deshalb stärker auf Automatisierung, um den Gastro-Alltag überhaupt stemmen zu können.
2. Die neuen Kollegen: Serviceroboter
Wer Japan besucht, begegnet ihnen fast zwangsläufig: Servicerobotern, die melodisch summen, freundlich blinzeln und Mahlzeiten präzise an den Tisch navigieren. Was für europäische Gäste wie ein Gimmick wirkt, ist für viele Betriebe längst unverzichtbare Unterstützung.
Die Geräte – bekannt aus Modellen wie „BellaBot“ – übernehmen vor allem das, was Personalkapazitäten bindet: schwere Tabletts tragen, lange Strecken zurücklegen, wiederkehrende Wege abfahren. Für Kinder im Lokal ist es Entertainment, für Erwachsene pragmatische Alltagstechnik. Die Journalistin Shoko Bethke beobachtete etwa, dass Roboter dort sogar als „Ermahner“ taugen – ohne dass Eltern sich beschweren.
Auch in Deutschland sind die ersten Modelle angekommen. Ein Kölner Sushi-Restaurant etwa lässt sich seit einiger Zeit von einem Roboter begleiten. „Der Roboter ist nur eine Ergänzung, kein Ersatz. Er unterstützt uns sehr beim Tragen, macht ein bisschen Show und ist eine Attraktion für die Gäste“, erklärt Mit-Inhaber Jianming Wu im Tagesspiegel-Bericht über Serviceroboter.
Die Vorteile liegen auf der Hand:
- Sie werden nicht müde.
- Sie melden sich nie krank.
- Sie nehmen Mitarbeitenden monotone oder körperlich belastende Wege ab.
Doch Perfektion ist das nicht. Persönliche Gastfreundschaft, individuelle Rückfragen oder das Feinfühlige bei Reklamationen bleiben nach wie vor menschliche Stärken. Genau deshalb sieht die DEHOGA – etwa durch Ingrid Hartges – Roboter nicht als Ersatz, sondern als Begleiter: Der menschliche Kontakt bleibe unverzichtbar.
3. Bezahlen ohne Terminal: Die QR-Revolution
Mindestens ebenso beeindruckend ist der Blick auf die Zahlungsgewohnheiten in Asien. Während in Deutschland noch immer teure Kartenterminals dominieren und manche Gäste Bargeld als sicherste Form empfinden, regeln Thailand, Indien und China das Bezahlen fast vollständig über QR-Codes.
Das Prinzip ist simpel:
Kurzer Scan am Tisch, Betrag bestätigen – fertig.
Keine Hardware-Miete, keine Wartezeit, kein Storno-Chaos. Und das funktioniert auch an Orten, die hierzulande kaum dafür geeignet scheinen würden: Streetfood-Stände, schwimmende Märkte, Nachtmärkte.
Ein paar Beispiele:
- In Thailand unterstützt „Prompt Pay“ digitalisierte Zahlwege flächendeckend.
- In Indien ist das „Unified Payments Interface“ (UPI) so allgegenwärtig, dass 2022 rund 72 Milliarden Echtzeit-Transaktionen darüber liefen – etwa 40 Prozent der weltweiten Echtzeitzahlungen, berichtet das Handelsblatt über Asiens Mobile-Payment-Boom.
- In China sind WeChat Pay und Alipay ohnehin quasi Standard.
Für Gastronomen und Hoteliers ist der größte Vorteil eindeutig: Sie sparen Technik-, Terminal- und Transaktionskosten – und alles läuft in Echtzeit.
4. Next Level: Humanoide & KI
Während Serviceroboter auf Rollen durch die Restaurants gleiten, arbeitet China bereits an der nächsten Generation. In Hangzhou, einem Hotspot der Hightech-Industrie, entwickeln Start-ups wie Unitree humanoide Roboter, die bald sogar Treppen steigen und komplexere Bewegungen ausführen können.
Diese neuen Modelle sind nicht nur mechanisch beeindruckend. Sie werden zunehmend mit lernfähiger KI ausgestattet – etwa von Unternehmen wie Deepseek. Damit reagieren sie nicht nur auf vorgegebene Routen, sondern auf spontane Situationen: Ein Gast steht im Weg? Ein Glas kippt um? Der Roboter soll künftig eigenständig entscheiden und handeln.
Die Vision dahinter beschreibt ein Zeit-Artikel über Chinas Hightech-Branche als „Industrie 4.0 in der Dienstleistung“. Noch ist das Zukunftsmusik für normale Restaurants – doch der Weg dahin ist erkennbar.
5. Realitätscheck DACH: Was kommt zu uns?
Realistisch betrachtet steht der DACH-Raum erst am Anfang dieser Entwicklung. Zwar setzen einige Restaurants – besonders asiatische Konzepte oder große Eventhallen – bereits Serviceroboter ein. Die Anschaffungskosten liegen in Deutschland typischerweise zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Doch viele Betriebe berichten, dass sich die Investition schneller amortisiert als erwartet.
Was uns in den nächsten Jahren wahrscheinlich ins Haus steht:
- Mehr Serviceroboter als „Lastenesel“ im Hintergrund.
- Weniger terminalbasiertes Bezahlen, mehr QR-Codes – zumindest bei jüngeren Zielgruppen.
- Hybrid-Modelle: Menschlicher Service kombiniert mit technischer Unterstützung.
- Eine breitere Akzeptanz digitaler Tools von Reservierung bis Speisekarte.
Ein Treiber dieser Entwicklung ist der akute Fachkräftemangel. Laut Mewa-Blog profitierten bereits 36 Prozent der digitalisierten Betriebe in Deutschland wirtschaftlich von ihren Maßnahmen. Oder wie Wirtschaftsprofessor Valentin Weislämle im Tagesspiegel treffend sagt: „Serviceroboter werden nicht mehr verschwinden. Der Personalmangel ist der Beschleuniger. Ausschlaggebend sind am Ende immer die Kosten.“
Für den Alltag in Restaurants und Hotels bedeutet das: Was heute noch ungewöhnlich wirkt, könnte bald selbstverständlich sein – ähnlich wie digitale Reservierungssysteme, die vor wenigen Jahren ebenfalls skeptisch gesehen wurden.
Fazit / Ausblick
Asiens High-Tech-Gastronomie zeigt eindrucksvoll, wie Digitalisierung nicht nur Effizienz steigert, sondern Betriebe angesichts des Personalmangels entlastet. Serviceroboter, mobile Payments und KI-basierte Systeme sind dort keine Spielereien, sondern etablierte Lösungen. Für den DACH-Markt ist vor allem eines wahrscheinlich: Eine schrittweise, pragmatische Übernahme der Technologien, bei der der Mensch im Service zentral bleibt – und durch smarte Technik unterstützt wird.
In den nächsten Jahren wird sich entscheiden, wie stark sich QR-Zahlungen und Robotik auch hier durchsetzen. Die Betriebe, die jetzt erste Schritte wagen, können früh Erfahrungen sammeln – und damit der Konkurrenz einen wichtigen Schritt voraus sein.
Kurz-Check für Ihren Betrieb
- Könnte ein Serviceroboter monotone Wege übernehmen und Ihr Team entlasten?
- Lohnt sich ein QR-basiertes Bezahlsystem als Ergänzung zu bestehenden Zahlungswegen?
- Haben Sie bereits digitale Tools im Einsatz, die sich sinnvoll erweitern lassen?
- Welche Aufgaben sollten weiterhin unbedingt menschlich bleiben?