Fachkräftemangel kreativ lösen: Warum Quereinsteiger und Ausland-Recruiting jetzt die Chance sind
TL;DR
- Fachkräftemangel kreativ lösen: Warum Quereinsteiger und Ausland-Recruiting jetzt die Chance…
- Die Suche nach Personal wird für viele Gastronomen und Hoteliers zur Dauerbaustelle.
- Klassische Stellenanzeigen bringen kaum noch Bewerbungen - gleichzeitig stehen die Gäste vor…
- Wie also den Betrieb am Laufen halten?
Teaser:
Die Suche nach Personal wird für viele Gastronomen und Hoteliers zur Dauerbaustelle. Klassische Stellenanzeigen bringen kaum noch Bewerbungen – gleichzeitig stehen die Gäste vor der Tür. Wie also den Betrieb am Laufen halten? Der Schlüssel liegt in neuen Wegen: Quereinsteiger, Integrationsprogramme und kluges Recruiting im Ausland.
1. Einleitung: Der Markt hat sich gedreht
Stellen Sie sich vor, Sie hängen eine neue Stellenanzeige an die Küchentür – und es passiert nichts. Keine Anrufe, keine Mails, nicht einmal eine Nachfrage. Für viele Betriebe ist das längst Realität. Der Rückgang qualifizierter Beschäftigter in Hotel- und Gaststättenberufen ist drastisch: Zwischen Juni 2020 und Juni 2021 sank die Zahl um ganze 10,3 Prozent, wie Daten von „Make it in Germany“ zeigen.
Die Pandemie hat die Branche durcheinandergewirbelt, viele Fachkräfte haben sich umorientiert – und kommen nicht zurück. Das Ergebnis: unbesetzte Ausbildungsstellen, verkürzte Öffnungszeiten, zusätzliche Ruhetage. Wenn der klassische Arbeitsmarkt leergefegt ist, müssen neue Ideen her. Und zwar schnell.
2. Mut zum Quereinstieg: Potenzial & Grenzen
In vielen Betrieben zeigt sich: Quereinsteiger können ein echter Glücksgriff sein. Vor allem in Cafés, Bistros oder im schnellen Imbissgeschäft klappt der Einstieg aus anderen Branchen oft reibungslos. Menschen, die vorher im Einzelhandel, in der Pflege oder im Kundenservice gearbeitet haben, bringen wertvolle Soft Skills mit – von Kommunikation bis Stressresistenz.
Doch es gibt auch Grenzen. Besonders im Fine Dining oder in Hotels mit gehobenem Service spielt die klassische Ausbildung weiterhin eine große Rolle. Gleichzeitig bröckelt aber selbst dort die Haltung „Nur mit Abschluss willkommen“. Viele Entscheider stellen mittlerweile pragmatischer ein. Oder wie es ein Gastronom treffend formulierte: „Früher habe ich nur auf das Zeugnis geschaut. Heute stelle ich nach Haltung ein – das Handwerk bringe ich den Leuten dann selbst bei.“
Der wichtigste Erfolgsfaktor lautet: Onboarding. Wer Quereinsteiger ins Team holt, gewinnt nur dann, wenn er Zeit investiert. Eine klare Einarbeitungsphase, verständliche Abläufe, eine Bezugsperson für die ersten Wochen – alles entscheidend, um neue Kolleginnen und Kollegen nicht zu verlieren. Unterstützung, etwa durch die DEHOGA NRW, bietet weitere Anhaltspunkte, wie ein guter Einstieg gelingen kann.
Für die Praxis heißt das: Quereinsteiger können Ihre Personalnot spürbar lindern, wenn Sie ihnen Struktur geben und die nötigen Basics vermitteln.
3. Integration als Chance: Das Modell „Kick-Start“
Ein Blick nach Hessen zeigt, wie erfolgreich Integration funktionieren kann. Das Programm „Kick-Start“ – eine Kooperation der DEHOGA Frankfurt und der Arbeitsagentur – richtet sich an Geflüchtete, Langzeitarbeitslose und Menschen ohne Ausbildung. Ziel ist es, Grundlagen zu vermitteln, die in jedem Gastrobetrieb gebraucht werden: Tisch eindecken, Hygienevorschriften, einfache Serviceabläufe.
Die Schulung dauert zwei bis drei Monate. Anschließend folgt ein Praktikum in einem Betrieb, das oft der Türöffner in eine langfristige Beschäftigung ist. „Der Fachkräftemangel macht den Betrieben das Leben schwer. Es fehlen Mitarbeiter auf allen Ebenen. ‚Kick-Start‘ sei praxisnah und fördere eine tatsächliche Integration in den Arbeitsmarkt“, erklärt Kerstin Junghans von der DEHOGA in einem Bericht der Hessenschau.
Viele Teilnehmer bringen wertvolle Erfahrung mit. Eine Teilnehmerin sagte: „Ich habe 15 Jahre Frühstück in einem Hotel gemacht und will jetzt eine bessere Arbeit finden.“ Genau dieses Potenzial bleibt häufig ungenutzt – weil Qualifizierung fehlt oder Betriebe keine Berührungspunkte zu Integrationsthemen haben.
Finanziert wird die Schulung häufig über Bildungsgutscheine der Arbeitsagentur. Für Sie als Betrieb bedeutet das: geringe Kosten, hoher Nutzen. Ein weiterer Vorteil sind die Praktika. Sie helfen, Hemmschwellen abzubauen und Kandidatinnen und Kandidaten realistisch einzuschätzen – besser als jede Bewerbung auf Papier.
4. Der Blick über die Grenze: Recruiting im Ausland
Wenn der inländische Arbeitsmarkt erschöpft ist, führt kein Weg am Ausland vorbei. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das seit 2020 gilt, hat die Rahmenbedingungen verbessert. Doch die Realität zeigt: Sprachbarrieren, Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen und die Wohnungssuche sind echte Hürden.
Trotzdem bleibt das Ausland für viele die einzige realistische Recruiting-Option. Die Informationsplattform „Make it in Germany“ gibt Unternehmen umfangreiche Hinweise zu rechtlichen Voraussetzungen und praktischen Schritten. Wer diesen Weg geht, sollte es nicht allein versuchen. Spezialisierte Agenturen oder Programme von Verbänden begleiten den Prozess, sorgen für korrekte Unterlagen und helfen bei Behördengängen.
In der Praxis haben besonders Hotels mit internationalem Publikum gute Erfahrungen gesammelt – weil Mitarbeitende aus dem Ausland oft mehrsprachig sind und gut ins Team passen. Wichtig ist jedoch eine realistische Erwartungshaltung: Vom Visumantrag bis zur ersten Schicht vergehen oft mehrere Monate.
5. Hilfe holen: Wer unterstützt den Betrieb?
Viele Gastronomen wissen gar nicht, welche Unterstützung sie nutzen könnten. Der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit etwa verspricht eine Reaktion innerhalb von 48 Stunden – eine wertvolle Abkürzung im Recruiting-Dschungel. Die Leistungen reichen von Vermittlung über Fördergelder bis hin zur Übernahme von Weiterbildungskosten.
Gerade wenn Sie Quereinsteiger integrieren möchten, stehen zahlreiche Instrumente bereit: Eingliederungszuschüsse, Teilzeitmodelle oder Unterstützung bei Qualifizierungen. Die DEHOGA NRW fasst viele dieser Angebote praxisnah zusammen – ein Blick in die Übersicht lohnt sich.
Doch auch der eigene Betrieb muss attraktiv sein. Flexible Arbeitszeiten, faire Dienstplanung, Benefits wie Jobtickets oder Mitarbeiteressen können den Ausschlag geben. Für Quereinsteiger ist oft klar: Sie kommen, wenn das Gesamtpaket stimmt.
Fazit: Einstellung vor Ausbildung
Die Gastronomie steht am Scheideweg – und das nicht erst seit gestern. Der Fachkräftemangel ist Realität, aber es gibt wirkungsvolle Strategien, um gegenzusteuern. Quereinsteiger, Integrationsprogramme und Mitarbeitende aus dem Ausland werden in den kommenden Jahren entscheidend sein, um die Branche zu stabilisieren.
Wichtig bleibt: Wer neue Wege gehen will, braucht Offenheit, klare Prozesse und ein Team, das mitzieht. Wenn Sie jetzt Strukturen schaffen, die Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen willkommen heißen, sind Sie Ihrer Konkurrenz einen Schritt voraus.
Kurz-Check für Ihren Betrieb
- Haben Sie eine klare Einarbeitungsstruktur für Quereinsteiger?
- Nutzen Sie Fördermöglichkeiten der Agentur für Arbeit?
- Ist Ihr Betrieb offen für Integrations- oder Qualifizierungsprogramme?
- Haben Sie geprüft, ob Auslands-Recruiting für einzelne Positionen sinnvoll wäre?
Wenn Sie einige dieser Fragen mit „Ja“ beantworten können, haben Sie bereits einen starken Vorsprung im Kampf gegen den Personalmangel.