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Dirty Soda: Wie der TikTok-Trend zum Margen-Booster in der Gastro wird

Ein Softdrink, ein Sirup, ein Schuss Sahne – und plötzlich wird aus einer simplen Cola ein viraler Umsatztreiber. Dirty Soda ist längst mehr als ein TikTok-Gag. Der Trend trifft den Nerv der Gen Z und liefert Gastronomen eine Chance, mit minimalem Aufwand neue Erlöse zu erzielen. Zeit, das „Schmutzige“ einmal ganz sauber durchzurechnen.

Dirty Soda: Wie der TikTok-Trend zum Margen-Booster in der Gastro wird

TL;DR

Teaser:

Ein Softdrink, ein Sirup, ein Schuss Sahne – und plötzlich wird aus einer simplen Cola ein viraler Umsatztreiber. Dirty Soda ist längst mehr als ein TikTok-Gag. Der Trend trifft den Nerv der Gen Z und liefert Gastronomen eine Chance, mit minimalem Aufwand neue Erlöse zu erzielen. Zeit, das „Schmutzige“ einmal ganz sauber durchzurechnen.

1. Was ist „Dirty Soda“ eigentlich?

Stellen Sie sich vor, ein Gast bestellt eine Cola – und Sie verwandeln sie in Sekunden in einen cremigen, farblich leicht wolkigen Signature Drink. Genau das macht Dirty Soda aus. Die Mischung basiert meist auf klassischen Softdrinks wie Cola, Root Beer oder Zitronenlimonade, die mit Sirupen – etwa Vanille, Kokos oder Pfirsich – sowie einem Schuss Sahne oder Coconut Cream verfeinert werden.

Seinen Ursprung hat der Trend in Utah, wo die mormonische Kultur traditionell auf Alkohol und heißes Koffein verzichtet – veredelte Softdrinks boten hier eine willkommene Alternative. Das „Dirty“ im Namen bezieht sich schlicht auf das trübe, milchige Erscheinungsbild, das entsteht, wenn Sahne in die Limo läuft.

International Aufmerksamkeit bekam der Drink dann über TikTok, befeuert von Hashtags wie #dirtysoda sowie Celebrities wie Olivia Rodrigo. Was als regionale Besonderheit begann, hat sich nun zu einem globalen Gastronomiephänomen entwickelt.

2. Warum Gen Z diesen Trend liebt

Der Erfolg von Dirty Soda lässt sich leicht erklären, wenn man die Bedürfnisse junger Gäste betrachtet. Die sogenannte „Treat Culture“ – der kleine Luxus für zwischendurch – spielt dabei eine zentrale Rolle. Ein fünf- oder sechs Euro teurer Drink gilt als leistbare Belohnung, ohne das Budget zu sprengen.

Gleichzeitig sinkt der Alkoholkonsum in der Gen Z seit Jahren. Viele sind „sober curious“, wollen bewusst verzichten, aber dennoch etwas Besonderes trinken. Dirty Soda füllt genau diese Lücke: aufregender als Wasser, unkomplizierter als ein Mocktail.

Ein weiterer Faktor: die Lust am Customizing. Junge Gäste wollen Drinks, die „genau so“ gemixt werden, wie sie es sich vorstellen. Sirup nach Wahl, Beeren als Topping, extra Sahne oder lieber Kokosmilch – Dirty Soda ist dafür das perfekte Spielfeld.

Daten untermauern das: Laut Innova Market Insights interagieren 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen aus der Gen Z und den Millennials mit Dirty-Soda-Content auf Social Media. Für ältere Generationen bleibt es dagegen oft ein Randphänomen. Oder wie es ein Analyst sinngemäß formulierte: „Für Boomer kaum sichtbar, für die Gen Z ein Lifestyle.“

3. Der Business-Case: Marge & Operations

Der größte Charme von Dirty Soda aus betriebswirtschaftlicher Perspektive? Sie brauchen weder neue Technik noch zusätzliche Fachkräfte. Die Zubereitung ist buchstäblich ein „Dump and stir“.

Wareneinsatz: äußerst gering.

Softdrink aus der Flasche oder dem Postmix, ein Spritzer Sirup, ein bisschen Sahne – das kostet nur wenige Cent. Gleichzeitig sind Gäste bereit, für die „Veredelung“ deutlich mehr zu bezahlen. Das Ergebnis: eine Marge, die sich sehen lassen kann.

Interessant ist auch die Geschwindigkeit. Dirty Soda ist ein Produkt, das das Personal sofort bedienen kann – ideal für Nachmittagszeiten, in denen Gäste etwas „Besonderes, aber nicht Alkoholisches“ wollen. Oder wie es ein Gastronom treffend zusammenfasste: „Für uns ist das der perfekte Nachmittags-Umsatzbringer.“

Upselling funktioniert ebenfalls hervorragend. Ein normaler Softdrink ist schnell bestellt. Ein „Signature Soda“ hingegen klingt nach Erlebnis – und rechtfertigt den Aufpreis. Wer bereits Sirupe für Kaffeegetränke im Einsatz hat, kann diese einfach weiterverwenden. Zusätzliche Investitionen? Nahe Null.

4. Big Player machen es vor

Wenn Branchenriesen aufspringen, lohnt der genauere Blick. Auf der National Restaurant Association Show 2025 war Dirty Soda eines der prägenden Themen – ein untrügliches Zeichen für Relevanz.

PepsiCo hat mit seinem Pop-up-Konzept „Drips by Pepsi“ sogar ein eigenes Format gestartet. Die Idee: Pepsi-Varianten, die mit Aromen wie S’mores veredelt werden. Senior Marketing Director Justin Schwarz bringt das Konzept so auf den Punkt: „Die Idee ist es, den ‚Craft‘- oder ‚Dirty Soda‘-Trend aufzugreifen, bei dem Markengetränke mit Sirupen, Mix-ins und anderen Aromen individualisiert werden.“

Mehr dazu im Artikel „Beverage giants Pepsi and Coke wade into the ‘dirty soda’ movement“ auf Restaurant Business Online.

Auch Coca-Cola experimentiert mit Mixology-Ansätzen, zum Beispiel mit Fanta Cream Soda Variationen. Und in den USA boomen spezialisierte Dirty-Soda-Ketten wie Swig oder Sodalicious, deren Umsätze laut Technomic im vergangenen Jahr um fast 50 Prozent gestiegen sind.

Dass 5 der 12 am schnellsten wachsenden Restaurantketten in den USA getränkefokussierte Konzepte sind, passt ebenfalls ins Bild. Wer sich mit dem Trend beschäftigt, merkt: Getränke sind längst wieder eine Wachstumsstory.

5. Umsetzung in der DACH-Gastro

Die gute Nachricht: Dirty Soda funktioniert auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz – und zwar ohne US-spezifische Zutaten wie künstliche Coffee Creamer. In hiesigen Betrieben kommen echte Sahne, Kokosmilch oder pflanzliche Alternativen erfahrungsgemäß besser an.

Einige einfache, sofort umsetzbare Ideen:

Wichtig ist die Präsentation: viel Eis, ein ansprechendes Glas (Highball, Mason Jar), und der typische Schlieren-Effekt, wenn Sahne langsam in die Limo läuft. Das macht den Drink „instagrammable“ – ein wichtiger Trigger für User Generated Content.

Für die Platzierung auf der Karte empfiehlt sich eine eigene Rubrik, zum Beispiel „Signature Sodas“ oder „Soda Shop“. Wenn Dirty Sodas einfach unter „Softdrinks“ verschwinden, verlieren sie ihre Besonderheit. Auch To-go-Varianten funktionieren gut, besonders in urbanen Lagen oder bei junger Zielgruppe.

6. Fazit & Ausblick

Dirty Soda ist ein Trend mit Substanz. Er vereint hohe Marge, einfache Zubereitung und starke Social-Media-Effekte – eine seltene Kombination. Für Gastronomen ist das eine Chance, mit wenig Aufwand neue Gästegruppen anzusprechen und den Durchschnittsbon zu erhöhen.

Ob der Trend dauerhaft bleibt? Vieles spricht dafür. Der alkoholfreie Lifestyle wird stärker, visuelle Drinks funktionieren weiterhin hervorragend online, und das Bedürfnis nach kleinen, leistbaren Belohnungen ist ungebrochen.

Wer jetzt experimentiert, hat einen strategischen Vorteil. Wenn Sie die Karte frühzeitig „ein bisschen schmutzig“ machen, sind Sie Ihrer Konkurrenz einen Schritt voraus.

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