Freitag, 16. Januar 2026 GastroNews – Magazin für Profis
Nachhaltigkeit

Energiekosten senken: Sofortmaßnahmen und Investitionen für die Gastronomie

Energie ist für viele Betriebe längst zum schmerzhaften Kostenfaktor geworden – und gleichzeitig zu einem zentralen Hebel für mehr Nachhaltigkeit. Die gute Nachricht: Schon kleine Veränderungen im Alltag bringen spürbare Entlastung. Und mit den richtigen Investitionen wird Energieeffizienz zum echten Wettbewerbsvorteil.

1. Der unsichtbare Gewinnfresser

Stellen Sie sich vor, es ist ein ganz normaler Abendservice. Die Küche läuft auf Hochtouren, im Gastraum brennt warmes Licht, die Lüftung brummt – und parallel dazu verbrennt Ihr Betrieb im Hintergrund bares Geld. Denn nach Wareneinsatz und Personal gehört Energie mittlerweile zu den größten Kostenblöcken der Gastronomie.

Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit zunehmend zum Buchungskriterium: Gäste achten darauf, wie ressourcenschonend ein Betrieb arbeitet, und gesetzliche Vorgaben wie CO₂-Bepreisung oder ESG-Kriterien setzen zusätzliche Anreize.

Die entscheidende Botschaft: Energieeffizienz ist kein „nice to have“, sondern ein echter Margen-Hebel. Und sie funktioniert nicht über Verbote, sondern über eine kluge Effizienzkultur. Das beginnt mit Transparenz – und endet bei Investitionen, die sich oft schneller amortisieren, als viele denken.

2. Bestandsaufnahme: Wissen, wo der Strom fließt

Bevor Maßnahmen greifen können, braucht es Klarheit: Wo entstehen eigentlich die größten Verbräuche? Oder anders gesagt: Man kann nur managen, was man misst.

Ein Energie-Monitoring – ob über smarte Messsteckdosen, Zähler-Splits oder professionelle Lösungen – hilft Ihnen, den Verbrauch einzelner Bereiche sichtbar zu machen. Besonders wichtig dabei: Lastspitzen. Sie entstehen, wenn Geräte gleichzeitig volle Leistung ziehen, etwa wenn Kühltechnik, Lüftung und Spülmaschine parallel anlaufen. Solche Spitzen können sich auf den Leistungspreis Ihrer Stromrechnung auswirken und damit teuer werden.

Die Daten zeigen, wo die Reise hingeht: Laut einer Auswertung des NAHGAST-Projekts entfallen in Großküchen rund 26 Prozent des Stromverbrauchs auf Kühlung und 25 Prozent auf Lüftung. Genau hier steckt also das größte Einsparpotenzial.

Was in der Praxis heißt: Lernen Sie Ihre Verbraucher kennen – und fragen Sie sich, ob jede Maschine wirklich immer laufen muss, wann sie Strom zieht und ob Prozesse besser getaktet werden können.

3. Quick Wins: Sofortmaßnahmen ohne Investition

Das Schönste zuerst: Viele Einsparungen kosten keinen Cent. Laut der Energiekampagne Gastgewerbe bringen organisatorische Maßnahmen allein bis zu 10 Prozent Ersparnis.

Küche: kleine Handgriffe, große Wirkung

In der Hektik des Alltags gehen einfache Maßnahmen oft unter. Dabei sind sie echte Effizienzbooster:

Ein Küchenchef formulierte es kürzlich treffend: „Früher lief der Herd den ganzen Tag durch. Heute schalten wir Induktionsfelder nur an, wenn der Topf draufsteht. Das merkt man nicht nur an der Rechnung, sondern auch am angenehmeren Raumklima.“

Geräte-Management: Standby kostet

Viele „stille Verbraucher“ fallen erst auf, wenn man explizit darauf achtet:

Team sensibilisieren

Technik kann viel – aber nicht alles. Wenn das Kühlhaus ständig offen steht oder die Lüftung auf 100 Prozent läuft, obwohl die Küche gerade ruht, verpuffen viele Maßnahmen. Klare Regeln und kurze Schulungen zahlen sich schnell aus.

4. Die Großverbraucher zähmen: Kälte & Lüftung

Kältetechnik: der große Durst

Kälteanlagen laufen rund um die Uhr – und schlucken deshalb besonders viel Strom. Die wichtigsten Stellschrauben:

1 Temperatur:

Ein Grad höhere Kühltemperatur spart rund 4 Prozent Energie (Quelle: Umweltpakt Bayern). Viele Betriebe kühlen deutlich tiefer, als nötig.

Für Tiefkühlung reichen –18 °C völlig aus – alles darunter ist teuer, ohne Lebensmittelsicherheit zu verbessern.

2 Standort:

Kühlschränke gehören nicht neben Herd, Spülmaschine oder in die pralle Sonne. Jeder zusätzliche Wärmeimpuls lässt die Anlage länger laufen.

3 Abtauen:

Vereiste Verdampferflächen isolieren und erhöhen massiv den Verbrauch. Regelmäßiges Abtauen ist Pflicht.

Lüftung: nicht immer Vollgas

Moderne Lüftungsanlagen ermöglichen eine bedarfsgerechte Steuerung. Präsenz- oder Temperatur-Sensoren verhindern, dass die Anlage auch dann auf 100 Prozent läuft, wenn in der Küche gerade ein ruhiger Moment ist.

Dazu kommt: Verstopfte Filter erhöhen den Luftwiderstand – und damit den Strombedarf. Regelmäßige Reinigung und Wartung reduziert den Verbrauch deutlich und verbessert gleichzeitig das Raumklima für Ihr Team.

5. Investitionen, die sich rechnen

Ab einem bestimmten Punkt stoßen organisatorische Maßnahmen an Grenzen. Dann kommen Investitionen ins Spiel – und viele amortisieren sich schneller als erwartet.

LED-Beleuchtung

Die Umstellung auf LED spart bis zu 80 Prozent der bisherigen Beleuchtungskosten. Besonders dort, wo das Licht lange brennt – Lobby, Gastraum, Flure, Küche – zahlt sich der Wechsel schnell aus.

Tipps und konkrete Berechnungen liefert die Energiekampagne Gastgewerbe, die zahlreiche Leitfäden bereitstellt:

Leitfäden & Checklisten der Energiekampagne Gastgewerbe

Wärmerückgewinnung

Viele moderne Kälteanlagen oder Spülmaschinen bieten die Möglichkeit, ihre Abwärme zu nutzen – etwa zum Vorwärmen von Brauchwasser. Das reduziert Heizenergiebedarf und macht unabhängiger von Gas- oder Ölpreisen.

Ein Hotelier schilderte dazu: „Die Investition in die Wärmerückgewinnung unserer Kühlanlagen hat sich in weniger als drei Jahren amortisiert. Jetzt heizen wir unser Brauchwasser quasi umsonst.“

Moderne Küchentechnik

Induktion statt Gas oder Ceran bietet zwei Vorteile:

Auch Kombidämpfer mit Eco- oder Automatikmodus können signifikante Einsparungen erzielen, gerade in Betrieben mit hoher Frequenz.

Gebäudehülle

Nicht immer im Fokus, aber oft lohnend:

Je nach Gebäudezustand können diese Maßnahmen sowohl den Heiz- als auch den Kühlbedarf reduzieren.

6. Fördermittel & Fazit

Energieeffizienz-Investitionen sind in vielen Fällen förderfähig – und das in allen DACH-Ländern.

Deutschland

Eine gute Übersicht bietet die Förderdatenbank des Bundes (Suchbegriff: „Förderdatenbank Energieeffizienz“).

Österreich

Eine vertiefende Orientierung bietet der Energiemanagement-Leitfaden des BMWA:

BMWA-Leitfaden für Energiemanagement

Wichtig: Förderprogramme ändern sich schnell. Prüfen Sie daher immer den aktuellen Status und halten Sie Rücksprache mit Beratern oder Kammern.

Fazit

Energieeffizienz ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Die größten Hebel liegen in den „stillen Verbrauchern“ – Kühlung und Lüftung. Doch bereits einfache organisatorische Maßnahmen sparen sofort Geld, ganz ohne Investition.

Wer zusätzlich in LED, moderne Küchentechnik oder Wärmerückgewinnung investiert, stärkt nicht nur die eigene Marge, sondern auch die Umweltbilanz.

Wenn Sie jetzt anfangen, Ihre größten Verbraucher zu identifizieren und ein paar der Quick Wins umzusetzen, sind Sie vielen Wettbewerbern bereits einen Schritt voraus.

Kurz-Check für Ihren Betrieb

Wenn Sie hier zwei oder mehr Fragen mit „Nein“ beantworten – dann schlummert in Ihrem Betrieb noch ordentlich Sparpotenzial. Viel Erfolg beim Energiesparen!

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