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Destination Dining: Wie Abu Dhabi die Welt anlockt – und was DACH-Hoteliers lernen können

Die Vergabe der „The World’s 50 Best Restaurants 2026“ nach Abu Dhabi zeigt: Kulinarik ist längst mehr als ein Genuss – sie ist ein Wirtschaftsargument. Für Hotels und Gastronomen im DACH-Raum eröffnen sich neue Chancen, wenn sie Speisen und Übernachten strategisch zusammendenken. Denn immer öfter reisen Gäste mit einem klaren Motiv: essen, erleben, genießen.

Destination Dining: Wie Abu Dhabi die Welt anlockt – und was DACH-Hoteliers lernen können

TL;DR

Teaser:

Die Vergabe der „The World’s 50 Best Restaurants 2026“ nach Abu Dhabi zeigt: Kulinarik ist längst mehr als ein Genuss – sie ist ein Wirtschaftsargument. Für Hotels und Gastronomen im DACH-Raum eröffnen sich neue Chancen, wenn sie Speisen und Übernachten strategisch zusammendenken. Denn immer öfter reisen Gäste mit einem klaren Motiv: essen, erleben, genießen.

1. Der neue Hotspot der Welt

Stellen Sie sich eine Stadt vor, die sich nicht über Strände, Skyline oder Shopping definiert, sondern über Teller, Töpfe und Tasting-Menüs. Genau das passiert in Abu Dhabi. Die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate holt im November 2026 die prestigeträchtigen „The World’s 50 Best Restaurants“ ins Land – ein Event, das oft als „Oscars der Gastronomie“ bezeichnet wird und mit Sponsoren wie S.Pellegrino und Acqua Panna global strahlt.

Für viele Touristiker ist diese Entscheidung ein Meilenstein. Wer die „50 Best“ ausrichtet, sendet ein klares Signal: Wir sind eine internationale Genussdestination. Craig Hawtin-Butcher, Geschäftsführer der „50 Best“, erklärt dazu: „Die reiche Geschichte der Stadt hat eine dynamische Gastronomieszene geprägt, die sowohl traditionelle Werte als auch internationale Spitzenküche zelebriert.“

Für Hotels bedeutet das: Kulinarik wird zum Reismotiv, und wer diese Dynamik versteht, erschließt neue Zielgruppen – insbesondere jene, die bereit sind, mehr für einzigartige Erlebnisse auszugeben. Doch was genau steckt hinter diesem Trend?

2. Was ist „Destination Dining“?

Destination Dining beschreibt ein bemerkenswertes Phänomen: Menschen buchen nicht mehr irgendein Restaurant im Urlaub – sie buchen den Urlaub rund um ein Restaurant. Ob es ein ikonisches Haus in einer europäischen Hauptstadt oder ein weit abgelegenes, hochdekoriertes Lokal ist: Das kulinarische Erlebnis ist der primäre Grund für die Reise.

Bekannte Beispiele aus der Branche zeigen das schon lange – etwa Spitzenrestaurants in Kopenhagen oder Wien, die Besucher aus aller Welt anziehen. Doch der Trend verschiebt sich vom Einzelfall zur breiten Entwicklung: Die World Food Travel Association sieht Kulinarik als am schnellsten wachsendes Segment im Luxusreisemarkt.

Zu den zentralen Zielgruppen gehören:

Und genau hier wird es interessant: Wenn das Restaurant der Star ist, wird das Hotel zur Bühne. Das passende Übernachtungserlebnis wird nicht mehr zufällig gewählt, sondern strategisch – Komfort, Concierge-Kompetenz und Nähe zum Restaurant zählen mehr als je zuvor.

Ein Schweizer Hotelier bringt es treffend auf den Punkt: „Früher fragten Gäste nach dem Weg zum Museum. Heute fragen sie bei der Buchung, ob wir ihnen einen Tisch im angesagtesten Restaurant der Stadt besorgen können. Das ist die neue Währung im Concierge-Service.“

3. Strategie am Golf: Tourismus durch den Magen

Wie schafft eine Stadt es, sich global als Food-Hotspot zu etablieren? Abu Dhabi zeigt es in beeindruckendem Tempo. Vor nur wenigen Jahren kaum auf kulinarischen Landkarten verzeichnet, präsentiert die Stadt inzwischen einen Michelin Guide mit 56 Restaurants – darunter drei Sterne-Häuser und zahlreiche Bib-Gourmand-Adressen. Die Ausgabe 2026 ist bereits die vierte und bestätigt eine erstaunliche Dynamik: elf neue Einträge allein seit dem Vorjahr.

Diese Entwicklung kommt nicht zufällig. Das Department of Culture and Tourism hat eine klare Strategie:

Die Vielfalt der Szene reicht von lokaler Khaleeji-Küche bis zu internationalen Imports wie Hakkasan oder Talea. Gwendal Poullennec vom Michelin Guide formuliert es so: „Abu Dhabi ist heute nicht nur politische und kulturelle Hauptstadt, sondern eine Food Destination, für die sich eine eigene Reise lohnt.“

Aus wirtschaftlicher Sicht ist das ein cleverer Move: weg vom reinen Öl- und Business-Image, hin zu Lifestyle und Genuss. Kulinarik wird damit zum Investment – eines, das sich messbar auszahlt.

4. Der Transfer: Lektionen für DACH

Muss man nun Milliarden investieren, um eine Destination aufzubauen? Keineswegs. Der DACH-Raum hat bereits enorme Substanz – von Top-Restaurants über regionale Küchenstile bis hin zu starken Genussmarken. Was häufig fehlt, ist die gemeinsame Vermarktung.

Es gibt viele Beispiele, wie Hotels bereits profitieren können: Ein Haus im Schwarzwald, das in der Nähe der Traube Tonbach liegt, gewinnt Gäste, die eigentlich wegen des Restaurants anreisen – aber lieber woanders übernachten, weil dort das Wellness-Angebot größer, das Design moderner oder der Preis attraktiver ist. Das Restaurant zieht, das Hotel profitiert.

Doch dieses Potenzial ist längst nicht überall ausgeschöpft. Gerade kleinere Häuser oder Boutique-Hotels könnten sich stärker als Enabler positionieren: Gastgeber, die den Zugang zu Spitzenküche ermöglichen – mit Wissen, Service und Partnerschaften.

Auch Food-Festivals zeigen, was möglich ist. Veranstaltungen wie das Rheingau Gourmet Festival oder das Wachau Gourmet Festival bringen Jahr für Jahr Gäste in die Region – oft mit deutlichem Effekt auf Hotelauslastung und Nebenkonsum. Überregional vermarktete Events funktionieren also auch im deutschsprachigen Raum – nur wird die Strahlkraft selten gebündelt.

Die entscheidende Frage lautet: Wie wird aus guter Gastronomie ein Standortfaktor?

5. Praxis-Tipps für Hoteliers

Wie lässt sich der Trend im eigenen Betrieb nutzen? Einige Maßnahmen bringen sofort Wirkung – unabhängig davon, ob Sie ein eigenes Fine-Dining-Restaurant haben oder nicht.

1. Dine-&-Sleep-Packages

Stellen Sie Pakete zusammen, die eine Übernachtung mit einem Menü in einem Partner-Restaurant verbinden. Solche Angebote helfen beiden Betrieben: Restaurants füllen schwächere Wochentage, Hotels steigern ihre Auslastung.

2. Concierge-Power

Ein garantierter Tisch in einem gefragten Restaurant kann zu einem echten USP werden. Arbeiten Sie mit Gastronomen in Ihrer Region zusammen und sichern Sie bevorzugte Kontingente für Ihre Gäste.

3. Mobilität erleichtern

Ein Shuttle-Service zum Restaurant ist ein kleines Detail, aber ein großer Komfortfaktor – besonders, wenn Weinbegleitung im Spiel ist. Sicherheit, Komfort und ein rundes Erlebnis zählen.

4. Kulinarischen Guide kuratieren

Präsentieren Sie auf Ihrer Website nicht nur die eigene Küche, sondern die kulinarische Vielfalt der Region. Ein digitaler oder gedruckter „Gourmet-Guide“ schafft Inspiration und zeigt Kompetenz.

5. Kooperationen ausbauen

Regelmäßige gemeinsame Events – etwa Pop-ups, Gastkoch-Abende oder saisonale Specials – stärken das Netzwerk und vergrößern die mediale Sichtbarkeit.

Wie Letsy Vatanirappel von Evaneos sagt: „Wie könnte man besser in eine fremde Kultur eintauchen als über neue Aromen und unbekannte Gerichte?“ Dies gilt besonders für Gäste, die mehr suchen als ein Standardprogramm.

Fazit & Ausblick

Kulinarik wird zum entscheidenden Faktor in der Reisemotivation – und damit zu einem strategischen Werkzeug für Hoteliers. Abu Dhabi zeigt, wie stark der Hebel sein kann, wenn eine Destination ihre Gastronomie konsequent in Szene setzt. Im DACH-Raum gibt es bereits alle Zutaten: Spitzenküche, authentische regionale Produkte und anspruchsvolle Gäste.

Jetzt geht es darum, diese Stärken zu bündeln, sichtbar zu machen und aktiv in Erlebnisse zu verwandeln. Wer heute in Kooperationen investiert, profitiert morgen von neuen Gästegruppen – und hebt sich im umkämpften Markt deutlich ab.

Wenn Sie jetzt beginnen, das Thema Genussreisen strategisch zu denken, sind Sie Ihrer Konkurrenz einen entscheidenden Schritt voraus.

Kurz-Check für Ihren Betrieb

So wird aus guter Küche ein gutes Geschäft – und aus Ihrem Hotel eine echte Genussadresse.

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