1. Was ist eigentlich ein Bar-Takeover?
Stellen Sie sich vor: Sie kommen an einem Dienstagabend in Ihre Bar – aber irgendwie fühlt sich alles anders an. Der Barkeeper hinter dem Tresen ist nicht Ihr Stammpersonal, die Cocktailkarte sieht neu aus, und auch die Musik hat plötzlich ein anderes Tempo. Willkommen beim Bar-Takeover.
Ein „Guest Shift“ bedeutet, dass ein externer Barkeeper oder ein Team für einen Abend die Station übernimmt. Beim vollwertigen „Takeover“ kommt häufig noch das komplette Branding der Gast-Bar dazu: von der Deko bis hin zum Sound. In der internationalen Szene, etwa im Umfeld der World’s 50 Best Bars, ist das längst gängige Praxis. Jetzt schwappt der Trend in die breite Gastronomie – und damit in genau jene Betriebe, die neue Impulse oder frisches Publikum suchen.
Ein Bar-Manager bringt es treffend auf den Punkt: „Ein Guest Shift ist wie ein Konzert: Der Barkeeper ist der Rockstar, die Drinks sind die Hits. Für einen Abend verändern wir die komplette Energie im Raum.“
2. Warum sich der Aufwand lohnt
Warum also einen Abend lang die Bar aus der Hand geben? Die Gründe sind vielfältig – und äußerst attraktiv.
Erstens: Marketing-Effekt und Cross-Promotion.
Viele Gast-Barkeeper bringen ihre eigene Community mit – ob per Social Media oder schlicht durch Fans, die ihre Drinks lieben. Ein gemeinsames Visual, ein kurzer Teaser und die Reichweite verdoppelt sich fast automatisch. Die FOMO („Fear of Missing Out“) tut ihr Übriges: Ein Event, das nur einmal stattfindet, ist für viele Gäste besonders reizvoll.
Zweitens: Wissenstransfer und Mitarbeiterschulung.
Ihr Team kann den Profis direkt über die Schulter schauen. Neue Techniken, neue Zutaten, ein anderer Workflow – all das wirkt oft motivierender als jeder interne Schulungstag. Gerade in Zeiten, in denen Personalbindung ein Dauerthema ist, kann so ein Abend Wunder wirken.
Drittens: Image und Positionierung.
Mit einem Takeover senden Sie eine klare Botschaft: „Wir holen London nach Wien“ – oder zumindest den Spirit davon. Das zeigt Innovationsgeist und verankert Ihren Betrieb stärker in der Szene.
Nicht zu vergessen: Umsatzsteigerung.
Ein sonst ruhiger Dienstag kann sich plötzlich nach Samstagabend anfühlen. Events dieser Art füllen nicht nur die Plätze, sie erhöhen häufig auch den Durchschnittsbon – ein Effekt, der sich in vielen Betrieben bestätigt.
3. Organisation: Von der Idee zum Drink
Ein guter Takeover beginnt nicht an der Bar, sondern auf dem Telefon. Meist mit einem Anruf beim Wunschgast – oder bei einem passenden Industriepartner.
Finanzierung und Sponsoring
Spirituosenmarken oder Brand Ambassadors übernehmen oft Reisekosten oder stellen die Hauptspirituosen zur Verfügung. Für Marken ist das attraktiv, denn sie bringen ihre Produkte direkt an die Endgäste – „in perfekter Qualität“, wie es ein Branchenvertreter formuliert. Für Sie reduziert das die Kosten und das Risiko erheblich. Wichtig: Klären Sie früh, ob die Partnerschaft an Marken-Exklusivität für den Abend gebunden ist.
Menüplanung und Mise en Place
Die meisten Gast-Barkeeper arbeiten mit einem stark reduzierten Menü – etwa 4 bis 6 Signature Drinks. Das sorgt für Geschwindigkeit und gleichbleibende Qualität. Das Gast-Team schickt normalerweise eine Mise-en-Place-Liste vorab: Sirupe, Säfte oder Deko bereitet Ihr Team, wenn gewünscht, schon am Vortag vor.
Kalkulation nicht vergessen
Auch wenn die Hauptspirituose gesponsert wird, bleiben Kosten für Filler, Deko oder Eis. Achten Sie auf Ihren Pour Cost – idealerweise liegt er im Cocktailbereich zwischen 18 und 24 Prozent, wie auch das Franchiseportal in seinen Ratgebern empfiehlt. Gleichzeitig darf ein Event ruhig etwas „opulenter“ kalkuliert sein, vor allem wenn die Marge durch Sponsoring steigt.
Logistik und Rechtliches
Wenn Sie internationale Gäste buchen, prüfen Sie kurz die arbeitsrechtliche Lage. Bei EU-Gästen ist das unkompliziert, bei Barkeepern aus Nicht-EU-Ländern braucht es manchmal ein spezielles Visum – oder der Auftritt läuft als Promotion-Event des Markenpartners.
4. Auch ohne High-End-Bar: Lösungen für Restaurants
Nicht jeder Betrieb hat eine große Bar – viele Restaurants arbeiten primär mit Wein- und Bierfokus. Gute Nachrichten: Ein Takeover funktioniert trotzdem.
Kooperation mit lokalen Produzenten
Sie müssen nicht den Star-Mixologen aus Übersee einfliegen. Eine regionale Destillerie oder Brauerei kann ebenfalls für ein spannendes Pop-up sorgen. Laut Franchiseportal sind solche lokalen Partnerschaften ein bewährter Weg, ohne große Investitionen ein besonderes Event zu schaffen.
Mobile Bar-Profis engagieren
Dienstleister wie Bar-Profis.de oder Trinkbares-Cocktail.de bieten Barkeeper zum Mieten – samt Equipment und Menüplanung. Ein Restaurantbetreiber berichtet dazu sinngemäß: „Wir haben einfach eine mobile Bar für den Abend gemietet. Unsere Gäste waren begeistert, mal etwas anderes als Wein zum Menü zu bekommen.“
Food & Drink Pairings
Eine besonders attraktive Variante für Restaurants: Sie liefern das Menü, ein Gast-Barkeeper sorgt für die passende Begleitung. Das schafft ein Rundum-Erlebnis, ohne dass Sie plötzlich den Fokus von der Küche auf die Bar verlagern müssen.
5. Marketing: Die Hütte vollbekommen
Ein Takeover lebt von der Geschichte, die Sie erzählen. Darum sollte das Marketing früh beginnen – idealerweise vier bis sechs Wochen vorher.
Social Media & Visuals
Erstellen Sie ein gemeinsames Visual mit dem Gast-Bartender. Je klarer das Thema kommuniziert wird, desto eher zünden Reels, Stories oder Posts.
WhatsApp-Broadcasts
Gerade bei Stammgästen lohnt der direkte Kontakt. Das Franchiseportal verweist darauf, wie wirksam personalisierte Broadcasts im Eventmarketing sein können – einfacher und schneller geht es kaum.
Storytelling
Was macht Ihr Event besonders? Vielleicht bringen Sie „für einen Abend das Flair einer Großstadtbar“ in Ihren Betrieb. Nutzen Sie diese emotionale Ebene – sie verkauft sich besser als jede detaillierte Getränkebeschreibung.
Fazit & Ausblick
Bar-Takeovers sind viel mehr als eine nette Abwechslung. Sie sind Marketinginstrument, Schulungsabend, Community-Event und Umsatzbooster in einem. Wer sie strategisch nutzt, bringt frischen Wind in sein Haus – und zeigt gleichzeitig Profil.
In den kommenden Jahren dürfte das Format weiter an Bedeutung gewinnen. Die Szene vernetzt sich stärker, die Gäste sind offener für Neues, und die Nachfrage nach Erlebnissen steigt. Wenn Sie jetzt die ersten Schritte gehen, sichern Sie sich einen Vorsprung – und vielleicht schon bald einen vollen Dienstagabend.
Kurz-Check für Ihren Betrieb
- Habe ich einen passenden Gast-Barkeeper oder Partner im Blick?
- Ist die Finanzierung bzw. Sponsoringfrage geklärt?
- Steht eine kurze, prägnante Signature-Drink-Karte?
- Sind Mise en Place, Logistik und rechtliche Details geklärt?
- Ist der Marketingplan für die nächsten Wochen bereit?