1. Vom Gast zum Schüler: Der Trend zum Erlebniskochen
Stellen Sie sich vor, Ihre Küche füllt sich an einem ruhigen Montagabend nicht mit Lieferanten oder Azubis, sondern mit neugierigen Gästen, die Pasta rollen, Teller anrichten oder die Kunst des perfekten Steaks lernen wollen. Genau solche Szenen werden für viele Restaurants zunehmend Alltag.
Warum? Weil Essen allein für viele Gäste nicht mehr reicht. Die sogenannte Experience Economy boomt. Gäste möchten erleben, fühlen, mitmachen – und vor allem: Geschichten erzählen. Ein selbstgerollter Nudelteig ist nun einmal ein deutlich stärkeres Erlebnis als ein hübsch angerichteter Teller. Die Erkenntnis ist simpel: „Ein Restaurantbesuch stillt den Hunger, ein Kochkurs stillt die Sehnsucht nach Erlebnis und Gemeinschaft“, wie es ein Artikel zum Erlebnismarketing von Tillhub zusammenfasst. Und wer aktiv mitgemacht hat, vergisst diesen Abend nicht so schnell.
Zudem stärkt ein solcher Abend den Expertenstatus Ihres Hauses. Ein Restaurant, das Wissen teilt und Einblicke gewährt, hebt sich automatisch von der Konkurrenz ab. Genau deshalb machen Erlebnisevents Gäste zu Markenbotschaftern – ein Argument, das auch Branchenartikel wie der von Tillhub deutlich herausstellen.
Für Sie als Gastronom oder Hotelier steckt dahinter eine große Chance: emotionale Bindung, neue Zielgruppen und ein Format, das selbst schwache Zeiten zuverlässig füllt.
2. Formate definieren: Workshop, Küchenparty oder Chef’s Table?
Bevor Sie mit Schürzen, Messerblöcken und Rezeptmappen loslegen, lohnt sich ein Blick auf die möglichen Formate. Denn Kochkurs ist nicht gleich Kochkurs.
Der klassische Kochkurs
Der Klassiker richtet sich an kleine Gruppen von 10 bis 15 Personen, die aktiv mitarbeiten. Ob „Sushi-Basics“, „Das perfekte Steak“ oder „Mediterrane Küche“ – das Konzept ist klar: Die Gäste lernen, der Küchenchef erklärt, es wird gemeinsam gekocht und gegessen. Ideal für Paare, Freundesgruppen oder Feinschmecker, die ihr Wissen erweitern möchten.
Die Küchenparty
Locker, gesellig, interaktiv – und perfekt für größere Gruppen. Küchenpartys funktionieren mit 20 bis 50 Gästen (oder mehr), die sich frei zwischen Stationen bewegen. Flying Buffet, Fingerfood, Show-Cooking und kleine Mitmach-Aktionen sorgen für Dynamik. Firmenkunden lieben dieses Format, weil es Kommunikation und Teamgefühl fördert. Inspirationen finden sich etwa bei Anbietern wie den Kochateliers, die seit Jahren erfolgreich Küchenpartys durchführen.
Der Fine-Dining-Kurs
Sie haben ein gehobenes Konzept oder eine starke Handschrift in der Küche? Dann kann ein exklusiver Fine-Dining-Kurs sinnvoll sein – kleiner Rahmen, hochwertige Produkte, Weinbegleitung. Das Format erinnert an den Chef’s Table und überzeugt Gäste, die besonderen Wert auf Genuss legen. Beispiele aus der Praxis liefert etwa das Eventangebot von Eisenherz.
Online oder Hybrid
Spätestens seit der Pandemie eine Alternative: Kochboxen plus Live-Stream. Damit erreichen Sie überregionale Kunden, Firmen im Homeoffice oder Stammgäste, die nicht reisen möchten. Logistisch etwas anspruchsvoller, aber reichweitenstark.
Ganz gleich, welches Format Sie wählen: Entscheidend ist, dass es zu Ihrem Betrieb, Ihrem Team und Ihrem Küchenstil passt.
3. Planung und Logistik: Was Sie wirklich brauchen
Erfolgreiche Kochkurse basieren auf Planung. Viel Planung. Doch keine Sorge – mit dem richtigen Setup wird das Event für Ihr Team und Ihre Gäste gleichermaßen entspannt.
Zeitpunkt
Nutzen Sie Ruhetage oder Servicepausen am Nachmittag. So vermeiden Sie Konflikte mit dem à-la-carte-Geschäft und holen aus sonst umsatzschwachen Zeiten echten Mehrwert heraus.
Mise en place
Das A und O. Nichts ist frustrierender als ein Kurs, der mehr an Küchenarbeit als an Kocherlebnis erinnert. Gäste wollen schnippeln, brutzeln, anrichten – aber nicht zwei Stunden lang Zwiebeln ziehen. Ihr Team sollte alle Zutaten vorbereitet haben, damit die Gäste sofort loslegen können.
Ausstattung
Scharfe Messer, stabile Arbeitsflächen, ausreichend Töpfe, Schürzen mit Logo: Was im Alltag selbstverständlich wirkt, muss für Kurse oft erweitert werden. Eine kurze Sicherheitseinweisung (Schnittschutz, heißes Öl, offene Haare) gehört dazu.
Personal
Der Küchenchef wird bei solchen Events zum Moderator. Er erklärt, zeigt, motiviert – und braucht dafür eine gewisse Bühnenpräsenz. Ein Assistent oder eine Servicekraft im Hintergrund sorgt für Ordnung, füllt Weingläser auf und achtet darauf, dass alle Gäste mitkommen. Ein Küchenchef brachte es einmal treffend auf den Punkt: „Das Wichtigste ist nicht, dass die Gäste perfekt schneiden lernen, sondern dass sie mit einem Glas Wein in der Hand lachen und die Angst vor dem Kochen verlieren.“
Hygiene und Rechtliches
Eine kurze Hygienebelehrung für die Teilnehmer ist Pflicht: Hände waschen, Haare zusammen, kein Schmuck. Einige Gesundheitsämter und IHKs bieten Merkblätter dazu an. Außerdem empfiehlt sich eine einfache Haftungsausschlusserklärung – Stichwort Allergien oder kleine Schnittverletzungen. Wenn Sie Produkte verkaufen, kommt ein weiterer Punkt dazu: Kochkurse gelten steuerlich oft als Dienstleistung und unterliegen damit 19 Prozent Umsatzsteuer. Dies ist keine Steuerberatung, aber ein Hinweis, sich kurz beim Steuerberater rückzuversichern.
4. Die Kalkulation: Damit es sich lohnt
Damit Ihr Event nicht nur Spaß macht, sondern sich auch rechnet, brauchen Sie ein klares Preismodell.
Pauschalpreis statt Einzelabrechnung
Ein Rundum-Paket mit Getränken, Speisen und Kursmaterial erleichtert die Planung und verhindert lange Rechnungsdiskussionen am Abend. Für alle Beteiligten die angenehmste Lösung.
Margen
Kochkurse haben häufig bessere Margen als das klassische à-la-carte-Geschäft. Warum? Weil der Wareneinsatz im Voraus exakt planbar ist. Einkaufsmenge = Teilnehmerzahl. Food Waste entsteht kaum.
Vorkasse und Tickets
Der Gamechanger für mehr Planungssicherheit: Nur Ticketverkauf im Voraus. Laut einer Empfehlung von SumUp senkt Vorkasse das No-Show-Risiko drastisch und bringt sofort Liquidität. Ein Gastronom formuliert es so: „Durch die Vorkasse bei den Kursen haben wir an sonst toten Montagabenden plötzlich einen garantierten Umsatz.“
Upselling
Schürzen, Gewürzmischungen, Weinpakete, Rezeptmappen: Viele Gäste möchten ein Stück des Erlebnisses mit nach Hause nehmen. Solche Zusatzverkäufe können ein lukratives Extra sein.
5. Vermarktung und B2B-Potenzial
Selbst das beste Kurskonzept nützt wenig, wenn niemand davon erfährt. Gute Vermarktung ist daher Pflicht.
Gutscheine – der Umsatztreiber
Gerade zur Weihnachtszeit boomen Gutscheine. „Zeit statt Zeug“ ist ein Trend, der jedes Jahr an Fahrt gewinnt. Professionelle Gutscheinseiten wie etwa bei der Menufaktur können als Inspiration dienen.
Firmenkunden im Blick
Teams suchen Erlebnisse, die verbinden, und Kochen ist dafür ideal. Ein Firmenkunde brachte es einmal auf den Punkt: „In der Küche fallen Hierarchien schneller als im Konferenzraum.“ Das Budget pro Kopf liegt hier oft höher als bei Privatgästen – ein klarer Vorteil.
Planungshorizont
Events sollten mindestens drei Monate im Voraus geplant und beworben werden, wie u. a. Tillhub empfiehlt. Das gibt Ihnen genug Zeit für Einkauf, Personalplanung und Marketing.
Kanäle
Nutzen Sie Ihre eigenen Plattformen:
- Newsletter an Stammgäste
- Aufsteller oder QR-Codes auf den Tischen
- Social Media mit kurzen Clips aus der Küche
- Website-Teaser im Header
Ein authentisches Video aus der Küche erzielt dabei oft mehr Wirkung als jede Werbeanzeige.
Fazit und Ausblick
Kochkurse und Küchenpartys verwandeln Ihr Restaurant in eine Erlebniswelt – und das mit überschaubarem Aufwand. Sie schaffen emotionale Bindung, generieren planbare Umsätze und füllen Zeiten, die sonst leer geblieben wären. Gleichzeitig stärken Sie Ihre Marke, indem Sie Ihre Expertise sichtbar machen und Gästen einen echten Mehrwert bieten.
Mit steigender Nachfrage nach Erlebnissen und Teambuilding-Events wächst das Potenzial weiter. Wer jetzt beginnt, sich ein professionelles Eventangebot aufzubauen, positioniert sich frühzeitig in einem Markt, der noch lange wachsen wird. Und wenn Sie schon den ersten Kurs planen, sind Sie Ihrer Konkurrenz bereits einen Schritt voraus.
Kurz-Check für Ihren Betrieb
- Haben Sie Ruhetage oder Nebenzeiten, die sich für Events eignen?
- Welches Format passt am besten zu Ihrem Küchenstil?
- Ist die Mise en place für einen Kurs gut vorbereitbar?
- Haben Sie ein kalkuliertes Ticketmodell mit Vorkasse?
- Sind Marketingkanäle und Gutscheinangebot startklar?
- Haben Sie Hygiene- und Haftungsaspekte berücksichtigt?