Montag, 19. Januar 2026 GastroNews – Magazin für Profis
Konzepte & Business

Franchise 2.0: Goldgrube oder Kostenfalle? Ein Leitfaden für Gastro-Gründer

Franchise erlebt ein neues Hoch – digitaler, effizienter und vielfältiger als je zuvor. Doch lohnt sich der Einstieg für Gastronomen und investitionsfreudige Quereinsteiger wirklich? Wir zeigen, welche Chancen Franchise 2.0 bietet, welche Kosten auf Sie zukommen und für wen das Modell am Ende tatsächlich funktioniert.

1. Franchise 2.0: Mehr als nur Burger & Pommes

Stellen Sie sich vor, Sie betreten ein modernes Schnellrestaurant: Gäste tippen ihre Bestellung am Self-Order-Terminal ein, eine App zeigt an, wann das Menü abholbereit ist, und im Hintergrund läuft ein perfekt eingespielter Prozess – ein Paradebeispiel für „Franchise 2.0“. Die Systemgastronomie hat sich längst von ihrem reinen Fast-Food-Image gelöst.

Laut Daten des Franchiseportals erwirtschafteten allein die Top-100-Systeme der Branche über 17 Milliarden Euro Umsatz – Tendenz steigend. Die gesamte Systemgastronomie bringt es mittlerweile auf rund 31 Milliarden Euro Umsatz und macht damit etwa 37 Prozent des gesamten Außerhausmarkts aus. Und sie wächst weiter: Der Fast-Food-Markt soll bis 2029 um weitere 37 Prozent zulegen.

Das hat Gründe: Franchise-Konzepte sind heute deutlich stärker digitalisiert. Ob App-Bestellung, QR-Ordering, Self-Order-Kioske oder zentral gesteuerte Delivery-Systeme – moderne Tools machen Abläufe planbarer und skalierbarer. Gleichzeitig entstehen ständig neue Nischen: Bowls, vegane Schnellgastronomie, Sushi-Delivery oder spezialisierte To-go-Modelle.

Franchise ist heute nicht mehr Einheitsbrei, sondern ein fein segmentierter Markt. Die Frage lautet nur: Welche Rolle wollen Sie in diesem System übernehmen?

2. Die Vorteile: Warum das „gemachte Nest“ lockt

Wer mit dem Gedanken spielt, in ein Franchise-System einzusteigen, denkt wahrscheinlich zuerst an Sicherheit. Und tatsächlich: Der größte Vorteil ist ein enormes Stück Risikominimierung. Ein Franchise-Betreiber startet nicht bei null, sondern nutzt ein erprobtes Geschäftskonzept – den berühmten „Proof of Concept“.

Gleichzeitig profitieren Gründer von einer Infrastruktur, die Einzelgastronomen oft erst mühsam aufbauen müssen. Dazu zählt:

Hinzu kommt ein entscheidender Punkt für alle, die finanzieren müssen: Banken betrachten Franchise-Gründungen oft als kalkulierbarer. Laut KfW erhöht der Einsatz eines etablierten Systems die Chancen auf Fördermittel wie den „ERP-Gründerkredit – StartGeld“. Oder wie ein Finanzierungsexperte sinngemäß sagt: „Wer auf ein bewährtes System setzt, erhält oft leichter Zugang zu Förderkrediten.“

Franchise kann also das Gefühl vermitteln, in ein gemachtes Nest zu steigen – ein Nest, das im Idealfall bereits getestet wurde, bevor es an Sie übergeht.

3. Die Kosten: Was kostet der Einstieg wirklich?

So attraktiv ein fertiges Konzept klingt: Franchise ist kein Sparprogramm. Die Kostenstruktur ist klar und teils hoch. Die wichtigsten Positionen:

Das Eigenkapital, das Sie mitbringen müssen, variiert stark. Die Spannbreite ist enorm, wie FranchiseCHECK aufzeigt:

Besonders niedrigschwellige Angebote wie „ab 0 Euro“ bei einzelnen Marken sollten Interessenten kritisch prüfen: Solche Modelle sind meist an spezifische Bedingungen gekoppelt, etwa hohe laufende Gebühren oder besondere Standortvorgaben.

Dazu kommt: Bis ein Franchise-Betrieb profitabel läuft, vergehen laut FranchiseCHECK im Durchschnitt sechs Monate bis zwei Jahre. Fixkosten wie Gebühren und Miete laufen aber vom ersten Tag an.

Ein klarer Hinweis: Franchise ist planbarer – aber nicht automatisch günstiger.

4. Trends & Nischen: Wo die Reise hingeht

Die Gastronomie verändert sich schnell – und Franchise-Systeme oft noch schneller. Drei Entwicklungen stechen besonders hervor:

1. Gesundheit & Nachhaltigkeit

Vegane und vegetarische Quick-Service-Konzepte boomen. Marken wie dean&david oder Anbieter von veganen Spezialitäten zeigen, wie stark die Nachfrage nach „Healthy Fast Food“ gestiegen ist. Gastronomisch bedeutet das: weniger Wareneinsatzrisiko, mehr planbare Rezepte, klare Zielgruppen.

2. Delivery und Ghost Kitchens

Delivery-first-Konzepte wie burgerme oder Sushi Palace profitieren vom anhaltenden Liefertrend. Ghost Kitchens – also Küchen ohne Gastraum – reduzieren Miete und Personalaufwand und ermöglichen schnelle Skalierung. Gerade für Franchise interessant: Ein System liefert das Bestell-Ökosystem gleich mit.

3. Automatisierung und Robotik

Self-Order-Terminals, digitale Küchensteuerung und erste teilautomatisierte Kochprozesse machen Betriebe weniger anfällig für Fachkräftemangel. Ein Trendforscher bringt es treffend auf den Punkt: „Die Zukunft gehört hybriden Modellen. Wer Eat-in, Take-away und Delivery nicht technisch sauber verknüpft, verliert den Anschluss.“

Diese Trends erklären, warum Franchise 2.0 ein Magnet für Investoren ist: Es geht nicht mehr nur um Gastronomie – es geht um Prozesseffizienz und skalierbare Systeme.

5. Individualität vs. System: Für wen passt es?

Franchise ist kein Modell für Freigeister. Menü, Design, Lieferanten, Preise – vieles ist klar geregelt. Wer sich als kreativer Küchenchef selbst verwirklichen möchte, könnte sich eingeengt fühlen.

Doch für viele ist das genau der Vorteil: Statt Konzeptentwicklung liegt der Fokus auf operativer Exzellenz, Teamführung und Standortmanagement. Besonders geeignet ist Franchise für:

Der Deutsche Franchiseverband bringt es sinngemäß so auf den Punkt: Franchise ist eine Partnerschaft auf Augenhöhe – aber mit klaren Regeln. Wer Freiheit sucht, sollte vielleicht ein eigenes Konzept entwickeln. Wer Sicherheit sucht, könnte im System gut aufgehoben sein.

Fazit & Ausblick

Lohnt sich Franchise 2.0? Die Antwort lautet: Es kommt darauf an. Moderne Franchise-Systeme reduzieren Risiken, bieten starke Marken und liefern digitale Infrastruktur, die Einzelkonzepte allein nur schwer stemmen können. Gleichzeitig erfordern sie hohe finanzielle Disziplin und die Bereitschaft, sich in ein strenges Regelwerk einzufügen.

Der Trend zeigt klar nach oben: Delivery, hybride Konzepte und digitalisierte Abläufe werden die nächsten Jahre bestimmen. Systeme, die diese Elemente beherrschen, haben beste Chancen, weiter zu wachsen.

Wenn Sie jetzt prüfen, welches Modell zu Ihren Fähigkeiten und Ihrer Risikobereitschaft passt, sind Sie Ihrer Konkurrenz bereits einen Schritt voraus.

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