1. Franchise 2.0: Mehr als nur Burger & Pommes
Stellen Sie sich vor, Sie betreten ein modernes Schnellrestaurant: Gäste tippen ihre Bestellung am Self-Order-Terminal ein, eine App zeigt an, wann das Menü abholbereit ist, und im Hintergrund läuft ein perfekt eingespielter Prozess – ein Paradebeispiel für „Franchise 2.0“. Die Systemgastronomie hat sich längst von ihrem reinen Fast-Food-Image gelöst.
Laut Daten des Franchiseportals erwirtschafteten allein die Top-100-Systeme der Branche über 17 Milliarden Euro Umsatz – Tendenz steigend. Die gesamte Systemgastronomie bringt es mittlerweile auf rund 31 Milliarden Euro Umsatz und macht damit etwa 37 Prozent des gesamten Außerhausmarkts aus. Und sie wächst weiter: Der Fast-Food-Markt soll bis 2029 um weitere 37 Prozent zulegen.
Das hat Gründe: Franchise-Konzepte sind heute deutlich stärker digitalisiert. Ob App-Bestellung, QR-Ordering, Self-Order-Kioske oder zentral gesteuerte Delivery-Systeme – moderne Tools machen Abläufe planbarer und skalierbarer. Gleichzeitig entstehen ständig neue Nischen: Bowls, vegane Schnellgastronomie, Sushi-Delivery oder spezialisierte To-go-Modelle.
Franchise ist heute nicht mehr Einheitsbrei, sondern ein fein segmentierter Markt. Die Frage lautet nur: Welche Rolle wollen Sie in diesem System übernehmen?
2. Die Vorteile: Warum das „gemachte Nest“ lockt
Wer mit dem Gedanken spielt, in ein Franchise-System einzusteigen, denkt wahrscheinlich zuerst an Sicherheit. Und tatsächlich: Der größte Vorteil ist ein enormes Stück Risikominimierung. Ein Franchise-Betreiber startet nicht bei null, sondern nutzt ein erprobtes Geschäftskonzept – den berühmten „Proof of Concept“.
Gleichzeitig profitieren Gründer von einer Infrastruktur, die Einzelgastronomen oft erst mühsam aufbauen müssen. Dazu zählt:
- Markenpower: Eine bekannte Marke verkürzt die Anlaufzeit und sorgt für planbarere Frequenzen.
- Marketing aus der Zentrale: Bundesweite Kampagnen, professionelle Social-Media-Strategien und fertige Werbematerialien sind Standard.
- Einkaufsvorteile: Bündelbestellungen drücken die Kosten – ein entscheidender Vorteil in Zeiten schwankender Rohstoffpreise.
- Schulungen & Support: Viele Systeme bieten Trainings, digitale Lernplattformen oder sogar Standortanalysen.
Hinzu kommt ein entscheidender Punkt für alle, die finanzieren müssen: Banken betrachten Franchise-Gründungen oft als kalkulierbarer. Laut KfW erhöht der Einsatz eines etablierten Systems die Chancen auf Fördermittel wie den „ERP-Gründerkredit – StartGeld“. Oder wie ein Finanzierungsexperte sinngemäß sagt: „Wer auf ein bewährtes System setzt, erhält oft leichter Zugang zu Förderkrediten.“
Franchise kann also das Gefühl vermitteln, in ein gemachtes Nest zu steigen – ein Nest, das im Idealfall bereits getestet wurde, bevor es an Sie übergeht.
3. Die Kosten: Was kostet der Einstieg wirklich?
So attraktiv ein fertiges Konzept klingt: Franchise ist kein Sparprogramm. Die Kostenstruktur ist klar und teils hoch. Die wichtigsten Positionen:
- Einstiegsgebühr: Sie zahlen für das Recht, unter der Marke zu arbeiten. Je nach System bewegen sich diese Gebühren zwischen etwa 10.000 und 50.000 Euro.
- Investition in den Betrieb: Umbau, Möblierung, Küche, IT – hier entstehen je nach Konzept 50.000 bis über 500.000 Euro. Große Restaurants wie KFC oder L’Osteria liegen deutlich im oberen Bereich.
- Laufende Gebühren: Meist bestehen diese aus einer Umsatzbeteiligung (Royalty Fee) plus Marketing-Fee.
Das Eigenkapital, das Sie mitbringen müssen, variiert stark. Die Spannbreite ist enorm, wie FranchiseCHECK aufzeigt:
- Einstiegsfreundlich: mobile oder kleine Konzepte wie PiZanto (ab 7.500 Euro) oder Sushi Palace (ab 15.000 Euro).
- Mittlere Kategorie: Hans im Glück (ab 50.000 Euro), Domino’s (ab 60.000 Euro).
- Schwergewichte: McDonald's (ab 350.000 Euro), Burger King (200.000–500.000 Euro).
Besonders niedrigschwellige Angebote wie „ab 0 Euro“ bei einzelnen Marken sollten Interessenten kritisch prüfen: Solche Modelle sind meist an spezifische Bedingungen gekoppelt, etwa hohe laufende Gebühren oder besondere Standortvorgaben.
Dazu kommt: Bis ein Franchise-Betrieb profitabel läuft, vergehen laut FranchiseCHECK im Durchschnitt sechs Monate bis zwei Jahre. Fixkosten wie Gebühren und Miete laufen aber vom ersten Tag an.
Ein klarer Hinweis: Franchise ist planbarer – aber nicht automatisch günstiger.
4. Trends & Nischen: Wo die Reise hingeht
Die Gastronomie verändert sich schnell – und Franchise-Systeme oft noch schneller. Drei Entwicklungen stechen besonders hervor:
1. Gesundheit & Nachhaltigkeit
Vegane und vegetarische Quick-Service-Konzepte boomen. Marken wie dean&david oder Anbieter von veganen Spezialitäten zeigen, wie stark die Nachfrage nach „Healthy Fast Food“ gestiegen ist. Gastronomisch bedeutet das: weniger Wareneinsatzrisiko, mehr planbare Rezepte, klare Zielgruppen.
2. Delivery und Ghost Kitchens
Delivery-first-Konzepte wie burgerme oder Sushi Palace profitieren vom anhaltenden Liefertrend. Ghost Kitchens – also Küchen ohne Gastraum – reduzieren Miete und Personalaufwand und ermöglichen schnelle Skalierung. Gerade für Franchise interessant: Ein System liefert das Bestell-Ökosystem gleich mit.
3. Automatisierung und Robotik
Self-Order-Terminals, digitale Küchensteuerung und erste teilautomatisierte Kochprozesse machen Betriebe weniger anfällig für Fachkräftemangel. Ein Trendforscher bringt es treffend auf den Punkt: „Die Zukunft gehört hybriden Modellen. Wer Eat-in, Take-away und Delivery nicht technisch sauber verknüpft, verliert den Anschluss.“
Diese Trends erklären, warum Franchise 2.0 ein Magnet für Investoren ist: Es geht nicht mehr nur um Gastronomie – es geht um Prozesseffizienz und skalierbare Systeme.
5. Individualität vs. System: Für wen passt es?
Franchise ist kein Modell für Freigeister. Menü, Design, Lieferanten, Preise – vieles ist klar geregelt. Wer sich als kreativer Küchenchef selbst verwirklichen möchte, könnte sich eingeengt fühlen.
Doch für viele ist das genau der Vorteil: Statt Konzeptentwicklung liegt der Fokus auf operativer Exzellenz, Teamführung und Standortmanagement. Besonders geeignet ist Franchise für:
- Quereinsteiger mit Management-Background,
- Gastronomen, die skalieren wollen, ohne jedes Mal ein neues Konzept zu erfinden,
- Investoren, die auf planbare Prozesse setzen.
Der Deutsche Franchiseverband bringt es sinngemäß so auf den Punkt: Franchise ist eine Partnerschaft auf Augenhöhe – aber mit klaren Regeln. Wer Freiheit sucht, sollte vielleicht ein eigenes Konzept entwickeln. Wer Sicherheit sucht, könnte im System gut aufgehoben sein.
Fazit & Ausblick
Lohnt sich Franchise 2.0? Die Antwort lautet: Es kommt darauf an. Moderne Franchise-Systeme reduzieren Risiken, bieten starke Marken und liefern digitale Infrastruktur, die Einzelkonzepte allein nur schwer stemmen können. Gleichzeitig erfordern sie hohe finanzielle Disziplin und die Bereitschaft, sich in ein strenges Regelwerk einzufügen.
Der Trend zeigt klar nach oben: Delivery, hybride Konzepte und digitalisierte Abläufe werden die nächsten Jahre bestimmen. Systeme, die diese Elemente beherrschen, haben beste Chancen, weiter zu wachsen.
Wenn Sie jetzt prüfen, welches Modell zu Ihren Fähigkeiten und Ihrer Risikobereitschaft passt, sind Sie Ihrer Konkurrenz bereits einen Schritt voraus.
Kurz-Check für Ihren Betrieb
- Haben Sie ausreichend Eigenkapital für Einstiegsgebühr und Umbau?
- Fühlen Sie sich wohl damit, nach festen Vorgaben zu arbeiten?
- Passt das Franchise-Konzept zu Ihrem Standort und Ihrer Zielgruppe?
- Haben Sie Management- und Führungserfahrung?
- Sind Sie bereit, sich langfristig an eine Marke zu binden?