Dienstag, 17. März 2026 GastroNews – Magazin für Profis
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Umsatz-Booster am Tag: So verwandeln Sie Ihr Restaurant in einen Coworking-Space

Zwischen Mittagstisch und Abendgeschäft liegen oft Stunden, in denen Gasträume ungenutzt bleiben – während die Fixkosten fröhlich weiterlaufen. Gleichzeitig suchen Remote-Worker dringend nach inspirierenden Arbeitsorten jenseits des Homeoffice. Immer mehr Gastronomiebetriebe verbinden diese beiden Bedürfnisse. Coworking im Restaurant: ein Trend, der leerstehende Flächen in gebuchte Plätze verwandelt.

Umsatz-Booster am Tag: So verwandeln Sie Ihr Restaurant in einen Coworking-Space

TL;DR

Teaser / Vorspann:

Zwischen Mittagstisch und Abendgeschäft liegen oft Stunden, in denen Gasträume ungenutzt bleiben – während die Fixkosten fröhlich weiterlaufen. Gleichzeitig suchen Remote-Worker dringend nach inspirierenden Arbeitsorten jenseits des Homeoffice. Immer mehr Gastronomiebetriebe verbinden diese beiden Bedürfnisse. Coworking im Restaurant: ein Trend, der leerstehende Flächen in gebuchte Plätze verwandelt.

1. Wenn die Küche kalt bleibt, muss der Umsatz nicht frieren

Stellen Sie sich einen typischen Dienstag vor: Am Abend platzt Ihr Restaurant aus allen Nähten – doch um 11 Uhr vormittags hört man im Gastraum die Kaffeemaschine atmen. Diese „toten Stunden“ zwischen Frühstück und Abendgeschäft sind keine Seltenheit. In vielen Betrieben entsteht genau dort eine teure Leerstelle: Miete, Energie, Personalstruktur – alles läuft, nur die Umsätze nicht.

Parallel wächst der Druck, Flächen effizient zu nutzen. Und während Gastronomen händeringend nach neuen Einnahmequellen suchen, sind Millionen von Remote-Worker auf der Suche nach genau dem, was Restaurants bereits bieten: ruhige Tische, Kaffee, ein bisschen Gesellschaft und eine Atmosphäre, die produktiver ist als der Küchentisch zu Hause.

New Work verändert die Arbeitswelt – und damit auch die Gastronomie. Laut verschiedenen Branchenanalysen wächst die Zahl der Menschen, die zumindest teilweise im Homeoffice arbeiten, stetig. Viele davon fliehen regelmäßig aus den eigenen vier Wänden, um dem Lagerkoller zu entgehen. Warum also nicht die eigenen Gasträume zum „Third Place“ machen?

2. Das Konzept: Vom „Laptop-Verbot“ zum Geschäftsmodell

Es ist noch gar nicht so lange her, da prangten in vielen Cafés Schilder wie „Laptops verboten“ oder man verzichtete bewusst auf WLAN, um Tische für zahlende Essensgäste freizuhalten. Heute dreht sich das Bild: Wer tagsüber Coworker anzieht, bindet zahlende Stammkunden – und generiert völlig neue Einnahmequellen.

Das Konzept ist simpel: Aus geduldeten Laptop-Nutzern werden zahlende Gäste mit klar definiertem Angebot. Statt vier Stunden an einem Tee zu nippen, buchen Remote-Worker heute Tagespässe, Zeitfenster oder Coworking-Tickets.

Ein Blick über den Atlantik zeigt, wohin die Reise gehen kann. In den USA verwandeln Restaurants wie die Crave Fishbar in New York ihre Flächen vormittags offiziell in Workspaces – ein Modell, das auch hierzulande an Fahrt gewinnt. Fachmedien wie t3n berichten über Plattformen wie Tapdesk, die Gastronomen genau diese Transformation erleichtern: Gäste buchen per App, Einnahmen werden geteilt, der Betrieb läuft weiter wie gewohnt.

Ein paraphrasiertes Zitat aus der Praxis bringt es gut auf den Punkt: „Früher haben wir Laptop-Nutzer argwöhnisch beäugt, weil sie Tische blockierten. Heute verkaufen wir ihnen Tickets und haben tagsüber Leben in der Bude.“

3. Infrastruktur & Voraussetzungen: Was Remote-Worker wirklich brauchen

Bevor Sie den ersten Tagespass verkaufen, muss die Basis stimmen. Remote-Worker sind anspruchsvolle Gäste – und zwar nicht, weil sie viel konsumieren, sondern weil sie störungsfrei arbeiten wollen.

Die wichtigsten Faktoren:

WLAN

Ohne stabiles Internet geht nichts. Ein schwankendes Netz ist das Ausschlusskriterium Nummer eins. Viele Gastronomen lösen das mit separaten Gästenetzwerken und Repeatern.

Stromzugang

Jeder Coworker braucht Strom. Steckdosenleisten, gut platzierte Wandanschlüsse oder sogar Powerbanks zum Verleih sind einfache, aber entscheidende Investitionen.

Ergonomie

Barhocker sehen toll aus – aber niemand möchte darauf acht Stunden arbeiten. Bieten Sie Arbeitsinseln mit normalen Stühlen und ausreichend großen Tischen. Ein paar „Community Tables“ sind ebenfalls beliebt, wie auch ein Artikel auf Gastivo erläutert.

Verpflegung

Kaffee, Wasser, leichte Snacks, vielleicht eine kleine Brainfood-Auswahl: Remote-Worker wollen unkomplizierte Self-Service-Angebote. Das entlastet am Ende sogar Ihr Personal.

Ruhezonen und klare Regeln

Idealerweise trennen Sie Mittagsgäste von Coworkern. Das sorgt für Ruhe und verhindert Frust auf beiden Seiten. In manchen Betrieben funktioniert das über einfache Sitzplatzmarkierungen oder Reservierungsschilder.

Rechtliches und Versicherung

Ein kurzes Wort zu den Basics: Solange Gastronomie der Hauptzweck bleibt, sind baurechtliche Hürden normalerweise gering. Etwas heikler ist das Thema Haftung: Die Laptops der Gäste sind in der Regel nicht versichert. Ein deutlicher Hinweis – etwa im Ticket- oder WLAN-Login – schafft Klarheit.

4. Monetarisierung: Wie kommt das Geld in die Kasse?

Es gibt zwei Hauptwege, um Coworking profitabel zu machen: über Plattformen oder in Eigenregie.

1. Plattform-Modelle

Apps wie Tapdesk oder Meettown funktionieren ähnlich wie eine Zimmerbörse:

Laut einem Bericht auf t3n starten die Preise bei rund 1,99 Euro pro Stunde oder etwa 8 Euro pro Tag – attraktiv für Coworker, planbar für Gastronomen. Björn Gieß, Gründer von Tapdesk, bringt den Vorteil pointiert auf den Punkt: „Die Lokalbetreibenden können so die Einrichtungsfläche, für die sie sowieso zahlen, weiter monetarisieren. Und das, ohne dass Personalaufwand auf ihrer Seite entsteht.“

2. Eigenregie-Modelle

Wer die Kontrolle behalten will, bietet eigene Pakete an, zum Beispiel:

Der Vorteil: Sie behalten alle Einnahmen und können das Angebot flexibel an Ihr Publikum anpassen. Gleichzeitig erfordert dieses Modell etwas mehr Organisation.

Unabhängig vom Modell gilt: Sie nutzen „Eh-da-Kosten“. Die Fläche ist bezahlt, das Licht brennt sowieso. Jeder Euro, der tagsüber zusätzlich reinkommt, ist praktisch Deckungsbeitrag pur.

5. Synergie-Effekte: Der Coworker von heute ist der Dinner-Gast von morgen

Coworking in der Gastronomie ist nicht nur ein Umsatzthema – es ist ein Marketinginstrument.

Neukundengewinnung

Wer Ihren Gastraum tagsüber als Arbeitsplatz schätzen lernt, kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit abends mit Freunden, Familie oder Business-Partnern wieder.

Belebung

Ein voller Gastraum wirkt attraktiver als ein leerer. Menschen, die arbeiten, erzeugen genau die Art von lebendiger Atmosphäre, die Laufkundschaft anzieht.

Community Building

Ein New-Work-Experte formulierte es einmal so: „Das Restaurant wird zum Dritten Ort.“

Für viele Remote-Worker ist der Coworking-Platz ein sozialer Anker – und damit eine Chance für Gastronomen. Kurze Networking-Formate, After-Work-Drinks oder kleine Community-Events schlagen eine elegante Brücke zum Abendgeschäft.

6. Fazit & Checkliste

Coworking kann für viele Betriebe eine rentable Zusatzoption sein – besonders dort, wo tagsüber Leerlauf herrscht und die Lage Remote-Worker anzieht. Es ersetzt kein schwaches Konzept, aber es verstärkt ein gutes. Wer WLAN, Strom, Sitzkomfort und Self-Service bietet, schafft die Grundlage. Wer digitale Buchungssysteme einsetzt oder eigene Tickets anbietet, macht daraus ein Geschäftsmodell. Entscheidend ist: Sie gewinnen eine Zielgruppe, die treu und planbar ist.

Der Blick nach vorn zeigt: Mit zunehmender Remote-Work-Quote wird die Nachfrage nach flexiblen Arbeitsorten weiterwachsen. Wer jetzt testet und optimiert, positioniert sich früh – und sichert sich einen Wettbewerbsvorteil.

Wenn Sie Ihre Leerlaufzeiten neu denken, sind Sie Ihrer Konkurrenz schon einen Schritt voraus.

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