Dienstag, 28. Juli 2026 GastroNews – Magazin für Profis
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Was Gäste nach dem Check-in ausgeben

Destatis weist für Mai reale Umsatzrückgänge im deutschen Gastgewerbe aus. Für ein einzelnes Hotel ist das kein Buchungsforecast. Es ist aber ein Anlass, genauer auf Frühstück, Bar, Spa, Parkplatz und Upgrades zu schauen – auch dann, wenn einzelne Zusatzleistungen schon vor der Anreise gebucht wurden.

TL;DR

Die Schlüsselkarte ist übergeben, das Zimmer ist als Umsatz bereits erfasst. Danach beginnt der Teil des Aufenthalts, der in vielen Reports nur als Summe auftaucht: Frühstück, Parkplatz, Drink an der Bar, Spa-Termin oder ein Upgrade.

Für den Betrieb liegen diese Daten selten an einem Ort. Das PMS verwaltet Buchung und Aufenthalt, das POS die Verkäufe am Tresen, das Folio die belastbaren Gastposten, die Buchhaltung den Gesamtumsatz. Ein wöchentliches Blatt verbindet sie so weit, dass eine praktische Frage beantwortbar wird: Verändert sich das Ausgabeverhalten der Hausgäste?

Destatis meldete für Mai im deutschen Gastgewerbe real 2,0 Prozent weniger Umsatz als im April; Hotels und sonstige Beherbergungsunternehmen lagen real 0,9 Prozent darunter. Das beschreibt weder Belegung noch Rate eines einzelnen Hauses. Es spricht nur dafür, die Zeit nach der Anreise nicht aus dem Blick zu verlieren.

Die belegte Zimmernacht als Nenner

Dafür eignet sich eine eigene interne Betriebskennzahl:

Netto-Nebenumsatz je belegter Zimmernacht = zurechenbarer Netto-Nebenumsatz einer Woche / belegte Zimmernächte derselben Woche

Belegte Zimmernächte sind tatsächlich genutzte Zimmer pro Nacht. So bleibt eine Woche mit vielen Ein-Nacht-Aufenthalten mit einer Woche voller längerer Aufenthalte vergleichbar. 4.200 Euro zurechenbarer Netto-Nebenumsatz bei 280 belegten Zimmernächten ergeben 15 Euro je belegter Zimmernacht.

Diese Kennzahl ist bewusst nicht mit HSMAIs „Ancillary Revenue Per Room“ gleichzusetzen. HSMAI verwendet für den gesamten Nicht-Zimmer-Umsatz verfügbare Zimmer als Nenner. Hier stehen dagegen Ausgaben der tatsächlich beherbergten Gäste im Mittelpunkt; deshalb lautet der Nenner belegte Zimmernächte. Beide Werte können nützlich sein, dürfen aber nicht unter demselben Namen im Report landen.

In den Zähler kommen nur vorher definierte Erlösfelder. Zimmerumsatz, Kurtaxe und durchlaufende Gebühren bleiben draußen. Für alle Felder gilt dieselbe Regel: Netto nach Rabatten und Erstattungen, ohne Mehrwertsteuer; inkludiertes Frühstück bleibt beim Zimmerumsatz oder wird nach einer dauerhaft festgelegten internen Logik aufgeteilt.

Fünf Felder statt einer Restzeile

Für den Start reichen fünf Felder: separat verkaufte Frühstücke, F&B außerhalb des inkludierten Frühstücks, Spa oder Wellness, Parkplatz beziehungsweise Mobilität sowie Upgrades und Zusatzleistungen.

Ein beim Check-in verkaufter Zimmerwechsel kann als Zusatzleistung zählen. Ein Zimmertyp, den der Gast schon bei der Buchung gewählt hat, gehört zum regulären Zimmerumsatz. Ebenso braucht die Bar eine klare Grenze: Nur Umsätze mit Folio-, Zimmer- oder datenschutzkonformem Gastbezug werden dem Aufenthalt zugerechnet. Lokale Gäste bleiben als eigener Barumsatz sichtbar.

Der Wochenwert darf zusätzlich nach Aufenthaltstag und wenigen Segmenten aufgeteilt werden. Tag 0 ist der Check-in-Tag, Tag 1 die erste volle Übernachtung; die Leistung wird dem Tag ihrer Erbringung zugeschrieben, nicht bloß dem Rechnungsdatum. Direktbuchung, OTA, Corporate, Gruppe und Freizeit reichen meist als Segmente. Mehr Detail lohnt sich erst, wenn die Zuordnung stabil läuft.

Die Datenlücke gehört in den Report

Eine glatte Grafik kann täuschen. Wenn Bar- oder Spa-Umsätze keinem Hausgast zugeordnet werden können, sollten sie nicht pauschal auf Segmente verteilt werden. Eine eigene Zeile „nicht zuordenbarer Netto-Nebenumsatz“ macht die Lücke sichtbar.

Dazu passt eine interne Kontrollzahl: die Zuordnungsquote. Sie teilt den zurechenbaren Netto-Nebenumsatz durch den gesamten definierten Netto-Nebenumsatz eines Erlösfelds. Bei 1.000 Euro Barumsatz, davon 600 Euro mit Folio- oder Gast-ID-Bezug, liegt sie bei 60 Prozent. Die restlichen 400 Euro bleiben lokaler oder unklarer Umsatz.

Das ist kein Makel des Reports. Es kann auf eine fehlende Folio-Übergabe, eine unklare Kassenroutine oder ein Mapping-Problem zwischen Systemen hinweisen. Erst wenn diese Grundlagen stimmen, tragen Segment- und Aufenthaltstagswerte.

Zehn Minuten am Montag

Das Wochenblatt braucht nicht mehr als Kalenderwoche, belegte Zimmernächte, Netto-Nebenumsatz, Euro je Zimmernacht, Erlösfeld, Segment, Aufenthaltstag und Datenlücke. Front Office, F&B oder Spa und Finance schauen kurz gemeinsam darauf; in kleinen Häusern reichen Geschäftsführung und Buchhaltungszugang.

Drei Fragen genügen: Was hat sich verändert? In welchem Erlösfeld? Sind die Daten vollständig genug für eine Reaktion? Eine schwache Barwoche kann eine geschlossene Terrasse, eine Reisegruppe mit Abendprogramm oder eine fehlende Datenübergabe bedeuten.

Erst ein Muster über mehrere Wochen verdient eine Maßnahme: Parkplatz beim Check-in sichtbarer machen, einen Spa-Slot vor der Anreise anbieten oder das Barangebot für den zweiten Abend platzieren. Der Zimmerumsatz ist bei Anreise schon erfasst. Was der Gast darüber hinaus ausgibt, wird danach Woche für Woche sichtbar.

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