1. Der Hunger nach Erlebnis
Stellen Sie sich vor, ein Gast sitzt bei Ihnen im Restaurant – zufrieden, satt, alles gut. Doch was bleibt davon morgen? In Zeiten, in denen ein Restaurantabend mit Kino, Theater oder Escape Room konkurriert, suchen viele Menschen Erlebnisse, an die sie sich erinnern. Ein Dinner soll heute nicht nur schmecken, sondern emotional überraschen.
Genau hier setzt Erlebnismarketing an. Laut einem Beitrag zum Thema Gastronomie als Erlebnis im Tillhub Blog suchen Gäste bewusst nach „Geschichten, die man am nächsten Tag den Kollegen erzählt“. Ein Tasting schafft solche Momente: Gäste fotografieren die Flight-Boards, teilen das Winzer-Zitat auf Instagram oder diskutieren am nächsten Tag im Büro über die überraschende Kombination aus Schokolade und Whisky.
Events schärfen das Profil eines Betriebs. Wer regelmäßig Wine & Dine anbietet, wird rasch zur lokalen Adresse für Weinliebhaber oder Feinschmecker. Und: Gemeinsame Erlebnisse verbinden. Wer bei einem stimmungsvollen Tasting gemeinsam probiert, lacht und lernt, baut eine persönliche Beziehung zu Ihrem Betrieb auf – eine Bindung, die weit stärker ist als die reine Tischreservierung.
2. Formate: Von Klassik bis Kreativ
Die Bandbreite an Verkostungsformaten ist enorm – und wächst ständig. Ein Blick auf Plattformen wie Mydays zeigt: Von Bier über Gin bis Schokolade lässt sich praktisch alles inszenieren.
Klassische Wine & Dine Abende
Der Klassiker bleibt unschlagbar: ein mehrgängiges Menü, jeder Gang begleitet von einem passenden Wein. Oft ist der Winzer selbst anwesend. Diese Abende sind elegant, intensiv und besonders geeignet, wenn Sie ein anspruchsvolles Publikum anziehen oder Ihr gastronomisches Niveau positionieren wollen.
Casual Tastings
Einen deutlich lockereren Charakter haben Formate wie „Bier & Brotzeit“, „Craft Beer Flight“, „Gin & Tonic Workshop“ oder Verkostungen mit regionalen Spezialitäten. Sie sind zugänglich, weniger formell – und sprechen häufig ein jüngeres, neugieriges Publikum an.
Kreative Crossover
Der Trend zu Erlebnissen öffnet die Tür für immer ausgefallenere Konzepte. Beispiele, die Feinschmecker.de sammelt, reichen von „Kino & Vino“ über „Paint & Drink“ bis hin zu sportlich-entspannten Formaten wie „Yoga & Wine“.
Der Vorteil solcher Events: Sie sprechen Zielgruppen an, die sonst vielleicht nie ein Tasting buchen würden.
Nischen-Fans & Naturwein
Naturwein-Events und „Hinterhof Tastings“, wie sie etwa Anbieter wie Weinskandal bewerben, zeigen, wie stark Community-Gefühl funktionieren kann. Portfolio-Verkostungen oder Fokusnächte zu jungen Winzerpersönlichkeiten treffen den Zeitgeist einer Generation, die unkonventionelle Genusskultur sucht.
Saisonale Themen
Mit saisonalen Menüs punkten Sie gleich doppelt: kulinarisch und organisatorisch. Ob Spargel & Silvaner, Wild & Rotwein oder ein Champagner-Sommerfest – solche Themenabende sind planbar, attraktiv und leicht zu kommunizieren.
Inklusive Varianten
Wichtig: Erlebnis heißt nicht zwingend Alkohol. Tea-Pairings, Saftbegleitungen oder alkoholfreie Fermentations-Workshops sprechen zunehmend ein bewusst lebendes Publikum an. So erweitern Sie Ihr Gästespektrum zusätzlich.
3. Die richtigen Partner finden
Ein gelungenes Tasting steht und fällt mit den Menschen, die dahinterstehen. Gäste lieben Authentizität – und das heißt: echte Produzenten.
Winzer & Brauereien
Der „Winzer zum Anfassen“ ist für viele Besucher ein Magnet. Wenn er erzählt, warum ein Jahrgang schwierig war oder welche Geschichte hinter dem Etikett steckt, entsteht sofort Nähe. Ein Winzer brachte es in einem Gespräch einmal so auf den Punkt: „Der Wein schmeckt besser, wenn man das Gesicht dahinter kennt.“
Viele Produzenten übernehmen gern Teile der Moderation oder liefern Weine zu Sonderkonditionen – schließlich profitieren auch sie von der Sichtbarkeit.
Händler & Zulieferer
Wenn Sie selbst keinen Sommelier im Team haben, lohnt sich der Blick zu Weinhändlern oder Spirituosenimporteuren. Anbieter wie Weinheuer zeigen, wie stark der Markt für individuell buchbare Expertinnen und Experten geworden ist. Oft bringen sie nicht nur Fachwissen mit, sondern auch Erfahrung aus B2B-Events.
Cross-Promotion
Ein Riesenvorteil dieser Partnerschaften: doppelte Reichweite. Denn Hersteller, Händler oder Winzer bewerben das Event meist ebenfalls. So erschließen Sie neue Zielgruppen, die Sie sonst nie erreicht hätten.
4. Kalkulation & Marketing
Bei aller Romantik des Genusses: Für Gastronomen zählt die wirtschaftliche Seite. Und gerade hier sind Wine & Dine Formate äußerst attraktiv.
Tickets & Vorkasse
Verkostungsabende funktionieren ausgesprochen gut mit Ticket-Systemen – ob über Eventplattformen oder Ihre eigene Website. Die Vorteile sind enorm:
- kaum No-Shows (statt 10–20 % in der normalen Gastronomie nahezu 0 %)
- gesicherte Liquidität vor dem Event
- besser planbarer Wareneinsatz
Wichtig: Kommunizieren Sie Stornoregeln klar und transparent (AGB).
Paketpreise statt Einzelabrechnung
Ein All-inclusive-Preis für Menü, Getränke, Wasser und Kaffee schafft Sicherheit für beide Seiten: Ihre Gäste wissen, was auf sie zukommt. Und Sie können Kalkulation und Einkauf präzise steuern. Die marktüblichen Preise reichen laut Branchenübersichten von rund 30 Euro für einfache Bierproben bis zu über 200 Euro für exklusive Winzerdinner.
Upselling am Abend
Schaffen Sie die Möglichkeit, die verkosteten Produkte direkt mit nach Hause zu nehmen – gerne kistenweise. Der Klassiker: Gäste bestellen die Weinpakete vom Abend gleich vor Ort. Das sorgt für Mehrumsatz und stärkt nebenbei die Beziehung zum Winzer.
Sichtbarkeit über Social Media & Newsletter
Verkostungs-Events sind perfekter Content: kurze Videos, „Behind the Scenes“-Einblicke, ein Porträt des Winzers, das Menü in Vorbereitung. Die Planung sollte rund drei Monate vor dem Event starten, wie ebenfalls der Tillhub Blog empfiehlt. So haben Sie genügend Zeit, Spannung aufzubauen und Tickets zu verkaufen.
5. Die Rolle des Gastgebers
Auch das beste Produkt überzeugt nicht ohne gutes Storytelling. Tasting-Abende brauchen eine Art „Reiseleiter“ – jemanden, der die Gäste mitnimmt.
Storytelling statt Fachchinesisch
Es geht nicht um Säurewerte oder Fassgrößen, sondern um Geschichten: Warum arbeitet ein Winzer so radikal? Warum harmonieren bestimmte Aromen? Und was verbindet den Käse mit dem Whisky?
Eine Winzerin formulierte es einmal so: „Wenn ich erzähle, wie ich im Hagel um die Ernte gekämpft habe, bekommt das Glas eine andere Wertigkeit.“
Raum & Atmosphäre
Licht, Musik und Tischdekoration bestimmen den Charakter des Abends. Ein langer „Community Table“ fördert das Gespräch unter den Gästen. Und wer entspannt miteinander plaudert, bleibt länger – und kommt eher wieder.
Fazit / Ausblick
Verkostungs-Events sind weit mehr als ein hübsches Extra. Sie verbinden Genuss mit Emotionen und schaffen Erlebnisse, die Sie von der Konkurrenz abheben. Durch Ticketverkäufe sichern Sie Planung und Liquidität, durch Partnerschaften erweitern Sie Ihre Reichweite, und durch gelungenes Storytelling verwandeln Sie Gelegenheitsgäste in Fans.
Der Trend wird in den nächsten Jahren weiter wachsen: mehr Kreativität, mehr inklusive Angebote, mehr Kooperationen zwischen Gastronomie, Kultur und Produzenten. Wenn Sie jetzt beginnen, ein eigenes Format zu etablieren, sind Sie Ihrer Konkurrenz einen Schritt voraus.
Kurz-Check für Ihren Betrieb
- Haben Sie ein klares Thema, das zur Identität Ihres Hauses passt?
- Gibt es passende Partner wie Winzer, Händler oder Produzenten?
- Haben Sie ein Preismodell, das kalkulierbar und attraktiv ist?
- Ist die Ticketabwicklung (inklusive Stornoregeln) klar geregelt?
- Haben Sie einen Gastgeber, der den Abend souverän und unterhaltsam moderieren kann?